Flirt mit den USA nur ein "Missverständnis"

- München - Als Wissenschaftsminister Thomas Goppel die Nachricht am Morgen las, war er "erschrocken" - und plötzlich auch unsicher, ob er sich vielleicht doch nicht deutlich genug ausgedrückt hatte. Theodor Hänsch, der Münchner Physik-Nobelpreisträger, denke darüber nach, in die USA auszuwandern, stand da. Und weiter: Der Wissenschaftler befürchte, im kommenden Jahr, mit 65, in Zwangsruhestand gehen zu müssen. Obwohl er viel lieber weiterforschen wolle.

Goppel griff zum Telefon, verabredete sich mit Hänsch. "Natürlich hatten wir längst darüber gesprochen, dass wir eine Möglichkeit finden", sagte der Minister am Nachmittag. Jetzt ist diese Möglichkeit offiziell: Der Nobelpreisträger bleibt in München, weil er selbst nach "Vollendung seines 68. Lebensjahres nicht an einer bundesgesetzlichen Altersregelung im Beamtenrecht scheitert", heißt es in einer Presseerklärung.

Dass Hänsch eine "Sonderbehandlung" zuteil werde, sei allerdings nicht der Fall, sagt Goppel. Aber er habe schon einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Kollegen gehabt: "den Nobelpreis".

Das Beamtenrecht sieht eine Verlängerungsmöglichkeit bis zur Vollendung des 68. Lebensjahres vor. Der Antragsteller muss hierfür aber gute Gründe vorweisen - bei Hänsch war es eben der Nobelpreis. Danach ist zwar der Beamtenstatus nicht mehr haltbar, dafür ein privatrechtliches Beschäftigungsverhältnis denkbar; die Verhandlungen mit der Ludwig-Maximilians-Universität, an der Hänsch einen Lehrstuhl hat, liefen bereits, bestätigt Goppel: "Selbstverständlich tut Bayern alles, um den Professor zu halten."

Dass es diesem an Auslandangeboten nicht mangelt, hat Hänsch schon mehrfach bestätigt. Und dass es ihn auch reizen würde, ins Ausland zu gehen, daraus machte er bei zahlreichen Veranstaltungen ebenso wenig einen Hehl. An der Freien Universität in Berlin sagte er während einer Diskussion: "Oh ja, ich schaue neidisch auf meine amerikanischen Kollegen, die bis in ihre 70er-, 80er-Jahre hinein aktiv sind. Das ist toll."

Er selbst war 16 Jahre lang an der Stanford University in Kalifornien tätig, bevor er 1986 nach Deutschland zurückkehrte. "Den amerikanischen Spitzenunis ist es gelungen, sich selbst als Marke zu verkaufen", sagte Hänsch einmal in einem Interview. Hierzulande sei das Interesse an Physik aber dann doch größer. "Natürlich möchte ich in Deutschland bleiben", erklärte er schnell nach dem großen Verwirrspiel um seinen Weggang. Ein Missverständnis sei diese Nachricht gewesen, mehr nicht.

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