Flucht vor dem Alptraum Katrina

- Die Straßen voller Wasser, Bäume, die auf den Häusern liegen, zum Teil in der Mitte durchgebrochen. "Es war wie ein Alptraum", erinnert sich der 19-jährige Anthony an die Bilder nach dem Hurrikan. Zu Essen gab es zuerst wieder etwas in zwei "Fast Food"-Restaurants. "Als wir evakuiert wurden, dachte ich, ich würde in zwei Tagen wiederkommen", sagt Fotografiestudentin Amanda.

Amanda Qubty und Anthony Bovenzi können noch immer nicht fassen, dass sie in Deutschland sind. Sie gehören zu den drei Studenten aus New Orleans, denen die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) einen Studienplatz mit Stipendium gewährt hat, nachdem ihre Uni nach der Katrina-Katastrophe hatte schließen müssen.

"Überall in der Stadt waren Ratten"

"Ich glaube noch immer nicht, dass ich eine solche Möglichkeit habe", sagt die 21-Jährige Amanda und strahlt. Anthony nickt zustimmend.

Der Anstoß für das Hilfsangebot kam von der German University Alliance, dem Kontaktbüro in New York City von LMU und FU Berlin.

Mitnehmen konnte Amanda aus der Katastrophen-Stadt fast nichts, nur ihre zwei Hunde. "Überall stank es modrig," sagt sie und rümpft die Nase. Ratten waren überall in der Stadt. Leichen - die hat sie selbst zum Glück nicht gesehen. "Und wir haben nichts verloren." Das wäre bei Amandas Fotografen-Equipment auch teuer geworden.

Als sie - über die Nachrichten und eine "Emergency-Website" - erfahren haben, dass ihre Uni, die "University of New Orleans" schließen musste, versuchten sie, an anderen, überfüllten Unis einen Platz zu bekommen. "Per Zufall" hörten sie über ein paar Ecken, dass die LMU in München Studienplätze vergibt. Es hat sie nicht viel Mühe gekostet, einen Platz zu bekommen. "Nach zwei Wochen hatten wir die Zusage", sagen sie. Und jetzt: "Here I am", sagt Amanda und lacht.

Amanda und Anthony sind gerade mal eine Woche in München und haben die Stadt bereits ins Herz geschlossen. "Wenn ich nicht zurück kann, bleibe ich hier", da ist die angehende Fotografin überzeugt. Deshalb heißt es jetzt: Deutsch lernen. Jeden Tag von 14 bis 17.30 Uhr haben sie Deutschunterricht. Vormittags müssen sie zur Uni. Zurzeit suchen sie nach den für sie richtige Vorlesungen und Seminare. "Für mich ist das nicht so schwer", sagt Anthony. "Ich fange ja erst an mit dem Studium." Er studiert "Film". Anders bei Amanda, die im dritten Semester studiert und feststellen musste, dass das Fotografie-Studium hier "ganz anders" ist. Aber die Scheine werden wohl angerechnet. Das regeln die Professoren.

Das Stipendium ist zwar nur befristet - bis Januar 2006. Die beiden Studenten aber sind dankbar. Immerhin haben sie jetzt einen Studienplatz, haben ein Zimmer in einem Wohnheim der Studentenstadt München und 400 Euro pro Monat zum Leben. "Das ist ein Luxus", findet Anthony und berichtet von den Studentenbuden in den Staaten: "Da wohnen nämlich zwei bis vier Studenten in einem Zimmer." Ansonsten wollen die beiden Amerikaner die "andere Kultur" richtig kennen lernen. Noch haben sie dafür nicht viel Zeit. Denn "abends fallen wir müde ins Bett", erklärt Anthony. Und am Wochenende müssen sie lernen. Aber das macht nichts. Sie sind glücklich.

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