Flackernder Sternentod

- Er ist der hellste Stern im Orion, einem der bekanntesten Sternbilder der Nordhalbkugel. Jeder kann Beteigeuze von der Erde aus mit bloßem Auge sehen. Würde er nicht mehr leuchten, dann wäre dem Nachthimmel ein bedeutender leuchtender Punkt verloren gegangen. Genau das kann jeden Augenblick passieren.

 "Beteigeuze ist etwa 20 bis 30 mal so schwer wie unsere Sonne und liegt auf dem Sterbebett", sagt Thomas Janka, vom Max- Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München. Der Sternenforscher und seine Kollegen simulieren an ihren Computern, was passiert sein muss, wenn Beteigeuze eines Tages nicht mehr leuchtet.

Für solche Modellierungen brauchen die Forscher die gesamte Kapazität eines der stärksten Großrechner Deutschlands, den die Max- Planck-Gesellschaft in Garching betreibt. Bei solchen Sternen-Berechnungen kommen unter anderem bizarre grafische Simulationen heraus, die entfernt an Aquarellmalerei erinnern.

"Beteigeuze ist etwa 400 Lichtjahre von uns entfernt", erklärt der Astrophysiker. "Das bedeutet: Was wir auf der Erde sehen, das hat sich also vor 400 Jahren auf dem Stern ereignet, erst jetzt hat das Licht die Entfernung bis zu unserem Planeten zurückgelegt."

Beteigeuze besteht vor allem aus glimmenden Wasserstoff und Helium. Der Rest seiner Masse, aus Kohlenstoff, Sauerstoff Silizium und Eisen, ist in seinem Kern sehr stark konzentriert und extrem heiß. "In Beteigeuze tickt eine Zeitbombe", sagt Janka. "Wenn sie explodiert, wird der Stern so hell am Firmament sein, dass man ihn sogar bei Tag betrachten kann. In der Nacht wird er der hellste Fleck neben dem Mond sein."

Danach wird er für immer verschwunden sein. Eine solche Sternenexplosion nennen die Astrophysiker Supernova. "Im gesamten Universum ereignet sich jede Sekunde eine Supernova, etwa drei mal pro Jahrhundert gibt es auch eine in unserer Milchstraße", sagt Janka. "Die letzte, von der wir wissen, geschah im Jahr 1604, und ihre Trümmer sind noch immer im Weltraum vorhanden. Ein solches Ereignis wäre also wieder einmal überfällig."

Für die Menschen auf der Erde sind Supernovae ungefährlich. Zwar werden bei einer solchen Sternenexplosion gewaltige Mengen an geladenen Teilchen ins Weltall geschleudert, doch das Magnetfeld der Erde hält das Bombardement und damit diese Teilchenstrahlung von der Oberfläche ab.

Für die Kosmologie sind Supernovae aus verschiedenen Gründen besonders spannend. Den Astrophysikern bieten diese gewaltigen Explosionen die Möglichkeit zu erkunden, wie sich das Universum ausdehnt. "Dazu messen wir von der Erde aus die verschiedenen Helligkeitsstufen der unzähligen Explosionen in den Weiten des Weltraums", erklärt Janka.

Zudem hat das Leben auf der Erde vermutlich nicht zuletzt seine Existenz solcher Sternenexplosionen zu verdanken: Bei den Supernova-Ereignissen werden gewaltige Mengen chemischer Elemente freigesetzt. "Als unsere Erde vor etwa 4,3 Milliarden Jahren entstanden ist, haben sich auf dem Planeten große Mengen von Kohlenstoff, Sauerstoff, Silizium und Eisen angesammelt. Diese Elemente sind für das Leben auf dem blauen Planeten unentbehrlich. Eisen und Silizium stammen von Supernova-Explosionen aus unserer Galaxie", betont der Garchinger Astrophysiker.

Ob Beteigeuze nun wirklich explodieren wird, können die Sternenforscher nicht mit Sicherheit sagen. "Zwar deutet alles darauf hin, dass eine solche Explosion stattfinden wird, aber wir warten hier nicht darauf", betont Janka. "Für uns wäre es schon ein Glücksfall, wenn irgendwo in unserer Milchstraße wieder einmal eine Supernova stattfindet. Es kann aber auch ein Stern sein, den man nicht von der Erde aus mit bloßem Auge sehen kann."

Lexikon aktuell: Supernova

Eine Supernova ist das schnell eintretende, helle Aufleuchten eines Sterns, der dabei millionen- bis milliardenfach heller wird, vergleichbar hell wie eine ganze Galaxie. Supernovae entstehen, wenn zwei große Sterne kollidieren oder wenn ein massereicher Stern in sich zusammenfällt.

Die Supernova 1604, auch Keplers Stern genannt, ist die letzte uns bekannte Supernova in der Milchstraße. Sie fand im 6 000 Parsec (20 000 Lichtjahre) entfernten Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus) statt und war im Jahre 1604 mit bloßem Auge zu sehen.

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