Früherkennung rettet Leben

- Jedes Jahr sterben 35 000 Bundesbürger an Dickdarmkrebs. Viele dieser Todesfälle ließen sich verhindern, wenn mehr Menschen Vorsorge-Untersuchungen nutzen würden, betonen Gastro-Enterologen anlässlich des "Darmkrebsmonats März".

<P>Am Münchner Uni-Klinikum Großhadern ist jetzt eine Studie angelaufen, in der eine schmerzfreie und schnelle Methode zur Früherkennung erprobt wird: die virtuelle Koloskopie. "Es handelt sich um eine Untersuchung mittels Computertomographie", erklärt Dr. Arno Graser vom Institut für Klinische Radiologie, der die Studie betreut. Die Untersuchung im Computertomographen geschieht einmal in Rücken- und einmal in Bauchlage. "Das dauert nur jeweils acht bis zehn Sekunden", versichert Graser.<BR><BR>Zuvor wird der leere Darm vom Arzt durch einen Katheter mit Luft gefüllt, damit sich die Darmwand auffaltet und möglicherweise vorhandene Polypen - die Vorstufen eines Tumors - erkennbar sind. Mit 90-prozentiger Sicherheit könnten so Polypen ab 5 Millimeter Größe erkannt werden. "Wir nehmen an, dass dieses nicht-invasive Verfahren so gut wie die Darmspiegelung ist", so Graser.<BR><BR>Derzeit bezahlen die Krankenkassen die 500 Euro teure virtuelle Koloskopie noch nicht. Seit 2002 übernehmen sie aber die optische Darmspiegelung mit dem Endoskop. Empfohlen wird die Untersuchung ab einem Alter von 55 alle zehn Jahre, bei familiärer Vorbelastung auch früher und in kürzeren Intervallen. "Doch nur fünf Prozent derer, für die diese Vorsorge ratsam wäre, nutzen sie auch", bemängelt Professor Andreas Wagner von der Medizinischen Klinik II in Großhadern. Der von der Felix-Burda-Stiftung ausgerufene Darmkrebsmonat sei deshalb wichtig, um die Bevölkerung aufzuklären.</P><P>Die ambulant durchgeführte Spiegelung dauert gut 20 Minuten. Der Patient bekommt zuvor ein Beruhigungs- und bei Bedarf auch ein Schmerzmittel. Unangenehm, so Wagner, sei nur die vorbereitende Darmentleerung und -reinigung mit drei bis vier Litern salzhaltiger Flüssigkeit, die allerdings auch vor der virtuellen Koloskopie nötig ist.<BR>Findet der Arzt bei der Darmspiegelung mit dem 11 Millimeter dünnen Endoskop im Dickdarm einen Polypen, kann er ihn mit einer Drahtschlinge sofort entfernen. "Es ist die effizienteste Vorsorge-Untersuchung, die es gibt, weil schon Krebs-Vorstufen erkannt werden", betont Wagner. <BR><BR>Der Hämoccult-Test, mit dem sich der Stuhl auf Blut untersuchen lässt, sei dagegen keine sichere Vorsorge-Methode. "Die Mehrzahl der Erkrankten bleibt damit unentdeckt", warnt Dr. Frank Kolligs von der II. Medizinischen Klinik in Großhadern. Denn ein Tumor blutet nicht ständig. Nach dem Verzehr von rohem Fleisch oder Meerrettich könne es zudem fälschlicherweise zu positiven Befunden kommen.<BR><BR>Teilnehmer für Studie gesucht<BR><BR>Wer an der Studie zur virtuellen Koloskopie teilnehmen will, kann unter Telefon 089/ 7095- 3620 Informations-Material anfordern und sich anmelden. Teilnehmer bekommen die virtuelle Koloskopie zusätzlich zur gewöhnlichen Darmspiegelung kostenlos.</P>

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