Gefährliches Grün - Zeckengefahr steigt

- München - Ein Tag im Grünen kann ganz schön ungesund sein. Denn mancher Spaziergänger kommt nicht alleine aus dem Wald nach Hause. Unter allen Kleidungsschichten, die Beißwerkzeuge in die menschliche Haut vergraben, saugt ein winziger Parasit: die Zecke. Bei der unfreiwilligen Blutspende kann sich der Frischluft-Fan eine gefährliche Krankheit holen: die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Und nun besagt eine neue wissenschaftliche Studie auch noch, dass das Ansteckungsrisiko stark unterschätzt wurde.

<P>"Wir haben voll gesogene Zecken untersucht und haben erstaunliche Werte bekommen", berichtet Dr. Jochen Süß vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Was den Forscher fasziniert, dürfte bei Menschen, die in den bayerischen Risikogebieten in Niederbayern oder Rosenheim leben, eher Grauen wecken. Denn in 7 bis 9 % der satten Sauger wurden im Jahr 2002 FSME-Viren nachgewiesen. Ein Jahr zuvor waren es 0,4 bis 1,2 % - diese Tiere hatten keine Blutmahlzeit genossen.<BR><BR>Der Wissenschaftler und sein Team gehen bereits seit 1997 rund um Passau auf Zeckenjagd. Für die deutlich höhere Virusbelastung der voll gesogenen Tiere kann Süß bisher nur eine Hypothese aufstellen. "Wir wissen: Zecken verändern sich beim Saugen", erklärt er. Beim Umbau des kleinen Körpers zum mehrfach größeren Blutreservoir vermehren sich die Krankheitserreger. Deshalb heißt es "schnell handeln": Wer den eigenen Körper nach Zecken absucht und die Parasiten entfernt, minimiert das Ansteckungsrisiko.<BR><BR>"Ohne Panik, aber schnell die Zecke entfernen. Dann sinkt das Risiko."</P><P>Sind Sorgen angebracht? "In Bayern auf jeden Fall", meint Süß. Im Freistaat werden 45 Landkreise als FSME-Risikogebiete angesehen, der Kreis Passau sogar als Hochrisikogebiet. Jährlich kommen neue Landkreise dazu. Heuer waren es in Bayern vier, im Vorjahr acht. Rund um München zeigt die FSME-Risikokarte des Robert-Koch-Instituts jedoch einen weißen Fleck. Warum die gefährliche Viruserkrankung in Oberbayern nicht so häufig ausbricht, während fast ganz Niederbayern Risikogebiet ist, wissen auch Experten nicht.<BR><BR>Wer in den gefährdeten Regionen joggen oder golfen geht oder beruflich viel in der Natur ist, sollte sich impfen lassen. Das raten alle Ärzte. "Die FSME ist eine Viruserkrankung, die nicht behandelt werden kann", erklärt Dr. Angela Wegmann. Etwa zwei Jahre gab es keinen Impfstoff für Kinder, er wurde wegen Nebenwirkungen vom Markt genommen. Den neuen kann die Allgemeinmedizinerin aus München jedoch empfehlen: "Das Produkt ist verträglich."<BR><BR>Ein schwerer Krankheitsverlauf ist zwar sehr selten, doch das Stichwort FSME weckt Horrorvorstellungen. In ein bis zwei Prozent der Fälle endet die Krankheit tödlich, in 10 bis 30 % gibt es teilweise schwere Folgeschäden: von Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, über Depressionen bis hin zu Lähmungen. Die meisten Infizierten kommen mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen davon.<BR><BR>Sehr viel häufiger als FSME übertragen Zecken die Lyme-Borreliose. Dieser bakterielle Infekt kann mit Antibiotika behandelt werden, es gibt allerdings keine Impfung. Für beide Erkrankungen gilt der Rat von Dr. Süß: "Ohne Panik, aber schnell die Zecke entfernen. Dann sinkt das Risiko."<BR><BR>Das epidemiologische Bulletin mit FSME-Karte steht unter www.rki.de</P>

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