Die Flüsse ändern ihren Charakter

- Extreme Wettersituationen, wie etwa die Jahrhundertflut an der Elbe, sind eine direkte Folge der globalen Klimaveränderung, davon ist Professor Wolfgang Seiler, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe in Garmisch-Partenkirchen, überzeugt. "Durch die zunehmende globale Erwärmung findet eine erhöhte Verdunstung statt und somit auch eine Zunahme der Niederschläge, in den letzten Jahren um etwa zehn Prozent. Allerdings verteilen sich diese Niederschläge zunehmend ungleichmäßiger über den Globus, einige Gebiete werden immer trockener, während andere sehr viel mehr Niederschläge erhalten", erklärt der Klimatologe. "Durch die Klimaänderung verschieben sich auch die Zirkulationsverhältnisse und damit die Zugrichtung von Hoch- und Tiefdruckgebieten".

<BR><BR><BR>Das Hochwasser in Sachsen und Tschechien war zum Beispiel eine Folge zweier unmittelbar aufeinander folgender Tiefdruckgebiete, sogennannter Zyklone, die über das Einzugsgebiet der Elbe zogen, zu einer Jahreszeit, in der man diese dort nicht erwarten dürfte.<BR><BR> Die größte Gefahr durch Unwetter mit extrem viel Regen sieht Seiler in den Gebieten der Oberläufe von Flüssen. "Hier wirken sich die Spitzenabflüsse am stärksten aus. Wenn der Boden wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen ist, fließt der Niederschlag unmittelbar ab und kann eine Flutwelle verursachen, die die Menschen in ihren Häusern völlig überraschend trifft". <BR> Für Bayern haben Seiler und seine Kollegen in Garmisch-Partenkirchen ein regionales Klimamodell bis zum Jahr 2050 entwickelt.<BR><BR>Die Forscher nehmen an, dass sich bis dahin in Bayern bei einer Verdopplung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre in den Sommermonaten die Temperatur um etwa vier Grad erhöht. Die Niederschläge gehen gleichzeitig um 50 Prozent zurück. In den Wintermonaten ist eine Temperaturzunahme von einem Grad zu erwarten, bei einer Steigerung der Niederschläge um etwa 40 Prozent. <BR><BR>Die Gefahr für Überschwemmungen in den Sommermonaten wird nach diesem Modell zunehmen, das haben die Klimatologen berechnet: "Es ist zu erwarten, dass sich die Sommerniederschläge in starken, lokalen Gewitterereignissen auswirken", so Seiler. <BR><BR> Auch in den Alpen verändern sich die Abflussverhältnisse der Bäche durch den Klimawandel. Durch die Erwärmung haben die Gletscher in den Sommermonaten eine immer geringere Schneedecke. Diese ist jedoch nötig, um - ähnlich wie bei einem normalen Boden - Gewitterregen aufzusaugen, zu bremsen und ihn in die Flüsse zu entlassen. <BR>Nach einer Studie der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften fließen seit einigen Jahren die Sommerregen, gepaart mit dem Schmelzwasser, ungebremst über das blanke Eis ab. Die Folgen sind ebenfalls Hochwasserspitzen in den Gebirgsbächen.<BR> Hochwasserschutz und der nachhaltige Umgang mit der Natur werden also in den Flussgebieten immer wichtiger.<BR><BR>"An der Isar ist man auf dem richtigen Weg, indem man die Renaturierung auf dem Flussabschnitt vor der Landeshauptstadt vorantreibt. Gleichzeitig bietet der Sylvensteinspeicher einen guten Hochwasserschutz", erklärt Professor Wolfram Mauser vom Münchner Institut für Geographie der Ludwig Maximilians-Universität. <BR><BR>"Allerdings kann es immer Hochwasserereignisse geben, die von Menschen nicht mehr zu kontrollieren sind. Hochwasserschutz ist eine Angelegenheit, die der Mensch auch durch den richtigen Umgang mit der Kulturlandschaft steuern kann", betont Mauser. "Landwirte können durch nachhaltigen Ackerbau ihre Felder so bearbeiten, dass sie hohe Infiltrationsraten erreichen und das Wasser somit erst verzögert nach Starkregenereignissen abfließt. Auch die Stabilisierung der Waldgebiete nahe der Flüsse trägt zu Rückhaltemöglichkeiten von Hochwasserspitzen bei."<BR><BR>Für die Versicherer werden Schadensereignisse durch Überschwemmungen und Stürme immer brisanter. Im Jahr 2001 stellten sie zwei Drittel aller Versicherungsereignisse und 91 Prozent aller Naturkatastrophen dar, so die Bilanz der Münchener Rückversicherungsgesellschaft zu Großschadensereignissen. Ende 2001 traten weltweit zahlreiche Wetterextreme auf, wie Waldbrände in Australien, Überschwemmungen in Brasilien oder Schneechaos in Mittel- und Südeuropa. <BR>Für die Geowissenschaftler der Münchener Rück sind auch dies Indizien für einen engen Zusammenhang von Klimaveränderung und Zunahme von Wetterkatastrophen.<BR><BR><BR><BR><BR><BR>

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