Gebühren: Erst die Hausaufgaben machen

- Studiengebühren sollten auf keinen Fall Sache einzelner Universitäten werden, warnt Professor Bernd Huber, Rektor der größten deutschen Hochschule, der Ludwig- Maximilians-Universität.

<P>Huber fühlt sich nach dem Rückzug der bayerischen Staatsregierung auf einen späteren Einführungstermin (nicht mehr in diesem Jahr) auch in seiner Ansicht bestätigt, dass vor geplanten Gebühren erst ein sozialpolitisches Konzept erarbeitet werden muss. Der Sozialausgleich als Voraussetzung für ein gebührenpflichtiges Studium müsste zudem unbedingt bundeseinheitlich für alle Länder geregelt werden, so Huber, der selbst nach wie vor gegen Gebühren ist.</P><P>Wenn sie jedoch vom Gesetzgeber beschlossen werden, möchte er die Hochschulen wenigstens davor bewahrt wissen, dass diese als Eintreiber fungieren, womöglich auch später Darlehen zurückfordern und selbst für soziale Lösungen sorgen müssen. "Das können die Universitäten auf keinen Fall leisten."</P><P>Dass die verantwortlichen Politiker die Gebühren von der sozialen Seite bisher nicht näher betrachtet haben, hat auch die Studenten in Rage gebracht. Denn die Frage, wie 1000 Euro im Jahr zusätzlich aufgebracht werden könnten, ist für viele junge Leute in der Ausbildung durchaus eine Existenzfrage.</P><P>Davon ist auch Huber überzeugt: "Wenn ein Student im Monat nur 700 oder 800 Euro zur Verfügung hat, dann ist das viel Geld." Im bisherigen Stipendiensystem sehe er auch keine Basis für eine Lösung des Gesamtproblems. "Bisher sind bei Stipendien und Darlehen die Probleme bestenfalls in Ansätzen berücksichtigt".</P><P>Von Schnuppermodellen halte er deshalb gar nichts. Und privatwirtschaftliche Darlehensmodelle seien nur da sinnvoll, wo die Berufsaussichten klar umrissen sind, so der Uni- Chef. Ein weiteres Problem: die vorgeschlagene Differenzierung nach Fächern. Es müsse darüber diskutiert werden, dass beispielsweise ein Studium der Germanistik nicht so teuer wie das der Medizin ist. "Da erwarten uns möglicherweise auch rechtliche Komplikationen." </P><P>Sollten diese Probleme alle gelöst sein und die Studiengebühr Pflicht, dann empfiehlt der LMU-Rektor auch einen Blick zu den Nachbarn Österreich und Großbritannien, damit nicht eintritt, was alle Hochschulchefs fürchten: dass nämlich Gebühren, wenn sie schon Pflicht werden, nur formell den Hochschulen zufließen, ihnen aber materiell mit dem nächsten Staatshaushalt dann doch wieder abgezogen werden.</P>

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