Frühe Weltoffenheit im Jemen

- Im innersten Heiligtum des Almakah-Tempels in der jemenitischen Stadt Sirwah ist der Archäologe Norbert Nebes mit seinem Team von der Universität Jena fündig geworden. Sie entdeckten die erste nabatäische Inschrift auf einem etwa einen Meter breiten Kalksteinquader im heutigen Jemen. Zur Lebzeiten Christi bevölkerten die Nabatäer das heutige Jordanien, wo auch ihre damalige Hauptstadt Petra lag.

<P>Von dort aus kontrollierten sie den Weihrauch- und Myrrhehandel ans Mittelmeer.<BR><BR>Dass sie auch selbst Handel trieben und Reiselust an den Tag legten, belegt jetzt der Fund des Jenaer Archäologenteams. <BR>Der über 2000 Jahre alte Text ist dem Hauptgott der Nabatäer "dhu Schara" gewidmet. "Wir können die Inschrift recht genau auf das Jahr fünf oder sechs vor Christus datieren, da auf ihr das Amtsjahr des damaligen Königs Aretas IV. angegeben ist", sagt Nebes.<BR><BR> Aretas regierte die Nabatäer von neun vor bis 40 nach Christus. "Die südlichsten nabatäischen Schriftzeichen sind zwar im heutigen Saudi-Arabien entlang der alten Weihrauchstraße gefunden worden", erklärt Nebes, "aber dies waren nur Gravuren von Kaufleuten auf einem Stein." <BR><BR>Mit der neuen Entdeckung im Jemen aber haben die Archäologen nun zum ersten Mal eine offizielle Überlieferung der nabatäischen Kultur weit außerhalb ihres Königreiches gefunden. "Dies ist der erste Fund, der die Anwesenheit nabatäischer Kaufleute im 2000 Kilometer entfernten damaligen Sabäerreich bezeugt", betont der Archäologe. <BR><BR> Auf dem nicht vollständig erhaltenen Stein befindet sich neben der nabatäischen Inschrift auch ihre Übersetzung ins Sabäische. Der fremde Text sollte also auch den Einheimischen zur Verfügung stehen und Auskunft über ihr religiöses Leben geben. "Für uns ist das ein Beweis, dass die Sabäer ein sehr weltoffenes Volk waren", erklärt Nebes. "Händler aus einem anderen Kulturkreis durften in einem ausländischen Heiligtum ihren Gott verehren. Dass ihnen dies sogar in ihrer Landessprache erlaubt wurde, belegt die religiöse Vielfalt und Akzeptanz auch fremder Gottheiten im vorislamischen Arabien." <BR><BR>Die Sabäer, die auch in der Bibel und im Koran erwähnt sind, beherrschten im frühen ersten Jahrtausend vor Christus den Handel mit Kostbarkeiten des Altertums, wie Weihrauch und Myrrhe. Die Kontrolle der Handelswege ging später an andere Völker wie die Nabatäer über. Im Jahre 106 nach Christus eroberten die Römer dann auch das Reich der Nabatäer.</P><P><BR>  </P><P> </P>

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