Kampagne gegen Ablenkung am Steuer

Der gefährliche Blick aufs Smartphone

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Fast jeder weiß, dass es gefährlich ist, und doch greifen viele während der Autofahrt zum Handy. Eine Kampagne soll vor den Folgen warnen – Unterstützung kommt von einem Rapper und einem Youtuber.

Ein kleiner Bub schläft friedlich mit Stofftier im Arm im Kindersitz auf der Autorückbank. „Was gibt es Schöneres, als in Sicherheit einzuschlafen?“, fragt ein Schriftzug in dem Video. Dann öffnet ein Mann die Türe und hebt den schlafenden Bub aus dem Auto. Es ist nicht sein Vater, wie die schwenkende Kamera verrät. Denn der liegt regungslos neben der Mutter auf den vorderen Sitzen – hinter der zerborstenen Windschutzscheibe. Und während der Notarzt den kleinen Bub zum Rettungshubschrauber trägt, folgt die Antwort: „In Sicherheit aufzuwachen.“

Dieser Kinospot, der gestern in München vorgestellt wurde, ist Teil der Aktion „#FingervomHandy“, mit der das Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) auf Ablenkung am Steuer aufmerksam machen wollen – und zwar bewusst mit einem Horrorszenario. Denn eine im August durchgeführte repräsentative Umfrage mit rund 2500 Teilnehmern ergab, dass zwar 92 Prozent aller Befragten das Nutzen von Smartphones im Straßenverkehr als gefährlich einschätzen – trotzdem geben fast zwei Drittel der Befragten zu, in bestimmten Situationen selbst am Steuer zum Handy zu greifen.

„Wir sind es heute gewohnt, immer erreichbar zu sein. Aber im Straßenverkehr endet das ganz leicht mit einem tödlichen Unfall“, sagt Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU). Mehr als die Hälfte der befragten Beifahrer sei bereits in einer Situation gewesen, in der der Fahrer des Wagens durch sein Handy abgelenkt war, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des DVR. Er mahnt dringend dazu, Personen, von denen man weiß, dass sie gerade im Straßenverkehr sind, nicht anzurufen. Als Fahrer könne man der Versuchung, die Nachrichtenlage zu checken, entgehen, indem man für die Fahrt den Flugmodus am Handy aktiviert.

Kay One verlor einen seiner Bekannten bei einem Verkehrsunfall

Um die Aktion vor allem bei der jungen, mit dem Smartphone beinahe verwachsenen Zielgruppe bekannt zu machen, sollen prominente Unterstützer helfen.So wirbt etwa der Rapper Kay One für die Kampagne. Er gibt bei der Vorstellung ganz offen zu, sich für Verkehrssicherheit bislang nicht interessiert zu haben. Tatsächlich war er eher mit dicken Sportwagen in seinen Musikvideos aufgefallen. Aber als im Januar bei der Rückfahrt von einem Konzert in Bayern einer seiner Bekannten bei einem Verkehrsunfall sein Leben verlor, wollte er etwas tun. „Ich habe meinen Kumpel Wolfgang Bosbach angerufen“, sagt Kay One, der bürgerlich Kenneth Glöckler heißt. Über den CDU-Bundestagsabgeordneten kam er zum Bundesverkehrsministerium – und will nun das Video zur Aktion unter seinen Millionen Fans und Followern in den sozialen Medien verbreiten.

„Es war nur ein kurzer Blick“

Genau wie Oguz Yilmaz, der sich als Teil des Comedy-Trios „Y-Titty“ eine riesige Fangemeinde auf Youtube aufgebaut hat. Auch bei ihm geht das Engagement auf eine persönliche Erfahrung zurück. „Ich habe selbst einen Auffahrunfall gebaut, als ich während der Fahrt aufs Handy geschaut habe“, gibt er zu. „Es war nur ein kurzer Blick und ich bin nur 30 gefahren, aber es hat schon gereicht.“ Für Yilmaz sei das ein Moment der Klarheit gewesen. „Seitdem nerve ich alle, wenn sie am Steuer ihr Handy zücken, und sage: ‚Ich steige aus, wenn ihr das nicht lasst!‘“

Mit diesen beiden Protagonisten als „Influencer“ will das Ministerium seine Botschaft in das junge Publikum tragen. Denn bislang ist jeder zehnte Verkehrstote auf Ablenkung am Steuer zurückzuführen. Was der kurze Blick aufs Display anrichten kann, wird vielen Menschen künftig auf der Kinoleinwand – und auf dem Handy – bewusst gemacht.

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