Bombenalarm am Gymnasium Tutzing - Polizei räumt Schule

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Fitness aus dem Becher löffeln

- Klamm sind die Finger, kalt die Nasenspitze, und wie jedes Jahr fühlen sich die ersten Wintertage viel kälter an als alle folgenden. "Achtung", warnt Barbara Steiner, während Gummirollen auf Metall scheppern und Skiliftatmosphäre erzeugen. Doch keine Gondeln macahen die charakteristischen Geräusche, die man vom Skifahren kennt. Außerdem würde kein normaler Wintersportler zu so früher Stunde in der Lifthalle stehen.

<P>Hier in Piding, wo Bayerns Marktführer in Sachen Frischmilch und Markenquark und Biomilch-Pionier täglich etwa 430 000 Kilo Milch be- und verarbeitet, ist morgens um acht der Tag schon fast vorbei. Zumindest in den Hallen, wo gebuttert, homogenisiert, pasteurisiert, sterilisiert, Quark gerührt und Joghurt in Tausende von Bechern gefüllt wird, damit auf den Frühstückstischen von Bayern bis in die Pfalz, von England bis nach Griechenland frische Milchprodukte aus Bayerns Voralpenland stehen.</P><P>Die "Milchstraße" ist vollautomatisiert</P><P>Ab ein Uhr nachts treffen hier täglich die Milchtanks ein und liefern frische Kuhmilch aus allen genossenschaftlichen Betrieben im Berchtesgadener und Salzburger Land, Chiemgau und Isarwinkel. In irgendeiner Form passiert sie dann einmal in einem gelben Wagen die Elektrohängebahn, deren Geräusche an einen Skilift erinnern und die Marketingfrau Steiner als die "Hauptschlagader der Molkerei" bezeichnet. Riesige Würfel aus Milchtüten gondeln in die eine Richtung. Eimerweise Quark für Gastronomiebetriebe kommmt ihnen entgegen. Gefolgt von unzähligen Kisten leerer Milchflaschen auf dem Weg in die Reinigungsanlage. Und wäre da nicht ein Angestellter im weißen Kittel als Begleiter einer der gelben Wägelchen und der Blick aus den Fenstern auf die verschneiten Berge, man hätte das Gefühl, per Zeitreise irgendwo in einer chromglänzenden Zukunftsvision gelandet zu sein. Milch und was daraus entsteht sieht man hier in den beiden großen Produktionshallen der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau nur an der Anlage, an der täglich Tausende Flaschen mit Bergbauern- und kontrolliert biologischer Demeter- und Naturland- Milch befüllt werden und die dann auf schmalen Förderbändern zu Qualitätskontrolle, Verstöpseln, Vakuumieren und Versiegeln sowie zum Etikettieren fahren.</P><P>Vollautomatisiert, versteht sich. So wie auch die Joghurtproduktion, die vorwiegend in glänzenden, turmhohen Tanks am Eingang von Halle eins stattfindet. Vollautomatisiert ist auch die Topfenzubereitung nach traditionellem Separatorenverfahren. Dafür benötigt man zwar mehr Milch (Für ein Kilo Quark 4,3 Liter Magermilch im Vergleich zu 3,3 Litern beim sog. Ultrafiltrationsverfahren.), das Verfahren erfordert auch einen größeren Zeitaufwand, aber dafür ist das Endprodukt besonders cremig und mild. Hinter Stahltanks könnte man das zwar ohnehin nur erahnen, doch heute passiert hier nichts in Sachen Quark. "Neben verschiedenen Joghurts ist gerade Butter dran", schreit Barbara Steiner gegen den gleichförmigen Maschinenlärm an und zeigt auf den Mitarbeiter, der mit Argusaugen darüber wacht, vom Fließband nur einwandfreie Butterstückchen in Richtung Verpackungskisten rutschen. Das typische Grün für die Verpackungen der Produkte aus Bergbauernmilch zieren seit ein paar Wochen goldgelbe Sternchen. Vorboten der Weihnachtsbäckerei, die kurz vor Heiligabend auch den Joghurtbechern ein leicht festliches Ornat verleihen werden.</P><P>Geadelt mit dem Prädikat "sehr gut"</P><P> Das sind nette Spielereien, aber auf einen Aufdruck ist man besonders stolz ist: Das Prädikat sehr gut, mit dem der Berchtesgadener Bergbauernbutter im Januar diesen Jahres von Ökotest geadelt wurde. Es ist eine Bestätigung dafür, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Der begann im Jahr 1927, als nach wirtschaftlich turbulenten Inflationsjahren 54 Bauern in Piding eine landwirtschaftliche Verwertungsgenossenschaft gründeten. 255 500 Kilo Milch lieferten sie damals im Lauf eines Jahres an. Heute sind es 1994 Mitglieder, davon 1569 Milchlieferanten (darunter 788 Bergbauern, 103 Demeter- und 137 Naturland- Betriebe), die für ein jährliches Rohmilchaufkommen von etwa 160 Mio. Kilo sorgen (davon 57 Mio. Kilo Bergbauern- und 26 Mio. Kilo Biomilch). Dass sie nur eigene Rohstoffe verwenden, statt - wie branchenüblich - an der Börse zuzukaufen, ist den gleichermaßen bodenständigen wie weitsichtigen oberbayerischen Bauern ebenso wichtig wie die Tatsache, dass alles im Haus verarbeitet wird. Für den Verbraucher ist das ansatzweise zu erkennen auf dem Genusstauglichkeitsstempel, einem kleinen ovalen Aufdruck, der seit Einführung der EG-Hygienerichtlinie auf allen in der Europäischen Gemeinschaft hergestellten Milchprodukten Auskunft über deren Herkunft geben muss.</P><P>Der erste Buchstabe steht dabei für das Land, in dem das Produkt zuletzt verarbeitet wurde, der zweite für das Bundesland, die abschließende Nummer verrät die Herstellermolkerei. Im Fall von Piding ist das 110. Kompliziert wird die Sache freilich, wenn mehrere solcher Stempel auf ein und derselben Packung zu finden sind. Wer beim Joghurt genau hinschaut, findet neben Zutatenliste und Inhaltsstoffen - nicht nur bei den grünen Berchtesgadener Land-Joghurts - immer häufiger den Zusatz "probiotisch". Und sieht man die Verkaufszahlen der deutschen Lebensmittelindustrie, dann schauen diesbezüglich immer mehr ganz genau hin. "Functional Food" ist das Schlagwort, das immer häufiger zwischen Kühlregalen und Küchentisch herumgeistert. Es steht für "Lebensmittel, die durch zugesetzte Nährstoffe und andere Substanzen einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen für den Verbraucher bieten sollen", formuliert der Ernährungs- Brockhaus. Außer den Japanern, die Functional Food sozusagen erfunden haben und heute in mehr als 350 Betrieben mit Vitaminen, Ballaststoffen, Probiotika und unzähligen anderen Zusatzstoffen angereicherte Nahrungsmittel produzieren, folgten nicht nur die Amerikaner begeistert diesem Trend. Auch in Europa finden es immer mehr Verbraucher verlockend, Mängel in der Ernährung, fehlende körperliche Betätigung oder ungesunde Lebensweise wettzumachen mit dem richtigen (Joghurt-)Drink, aufgepeppten Eiern oder Hähnchenfleisch. Dabei sind die Deutschen nach einer Studie der Uni Hannover Spitzenreiter vor den Franzosen und Briten.</P><P>Kinder der Öko-Generation kaufen gern mit Zusatz</P><P>"Gesunde Ernährung ist den Deutschen wichtig, doch schnell und bequem muss sie sein", konstatiert die Allgemeine Ortskrankenkasse AOK. Besonders die Kinder der Öko-Generation greifen laut Statistik gern zu den bunten Bechern, die beste Gesundheit prophezeien. Einhellig überzeugt vom echten Nutzen von Functional Food ist man derzeit lediglich bei den probiotischen Nahrungsmitteln. Deren Wurzeln gehen bereits auf Anfang des 20. Jh. zurück, als der russisch-französische Naturforscher Ilja Metschnikoff entdeckte, wie günstig Milchsäurebakterien Darmflora und damit den allgemeinen Gesundheitszustand beeinflussen. Fast hundert Jahre später lösten diese Probiotics einen echten Boom aus. Das wohl bekannteste Produkt ist Actimel, der Joghurtdrink von Marktführer Danone, der weltweit Milchfrischprodukte vertreibt und seinen Deutschland- Sitz in München hat. 1996 in Deutschland eingeführt, mauserte sich der 2001 von Ökotest mit "sehr gut" prämierte Drink mit der besonders resistenten Joghurtkultur L. Casei Defensis zum Favoriten der Kunden.</P>

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