Forscher: Erholung von Walbeständen braucht sehr lange Zeit

- Kiel - Islands Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs im Nordatlantik könnte nach Expertenansicht einer Bejagung des Finnwals mit höheren Fangquoten Tür und Tor öffnen.

Nach Schätzungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) gebe es 16 000 Finnwale im Bereich von Island und Ost-Grönland, sagte der Kieler Meeresbiologe Stefan Ludwig in einem dpa-Gespräch am Montag. "Mit Blick auf diese Population scheint die angekündigte Jagd auf 9 Finnwale zunächst keine Auswirkungen zu haben. Es könnte aber längerfristig ein Problem werden, wenn die Isländer versuchen, die Fangquoten zukünftig weiter zu erhöhen. Finnwale haben wie generell alle Großwale eine niedrige Geburtenrate. Es dauert in der Regel zwei Jahre, bis das nächste Kalb geboren wird."

Vor Beginn der intensiven Bejagung um 1860 habe es nach Hochrechnungen von Genetikern im Fachblatt "Science" allein im Nordatlantik 360 000 Finnwale gegeben, sagte der Forscher. "Heute wird der Bestand im Nordatlantik von der IWC auf 23 000 bis 39 000 geschätzt." Über die Motive Islands, wieder in den kommerziellen Walfang einzusteigen, könne nur gerätselt werden, schilderte Ludwig. "Ökonomisch macht es aus meiner Sicht keinen Sinn. Es ist anzunehmen, dass das Fleisch vermarktet werden soll. Für alle anderen Produkte, die aus Walen gewonnen werden könnten, gibt es heute keinen Markt mehr. Sie können besser und billiger synthetisch hergestellt werden."

Das Argument Islands, dass Wale die Fischpopulationen dezimierten, sei deutlich zurückzuweisen, sagte Ludwig. "Wenn man das mit der kommerziellen Fischerei vergleicht, ist das eine ganz andere Größenordnung." Ebenso weit hergeholt sei die Rechtfertigung, zu wissenschaftlichen Zwecken Wale zu töten, sagte Ludwig. "Das ist ein fadenscheiniger Aspekt. Es gibt inzwischen andere Methoden, den Bestand und die Ernährungsweise sowie die Ökologie der Wale zu untersuchen, bei denen sie nicht getötet werden müssen."

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