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Jonas Schulz liebt es, Videospiele zu zocken. Wie viel er spielt, kann er nicht genau sagen. Das schwankt. 

Gastbeitrag mit wichtiger Botschaft

An alle Ahnungslosen: Wir Gamer sind keine stinkenden, scheuen Freaks

Bleiche Einzelgänger, Stubenhocker, beziehungsunfähige Typen – Gamer müssen sich viel anhören. Viel Unwahres. Jonas Schulz hat in seinem Gastbeitrag eine wichtige Botschaft an alle ahnungslosen Kritiker.

Tief verborgen unter der Erde leben sie: Ihre Haut weiß wie ein ausgebleichtes Blatt, streng riechend wie eine vergessene Bananenschale und so menschenscheu wie ein neugeborenes Reh in einem sich über Kilometer erstreckenden Nationalparks fernab jedweder Zivilisation. 

Als was wurden wir nicht schon alles beschimpft? „Freaks“ oder „echt komische Gestalten“, gekleidet in „dunklen Schlabberklamotten, die manchmal streng riechen“. Das war zumindest der Ansatz von RTL aus dem Jahr 2011, als ein Beitrag des Magazins „Explosiv“ zur Videospielmesse „Gamescom“ sagenhaft in die Buchse ging. 

Ja, ein Videospielenthusiast zu sein, ist nicht immer leicht. Oft wird man müde belächelt oder schräg von der Seite angemacht, wenn man sich in der Öffentlichkeit zum noch jungen Medium bekennt. Vorurteile hängen bekanntermaßen in jedem unserer Köpfe und auch bei Games und deren Konsumenten gibt es keine Ausnahme. Oft wird mir vorgeworfen, ich würde meine Zeit verschwenden, nichts aus meinem Leben machen. Nach einem Amoklauf zeigen alle Finger auf mich und des Öfteren werden meine Leidensgenossen mit Drogenabhängigen und den Bierleichen vor den Glücksspielautomaten der Dorfkneipe verglichen. 

Dabei sind Videospiele eine wundervolle Kunstform. Für mich sind sie ein Fenster zu Welten, die es dem menschlichen Verstand erlauben, fantastische Abenteuer zu erleben. Dem anstrengenden Alltag, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, zu entfliehen, und Erfahrungen zu sammeln, die es so in dieser Form in der „realen“ Welt nicht gibt. Und klar gibt es Menschen, die lieber in der virtuellen Welt abhängen, als sich um ihr wahres Leben zu kümmern, aber dieses Phänomen hat die Videospielbranche ja nicht exklusiv: Ein Bücherwurm taucht ebenfalls in fantastische Welten ein, nur mit dem feinen Unterschied, dass ihm alle Belesenheit attestieren. 

Ich, 23 Jahre alt, habe studiert und arbeite aktuell an meinem Einstieg ins Berufsleben. Ich bin weder adipös, noch streng riechend oder scheu vor Mitmenschen. Ich bin in meinem noch sehr jungen Leben bereits in meiner zweiten etwas länger anhaltenden Beziehung, die einwandfrei funktioniert, obwohl meine bessere Hälfe so gut wie gar nicht spielt. Sie liest, ich zocke: Zweisamkeit durch geteilte Wohnfläche. Und natürlich kann ich keine 20 Stunden am Wochenende vor der Flimmerkiste verbringen. Eine Beziehung braucht Zeit, Rücksicht und Fürsorge. Dennoch sind Videospiele mein größtes Hobby, das ich gegen nichts auf der Welt eintauschen wollen würde. Es ist eine stinknormale Freizeitaktivität, die eben genauso aus dem Ruder laufen kann wie Partymachen mit Freunden, Pumpen im Fitnessstudio oder Komasaufen in der Billig-Kneipe. 

Wer sich die Zeit nimmt, das Medium zu verstehen, wird feststellen, dass Gaming mehr ist als Ballerspiele und Aggressionsbewältigung für Jugendliche. Es ist eine Kunstform, mit einer aktiven Interaktion des Betrachters, die es schafft, immer mehr Leute in ihren Bann zu ziehen, und die durch die fortschreitende Technologie neue Bereiche erobert. Die Bezeichnung „Nischenprodukt“ haben Videospiele schon vor langer Zeit hinter sich gelassen, auch wenn das heutzutage noch nicht jeder verstanden haben mag. 

Diesen Gastbeitrag schrieb Jonas Schulz, 23 Jahre, aus Hattenhofen.

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