Gamma-Blitz traf die Erde

- Die Astrophysiker um Roland Diehl und Giselher Lichti am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching sind begeistert. Sie haben den stärksten Blitz von hochenergetischer Röntgen- und Gammastrahlung, der jemals gemessen wurde, mit Hilfe eines Satelliten im Weltraum aufzeichnen können. "Die Wellenfront aus Elektronen und Positronen, die an unserer Erde vorbeirauschte, war intensiver als der stärkste jemals gemessene Strahlungsausbruch von unserer Sonne", erklärt Giselher Lichti.

<P>Das Unglaubliche an dieser Entdeckung ist die Entstehung dieser Strahlung: Sie stammt von einem winzigen Himmelskörper mit höchster Dichte, einem so genannten Magnetar. Ein Magnetar ist ein Neutronenstern mit einem extrem starken Magnetfeld. Man schätzt, dass etwa 10 Prozent aller Neutronensterne zu dieser Sternklasse zählen, die das 1000-fache des bei Neutronensternen üblichen Wertes aufweisen. Neutronensterne entstehen beim Kollaps von Sternen.</P><P>Die jetzt entdeckte Strahlenquelle befindet sich auf der anderen Seite unserer Milchstraße, in etwa 50 000 Lichtjahren Entfernung. "Unser Magnetar, mit der Bezeichnung SGR 1806-20 hat einen Durchmesser wie eine mittlere Großstadt und eine Masse vergleichbar mit der Sonne. Zudem besitzt er ein Magnetfeld, das in etwa eine Billion mal stärker ist als das der Erde", erklärt Lichti. </P><P>Wie kann man sich nun den enormen Energieausstoß eines solchen Magnetars erklären? Lichti und Diehl vermuten, dass die Ursache im verdrillten inneren Magnetfeld des Sterns liegt. "Es ist das Überbleibsel der schnellen Rotation, die der Neutronenstern bei seiner Entstehung mitbekam."<BR><BR>Das Magnetfeld enthält den größten Teil der Energie des Sterns. Das hat zur Folge, dass starke Ladungsströme von Elektronen und Positronen, positiv und negativ geladenen Teilchen, um den Stern fließen. Wenn sich die Magnetfelder immer stärker verdrillen, brechen sie irgendwann zusammen und entlassen in einem großen Ausbruch die Teilchen ins All. "Diese Strahlung können wir dann mit unseren Satelliten messen", so Lichti.</P><P>Was für die Astronomen ein seltener Glücksfall für ihre Forschung an Magnetaren ist, ist für die Menschen auf der Erde ungefährlich. "Für das Leben auf der Erde bestand durch den Magnetar-Ausbruch keine Gefahr, da die Atmosphäre für diese Art von Strahlung undurchlässig ist", geben die Garchinger Astrophysiker Entwarnung. </P>

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