Geeignet oder nicht?

- Rund 2500 Abiturienten haben sich an der Technischen Universität München (TUM) zum Wintersemester 2002/03 für neun Fächer beworben, für die in diesem Sommer eine Eignungsfeststellung durchgeführt wird.

<P>Eine enorme Resonanz, mit der wir nicht gerechnet haben", freut sich der Präsident der TUM, Prof. Wolfgang A. Herrmann. Aufhänger für die Aktion (möglich macht's die Experimentierklausel im Bayerischen Hochschulgesetz) waren die hohen Wechsler- und Abbrecherquoten in Informatik und anderen naturwissenschaftlichen Fächern. Unter dem Motto "abi +" läuft die Suche nach Studentinnen und Studenten, die am besten zum Profil der Fächer Chemie, Biochemie, Molekulare Biotechnologie, Mathematik, Technomathematik, Finanz-/Wirtschaftsmathematik, Informatik oder Ernährungswissenschaft passen.</P><P>Allein für Informatik haben sich 770 Abiturienten beworben, aber selbst im Fach Chemie, wo die Zahlen seit Jahren stark sinken, schickten mehr 150 einen Bewerbungsbrief (mit Begründung) und ihr Zeugnis. "Wir wollen mit der Eignungsfeststellung natürlich die am besten geeigneten Studenten für die Fächer gewinnen, aber die Auswahl hat auch ganz stark beratenden Charakter, damit die jungen Leute gleich den richtigen Weg gehen können", erläutert Herrmann den Sinn der Auswahl, die in zwei Stufen abläuft. Die Abiturnote zählt zu 55 Prozent in Stufe I. Dazu kommen Auswahlkriterien nach der schriftlichen Bewerbung. Wer's damit nicht schafft, kommt in Stufe II mit dem Auswahlgespräch. </P><P>Abgelehnte Bewerber/innen brauchen aber nicht zu fürchten, dass sie kostbare Zeit verlieren, sie können an der TUM ein anderes Fach studieren - die Bewerbungsfrist 15. Juli gilt durch die Teilnahme am Eignungsverfahren für alle Fächer als erfüllt.</P><P>Wer zu den Anforderungen des Studiums gut passt, studiert erfolgreicher und schneller und macht damit auch den Hochschullehrern weniger Arbeit. So ist es nachvollziehbar, warum Professoren mitten in den Semesterferien viel Zeit opfern, um die Eignung von Bewerbern zu prüfen und sie pesönlich zu beraten.</P><P>Stellvertretend für alle haben wir den Dekan des Zentrums für Mathematik, Prof. Jürgen Scheurle, nach den Erfahrungen gefragt, die er mit zwei Kollegen und drei Gymnasiallehrern (die haben einen anderen Blickwinkel) gewonnen haben. Überrascht seien alle "über den unglaublichen Zulauf" (356 Mathe-Bewerber). Damit zu tun habe sicher die Tatsache, dass die Mathematik-Fächer an der TUM stark anwendungsbezogen und computernah sind. "Die Grundlagen des Fachs werden deswegen aber nicht vernachlässigt", räumt Scheurle mit falschen Vorstellungen auf.</P><P>Die Stufe I haben rund 60 Prozent der Bewerber genommen. Für 100 Abiturienten kommt ab Ende September ein 20-minütiges Auswahlgespräch. Scheurle ist sich sicher, dass da noch so manche Begabung zum Vorschein kommt. "Wir kennen immer wieder Fälle, in denen das Abiturzeugnis miserabel, aber die Begabung für Mathematik außerordentlich ist."</P><P>Schon in Bewerbungsbriefen gab es ungewöhnliche Fälle. Etwa, dass ein Abiturient, der Mathe in der Schule nicht mal als Leistungskurs wollte, als Austauschschüler aber dann in den USA seine Begeisterung für das Fach entdeckte. <BR></P>

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