Gefährlicher "Baby-Blues"

- Geburt überstanden, Baby gesund, überglücklich hält die erschöpfte Mutter strahlend ihr Neugeborenes in ihrem Arm. Dieses Idealbild von der Ankunft eines neuen Erdenbürgers hält der Realität nur selten stand. Statt Freude bestimmen Angst, Unsicherheit, Traurigkeit und Gereiztheit das Gefühlsleben vieler Mütter. Vier von fünf Frauen fallen am dritten Tag nach der Geburt in ein vorübergehendes Stimmungstief, das bis zu zwei Wochen anhalten kann.

Was mit dem "Heultag" beginnt und sich zum "Baby-Blues" steigert, kann sich mitunter sogar zu einer handfesten Wochenbettdepression auswachsen. Der Baby-Blues ist eine normale Reaktion auf eine völlig neue Lebenssituation und wird von Ärzten und Psychologen sehr ernst genommen. Experten sehen eine Ursache in der hormonellen Umstellung.

Eine unbemerkte und unbehandelte Schwangerschaftsdepression bedarf der genaueren Abklärung. Denn inzwischen hat sich gezeigt, dass Frauen, die bereits vor einer Schwangerschaft zu depressiven Phasen neigten, vermehrt an einer Wochenbettdepression leiden. Als erwiesen gilt auch, dass depressive Störungen bei Frauen in der Schwangerschaft genauso häufig sind wie nach der Geburt des Kindes. "Eine solche psychische Störung kann unter Umständen eine befriedigende Beziehung zum Kind gefährden und krankhaftes Verhalten provozieren", sagt Prof. Alexander von Gontard, Kinderpsychiater am Neurozentrum der Universitätsklinik Homburg. Er geht davon aus, dass von 1000 Müttern zwei nach einer Entbindung an einer Psychose erkranken und dass jede zehnte Mutter mit depressiven Störungen auf die Geburt reagiert. Umgekehrt, so Gontard, können auch auffällige Verhaltensweisen von Neugeborenen die mütterliche Psyche belasten. Vor diesem Hintergrund wurde in Homburg erst vor wenigen Monaten die bundesweit erste gemeinsame psychiatrische Mutter-Kind-Station eingerichtet, ein Modellprojekt, bei dem Erwachsenen- und Kinderpsychiater Impulse für Krankenversorgung und Forschung liefern wollen. Die sind auch notwendig. Denn inzwischen vermuten Wissenschaftler auch einen Zusammenhang zwischen der Niedergeschlagenheit werdender Mütter und niedriger Durchblutung der Gebärmutter, Fehlgeburten sowie niedrigem Geburtsgewicht der Babys.

Eine Bostoner Gruppe um den Psychiater Jonathan Evans, die im letzten Jahr zeigte, dass Depressionen in der Schwangerschaft ebenso häufig seien wie in jeder anderen Lebenssituation, fordert deshalb, die möglichen Auswirkungen einer solchen Störung auf das werdende Kind genauer zu erforschen. "Geklärt werden muss vor allem, was für den Fötus schlechter ist: die psychische Krankheit der Mutter oder ihre Behandlung mit Medikamenten", meint Evans.Eine Schwangerschaft schützt also keineswegs vor Depressionen und ist auch nicht immer die Zeit des emotionalen Wohlbefindens, wie vielfach angenommen wird. Häufig entstehen Depressionen auch als Reaktion auf ungünstige psychosoziale Bedingungen wie Armut, Arbeitslosigkeit oder Partnerschaftsprobleme.

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