Im Flug durch Schluchten: Zugspitz-Tour per Mausklick

- München / Garmisch-Partenkirchen - Die Idee kam Professor Florian Siegert auf dem Weg zum Mars: Als ein Zwischenstopp in den bayerischen Alpen die Reise unterbrach. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), mit denen der Geschäftsführer der Münchner "Remote Sensing Solutions GmbH" zusammenarbeitet, hatten eine Sonde mit Spezialkamera in den Weltraum geschickt. Dreidimensionale Aufnahmen sollte sie machen, um den Roten Planeten in 3D kartieren zu können.

DVD einlegen und das Wettersteingebirge am Computer erklimmen

Der Anflug dauerte über ein Jahr, sodass Zeit blieb für zusätzliche 3D-Aufnahmen von der Erde. Als eines Tages die dreidimensionale Zugspitze über Siegerts Computer flimmerte, interessierte er sich nicht länger für die Weiterreise auf den Mars. Sein neues Projekt lautete, "die erste fotorealistische dreidimensionale Karte der Welt" für die Zugspitze und Umgebung zu entwerfen. Und die ist jetzt fertig.

20 Milliarden Pixel enthält die "interaktive Karte". Wer von daheim aus das Wettersteingebirge durchqueren will - das sind immerhin rund 500 Quadratkilometer -, legt die DVD (49,95 Euro) in sein Computerlaufwerk ein und "schwebt" los. Es sei wie in einem Hubschrauber, erzählt Siegert: "Man fliegt durch Schluchten, über Wiesen und Felder - und landet auf dem höchsten Berg Deutschlands: der Zugspitze." 500 Berggipfel, Orte und Seen seien per Autopilot erreichbar. Man könne beliebig aufsteigen (in etwa 8000 Meter Höhe) oder gemütlich über Garmisch-Partenkirchen gleiten (rund 100 Meter über der Stadt). "Jedes Haus, jeder Baum, jeder Garten - man kann alles erkennen", sagt Siegert. Er schwärmt.

Bei gängigen, zweidimensionalen Landkarten sind solche Ausflüge nicht möglich. Denn ihnen fehlt - neben Höhe und Breite - die dritte Dimension: nämlich die Tiefe. Siegert ist immer wieder durch das Wettersteingebirge geflogen. Ein Jahr lang. "Es dauert schon ein Weilchen, bis man die vielen kleinen Dinge richtig digitalisiert hat." Inzwischen liegen Zugspitze und Umgebung als "hochaufgelöstes Luftbild" vor. Die Karte enthält 44 Wanderungen und Hüttentouren (inklusive Beschreibung und Schwierigkeitsgrad), die jeder am eigenen Computer "begehen" kann. Zudem sind 14 "befahrbare" Rad- und Mountainbike-Touren per Mausklick verfügbar.

Heinz von Heydenaber, Pressesprecher der Münchner "Remote Sensing Solutions GmbH", fliegt "da ziemlich oft durch": "Ich glaube, ich habe schon alles hundert Mal angeschaut." Er wird es auch ein 101. und 102. Mal tun. Seine Lieblingsroute ist neuerdings die Wettersteinumrundung. Am Computer hat Heydenaber sie schon gemacht - "mehrmals" -, jetzt will er das bergige Terrain auch auf seinem Mountainbike schaffen. "Ich wusste nicht, dass man da mit dem Fahrrad einfach so herumfahren kann", erzählt er. "Das sieht man auf einer normalen Karte ja nicht."

Nach eigenen Angaben hat die "Remote Sensing Solutions GmbH" in den vergangenen drei Monaten einige hundert Vorbestellungen entgegengenommen. Neben Privatpersonen interessierten sich Unternehmen und Kommunen für die 3D-Karte. "Gemeinden können den Ortsplan einbinden und ihr Freizeitangebot räumlich darstellen", sagt Pressesprecher Heydenaber. Angezeigt würden zum Beispiel Golf- und Tennisanlagen, Schwimmbäder und Sehenswürdigkeiten. Wenn Urlauber einen Blick auf "ihr" Hotel werfen wollten, müssten sie nur mal "drüber fliegen". "Man kann die Dinge richtig entdecken", sagt Heydenaber nach einer kurzen Pause. Er klickt - und schwebt wieder los.

Weitere Informationen unter www.landkarte3d.de; die DVD ist zudem bei der Touristeninformation in Garmisch-Partenkirchen erhältlich.

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