Forscher im gläsernen Labor

- Paul Hix ist ein lebendes Ausstellungsstück. Nur eine brusthohe Glaswand trennt ihn von den Schaulustigen im Deutschen Museum. Neugierige Augen sehen ihm auf die Finger, während er an kleinen Hebeln justiert. Blicke folgen ihm, während er gespannt auf die Daten schaut, die auf seinem Bildschirm aufflackern. Um ihn herum stehen vier Monitore, zwei weisen in seine Richtung, zwei zeigen zu den Zuschauern.

Vorstoß in die Welt der kleinsten Dinge

Zum Ausstellungsstück wird Hix für seine Doktorarbeit. Während er daran arbeitet, lässt er sich in seinem gläsernen Forscherlabor zwischen der Chemie- und der Musikabteilung beobachten. Der Physiker beschäftigt sich mit dem Kleinsten, was die Natur zu bieten hat - mit einzelnen Atomen und Molekülen. Diese Teilchen sind nur wenige Nanometer groß (ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter).

Die Idee, im gläsernen Labor zu forschen, stammt ebenfalls von einem Nanoforscher: Professor Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, machte seinem Doktoranden im vergangenen Jahr den Vorschlag, im Museum zu arbeiten und Besuchern seine Arbeit zu erklären.

Das Mikroskop, mit dem Hix in die Welt der kleinsten Dinge vorstößt, ist ein so genanntes Rastertunnelmikroskop. Es ist nur etwa 20 Zentimeter hoch und hat die Form einer Pyramide. "Das Gerät funktioniert wie die Nadel eines Schallplattenspielers", erklärt Hix. "Die Spitze der Nadel ist selbst nur ein Atom dick und tastet die Oberfläche von Materialien ab." Zum Beispiel die eines Halbleiters (siehe Foto). Damit kann der Forscher im Nanokosmos die winzigen Teilchen auf seinem Computer sichtbar machen.

Für Hix ist der Plattenspieler-Vergleich die anschaulichste Erläuterung für diese raffinierte Technik. Schon tausend Mal hat er sie den Besuchern des Museums erzählt. Ein Problem gibt es dabei allerdings: "Die Schüler wissen schon gar nicht mehr, wie ein Plattenspieler funktioniert", sagt Hix mit Bedauern. "Viele von ihnen haben noch nie einen gesehen."

In den vergangenen Monaten im offenen Labor hat Hix vor allem Poster und Texttafeln entworfen, die seine Arbeit als Nanoforscher verdeutlichen sollen. "Ich weiß, dass ich für meine Doktorarbeit etwas länger brauchen werde als meine Kollegen, die an der Uni sitzen und Ruhe um sich herum haben", sagt er und justiert ein paar Hebel an seinem ungewöhnlichen Mikroskop. Auf den Bildschirmen neben ihm flackern Messkurven auf. Neben ihm steht zudem ein Rastertunnelmikroskop, das er speziell für den Einsatz auf der Internationalen Weltraumstation ISS gebaut hat.

Die meisten Leute bleiben bei dem Nanoforscher nur kurz stehen, aber es gibt auch Technik-Fans wie zum Beispiel Franz Massin. Der Rentner, der früher bei Siemens arbeitete, hat schon öfters bei Hix vorbeigeschaut. Das letzte Mal hat er ihm sogar einen Artikel über Nanotechnologie aus einer Fernsehzeitschrift mitgebracht. Bei Massins Besuchen kommen die beiden ins Plaudern, meist über Nanotechnologie, aber auch über ganz andere Themen, die im Deutschen Museum, vor allem im Zentrum für Neue Technologien, behandelt werden.

Obwohl Paul Hix den Besuchern immer wieder die gleichen Fragen beantworten muss, bereitet es ihm immer noch Spaß, ein lebendiges Ausstellungsstück zu sein. "Vor allem freue ich mich, wenn ich Leistungskurslern etwas beibringen und ihnen vielleicht die Wahl ihres späteren Studienfachs erleichtern kann."

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