Gefährliches Virus lauert in jedem Siebten

- München - Es schlummert unerkannt im Körper und gilt als häufigster Auslöser von Gebärmutterhalskrebs: das Humane Papilloma Virus, kurz HPV. Eine HPV-Infektion gehört zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen, mit den meisten Todesopfern europaweit. Jeder Siebte, vermutet die Deutsche Dermatologische Gesellschaft, trägt das HP-Virus in sich. Doch kaum einer weiß es.

<P>Marie Sandner (Name geändert) fehlten erst Mal die Worte, als ihre Gynäkologin sagte: "Wir haben da etwas bei Ihnen gefunden." Marie Sandners Blase hatte sich entzündet, deshalb war sie in die Praxis gekommen. Doch nun sprach die Gynäkologin von HPV. "Ich fiel aus allen Wolken, davon hatte ich ja noch nie gehört", erinnert sich die 32-Jährige.<BR><BR>Weitere Tests bestätigten den Befund: Marie Sandner hatte sich mit Papillomaviren infiziert - und zwar mit erhöhtem Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. "Da lauerte eine tödliche Gefahr in meinem Körper und ich hatte keine Ahnung." Nicht ungewöhnlich, denn in den seltensten Fällen ist HPV sichtbar oder verursacht Beschwerden. Vereinzelt stellen Betroffene ein Brennen und Jucken im Genital- oder Analbereich fest, teilweise bilden sich fleischfarbene Warzen, auch Kondylome oder Feigwarzen genannt.<BR><BR>Nach dem ersten Schock "jagten Fragen über Fragen durch meinen Kopf". Hat mein Freund mich infiziert? Werde ich wieder gesund? Und die quälendste Frage: Hat mein Freund mich betrogen? Stefan Zippel, Leiter der psychosozialen Beratungsstelle an der Dermatologischen Klinik München (LMU), kennt diese Sorgen: "Viele machen den Partner verantwortlich für ihre Erkrankung, das Vertrauen ist erst einmal zerstört."<BR><BR>Der Psychologe warnt vor dem vorschnellen Verdacht, der Partner habe möglicherweise einen Seitensprung begangen. "Die Infektion mit dem HP-Virus kann Jahre zurückliegen, ohne ihren krankmachenden Wirkungsmechanismus zu entfalten", erklärt Zippel. Zum Ausbruch kommt es meist erst durch eine Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems. In seltenen Fällen kann man sogar lebenslang Träger des Virus sein, ohne dass es ausbricht. Manchmal heilt die Infektion auch ohne Folgen wieder ab.<BR><BR>Einige Frauen entwickeln aufgrund der HPV-Infektion Gebärmutterhalskrebs, das so genannte Zervixkarzinom. Gebärmutterhalskrebs stellt weltweit die zweithäufigste Krebsart bei Frauen dar. Bei Männern besteht die erhöhte Wahrscheinlichkeit, durch das Virus an Prostatakrebs zu erkranken. Ist die Haut beziehungsweise die Schleimhaut durch HPV geschwächt, können außerdem die Erreger anderer Geschlechtskrankheiten wie Aids, Tripper und Syphilis leichter eindringen.<BR><BR>Besonders gefährdet sind junge, sexuell aktive Erwachsene, insbesondere Frauen. Rauchen und die Pille gelten als weitere begünstigende Faktoren. Männer, bislang als Risikogruppe unterschätzt, infizieren sich immer öfter, besonders wenn sie häufig ihre Partner wechseln. Die effektivste Methode, um sich zu schützen, ist Safer Sex; doch selbst Kondome garantieren keine hundertprozentige Sicherheit. "Man vermutet, dass das HP-Virus durch die Poren des Gummis schlüpfen kann", sagt Zippel.<BR><BR>Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, das Virus zu kontrollieren. Liegen Haut- oder Zellveränderungen vor, werden diese chirurgisch, durch Laser, Kältetherapie oder lokale Verätzung behandelt. Bei äußerlichen Feigwarzen wirkt eine lokale Therapie mit Imiquimod, einer Creme, die eine spezielle Abwehrform des Körpers stimuliert. Derzeit laufen Versuche mit Impfungen gegen das Virus, unter anderem auch an der Dermatologischen Klinik in München. Die Ergebnisse klingen viel versprechend: Arzneimittelforscher gehen davon aus, dass ein Impfstoff bereits 2007 auf den Markt kommt.<BR><BR>Forscher hoffen auf Impfstoff ab 2007<BR><BR>Nach einer Behandlung sind Nachsorgeuntersuchungen, etwa alle drei Monate, wichtig. "Um einen Ping-Pong-Effekt zu vermeiden, muss der Partner zudem immer mit untersucht werden", rät Zippel. Für viele Paare wird die Erkrankung schnell zur Belastungsprobe - wie bei Marie Sandner. "Ein offener Umgang mit dem Thema zahlt sich aus", sagt sie heute. Nichts verschweigen, immer mit dem Partner reden und ihn auch mit den eigenen Ängsten konfrontieren - das würde helfen.<BR><BR>Wo sich der Freund angesteckt hat, sei nicht mehr nachvollziehbar. Eines aber sei sicher: "Es war kein Seitensprung." Marie Sandner sagt: "Mein Freund und ich, wir vertrauen uns wieder." Vor einem Jahr wurde ihr operativ ein winziges Stück Gebärmutterhals entfernt. Mit dem Gewebe ist auch der Virus verschwunden. Bleibende Schäden, etwa die Gefahr, keine Kinder zu bekommen, gibt es nicht. Marie Sandner strahlt. Sie hat ihre Erkrankung in den Griff bekommen und auch ihre Partnerschaft.</P>

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