Friede mit dem Klingeln im Ohr

- Jeder dritte Bundesbürger kennt es, das Klingeln im Ohr. Meist verschwindet es bald wieder, doch bei gut drei Millionen Menschen in Deutschland will das Pfeifen, Hämmern und Klopfen nicht mehr aufhören. Der Tinnitus ist zum ständigen Begleiter geworden, der Alltag manchmal kaum mehr zu bewältigen. Mit Psychotherapie wollen Mediziner jetzt Betroffenen schon im Anfangsstadium helfen.

Wie Tinnitus entsteht, ist noch immer nicht vollständig geklärt. "Inzwischen sind gut 400 medizinische Ursachen bekannt", sagt Dr. Martin Kusatz vom Tinnitus-Zentrum Düsseldorf/ Krefeld. Das hat zu einer Inflation von Behandlungsangeboten geführt. Entstehung nicht vollständig geklärt Darunter auch Psychotherapien, die die Aufmerksamkeit von dem Ohrgeräusch weglenken sollen. Vor allem Menschen mit chronischem, länger als drei Monate andauerndem Tinnitus profitierten.

"Aber auch Menschen mit akutem Tinnitus können psychisch ganz erheblich belastet sein", sagt Wolfgang Delb, Privatdozent an der Universitäts- HNO-Klinik in Homburg. Gemeinsam mit dem Psychologen Roberto D’Amelio hat er im Rahmen eines Modellprojekts bei der Hälfte der Patienten einen "dekompensierten Tinnitus" diagnostizieren können, ein Ohrgeräusch mit seelischem Druck als Folge.

Die Betroffenen sind oft verzweifelt, fühlen sich ohnmächtig. Innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Depressionen können die Folge sein und den Tinnitus zusätzlich verstärken. Ein Kreislauf, der sich vielleicht gar nicht ausbilden muss, wenn man psychisch belasteten Patienten neben der Standardtherapie mit blutverdünnenden und entzündungshemmenden Mitteln auch eine psychologische Behandlung anbietet.

 Wir haben uns gefragt, warum man erst dann therapieren soll, wenn die Geräusche bereits im Gehirn fixiert sind", sagt Delb. Diese Behandlung nach den Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (ADANO) hilft Betroffenen, ihr Ohrgeräusch besser zu ertragen und es im optimalen Fall dauerhaft aus der Wahrnehmung auszublenden. Dies geschieht über das Weglenken der Aufmerksamkeit vom Ohrgeräusch. In der Homburger Tinnitus- Kurztherapie -sie wurde von der Deutschen Tinnitus Liga mit dem Förderpreis 2005 ausgezeichnet -lernen die Betroffenen Stressmanagement durch Entspannungstechniken.

Bei Bedarf werden den Patienten spezielle Geräte (Noiser) angepasst, die ein angenehmes Grundgeräusch erzeugen. Die bisherigen Studienteilnehmer haben laut Delb die positive Wirkung bestätigt.

Weitere Infos: Tinnitus-Ambulanz, Tel. 06841/ 1624210.

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