Fußball-WM ist Deutschen 3,15 Euro wert

- Kurz vor der Fußball-WM: Wegen schwerer, neu aufgedeckter Sicherheitsmängel in den Stadien und akuter Terrorgefahr verlegt die Fifa das Turnier kurzerhand in die Schweiz, wo wegen der Europameisterschaft 2008 alle Voraussetzungen für den reibungslosen Ablauf gegeben sind. Nur ein finanzieller Beitrag der deutschen Bevölkerung für Sicherheitskräfte und den Umbau der Stadien könnte die WM zurück in die Bundesrepublik holen.

Was Fußballenthusiasten ernüchtern dürfte: Gerade einmal 3,15 Euro würden die Deutschen im Schnitt für den Verbleib der WM im eigenen Land zahlen. Mehr als 80 Prozent würden dafür überhaupt nicht in die eigene Tasche greifen. Das haben der Volkswirt Bernd Süßmuth von der TU München und sein Kollege Malte Heyne von der Universität Bremen anhand des fiktiven Szenarios in einer repräsentativen Befragung ermittelt.

Die Studie sollte Effekte messen, die sich eigentlich in Euro und Cent nicht ausdrücken lassen: den Erlebnis- und Freizeitnutzen und das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl etwa, aber auch Belästigungen durch Fans in den Innenstädten oder überfüllte U-Bahnen während der WM. Immerhin sehen 85 Prozent in der WM insgesamt einen Gewinn für Deutschland, wie Süßmuth und Heyne ermittelten.

Die geringe Zahlungsbereitschaft könne jedoch unter anderem daher rühren, dass Deutschland in der Vergangenheit schon Gastgeber großer Sportereignisse war, vermutet Süßmuth. "Da ist ein gewisser Sättigungseffekt möglicherweise schon erreicht." Eine weitere Ursache für die -rein statistisch -geringe Fußball-Begeisterung könnte laut Süßmuth auch darin liegen, dass viele die zunehmende Kommerzialisierung, beispielsweise auch das komplizierte Verfahren der Ticket-Vergabe missbilligen. Die Wissenschaftler haben die Ergebnisse ihrer Studie unter anderem an den DFB weitergeleitet -verbunden mit dem Appell, "die Interessen der Zuschauer und Fans stärker zu berücksichtigen". Eine Antwort steht noch aus. 

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