Folsäure - ein Lebensvitamin Mangel an B9 macht krank

- Das Lebensvitamin heißt Folat, auch Folsäure genannt. Es ist das Vitamin B9 aus der Vitamin-B-Gruppe. Viele Frauenärzte wissen längst, dass schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen durch einen Folsäuremangel verursacht sein können. In der modernen Schwangerenvorsorge wird dies auch zunehmend beachtet. Doch ein Mangel an Folsäure kann auch für anderen Gesundheitsschäden verantwortlich sein, etwa Herz- und Kreislauferkrankungen, Migräne und Depressionen.

<P>"Folsäure, ein wasserlösliches, hitzelabiles Vitamin, wurde in den frühen 40er Jahren entdeckt, hat aber lange Zeit keine große Beachtung gefunden", erklärt Otmar Tönz, emeritierter Chefarzt der Kinderklinik Luzern. Erst in den letzten 15 Jahren ist das Interesse an dieser Substanz angestiegen.</P><P>Maike Wolters vom Institut für Lebensmittelwissenschaft der Universität Hannover hat für eine Studie über den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln über 220 Frauen untersucht. "Eine der überraschenden Ausgangsfeststellungen war, dass bei 30 Prozent der Untersuchten trotz ausgewogener Ernährung ein Defizit bei den Vitaminen B1, B6 und B12 vorlag", so Wolters. "Außerdem stellte sich ein Mangel am Vitamin Folsäure heraus." <BR><BR>Bei Folsäuremangel steigt der Homocysteinspiegel im Blut. Homocystein ist eine Aminosäure, die nicht durch die Nahrung aufgenommen wird, sondern die der Körper selbst bildet. "Schon leicht erhöhte Homocysteinspiegel steigern wahrscheinlich das Risiko für Arteriosklerose und damit Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall", erklärt Wolters. Ergebnisse zahlreicher retrospektiver Studien zeigen, dass mit Hilfe der B-Vitamine B6, B12 und Folsäure wird das starke Zellgift Homocystein abgebaut und unschädlich gemacht wird.<BR><BR>Das Vitamin B9 könnte auch gegen Migräne helfen, fanden jüngst neuseeländische und australische Forscher heraus. Schon länger wird ein bestimmtes Gen (Methylentetrahydrofolat-Reduktase) mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht. "Darüber hinaus ist bekannt, dass Personen, die unter Migräne leiden, auch einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, später einen Schlaganfall zu erleiden", erläutert Rod Lea von der Victoria University in Wellington. Da auch bei Migräne-Patienten ein hoher Homocysteinspiegel festgestellt wurde, hat das Team um Lea bei 200 Patienten und einer ebenso großen Kontrollgruppe nach diesem Gen gesucht. Ergebnis: Bei Personen mit Migräne lag eine Mutation des Gens viel häufiger vor als bei den anderen. "Aufgrund dieser Genmutation ist bei Migräne-Patienten eine höhere Konzentration des Homocystein im Blut sehr häufig. Eine folatreiche Ernährung kann aber den Homocystein-Spiegel senken. Ob für Migräne-Kranke eine folatreiche Ernährung das Allheilmittel ist, müssen erst klinische Studien zeigen", so Lea. </P><P>Einen Zusammenhang zwischen der Homocystein-Konzentration im Blut und Depressionen konnte ein norwegisches Team an der Universität Bergen nachweisen. In einer Studie an knapp 6000 Personen zeigte sich, dass diejenigen mit erhöhtem Homocysteinspiegel (dem Anzeichen eines Folatmangels) zweimal so häufig an Depressionen litten wie Personen mit normalen Werten. Die Erbgut-Analyse zeigte auch die Genmutation. <BR><BR>Die Experten vermuten, dass Folsäure an der Bildung bestimmter Substanzen im Gehirn beteiligt ist, deren Fehlen Depressionen auslösen.<BR>Klaus Pietrzik, Vorsitzender des Arbeitskreises Folsäure in Deutschland, tritt für eine Anreicherung von Grundnahrungsmitteln ein, weil durch die Nahrungszubereitung bei uns viele Vitamine verloren gehen. Manche Länder tun das bereits.</P><P><BR>Internet:<BR>www.ak-folsaeure.de <BR>Homepage des Arbeitskreises Folsäure</P><P>www.vitaminforschung.org <BR>Maßnahmen<BR><BR>Die Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Ernährung haben sich darauf geeinigt, einen Tagesbedarf von 400 Mikrogramm (0,4 Milligramm) Folsäure zu empfehlen", erklärt Tönz. Es kann in Präparaten oder über Lebensmittel aufgenommen werden. Seit 1998 schreibt in den USA ein Gesetz vor, dass Mehl mit Folsäure angereichert werden muss. Auch in Kanada, Chile und Ungarn richten sich danach. <BR></P>

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