Gefahr beim ersten Mal

- München - "Es passiert meist bei einem der ersten Male - da denken sie nicht an Kondome, sondern nur an große Gefühle, und dann ist das junge Mädchen ungewollt schwanger und jede Menge Konflikte beginnen." Professor Ernst Rainer Weissenbacher, der bekannte Frauenarzt vom Münchner Uniklinikum Großhadern, möchte Jugendlichen solche und andere Folgen von ungeschütztem Sex ersparen: "Das geht aber nur mit individueller Aufklärung und Beratung.

<P>Sexualkundeunterricht allein genügt nicht, wir brauchen dringend eine spezielle Sprechstunde für Teenager." In Frankreich gibt es die schon.</P><P>Zwar hat Deutschland die U 13 beim Kinderarzt eingeführt, eine Sexualuntersuchung und -beratung für Jugendliche mit 13, die von den Kassen auch bezahlt wird. Aber Weissenbacher, Vorsitzender des Kuratoriums Frau und gesunde Lebensführung, steht mit seiner Meinung nicht allein, dass die U 13 nicht ausreicht: "Wenn Mädchen zum ersten Mal ihre Periode haben, gehen sie nicht zum Kinderarzt, sondern viel eher mit ihrer Mutter zu deren Frauenarzt." Der wird das Mädchen dann aber nicht nur in Gegenwart der Mutter beraten. Viele der Jugendlichen, die häufig schon sehr früh in die Pubertät kommen, haben sehr intime Fragen über ihren Körper. Und darüber, wie sie sich beim Sex verhalten sollen.</P><P>Natürlich fragen die Mädchen auch nach der Pille. Und 15-Jährigen wird der Arzt schon, ohne dass die Eltern befragt werden müssen, eine geeignete Minipille verschreiben. Das Mädchen sollte aber ausgewachsen sein. Denn die Pille beeinflusst das Längenwachstum und den Knochenstoffwechsel, wie der Gynäkologe erklärt. Außerdem wird sie gerade von den Jugendlichen leicht vergessen. Das neueste Verhütungsmittel, ein Ring, bleibt dagegen drei Wochen in der Scheide. Er besteht aus hypoallergenem Kunststoff und ist mit Hormonen beschichtet. Nach der dritten Woche wird er ausgewechselt, dann tritt wie bei der Pille eine Abbruchblutung ein. Jedes Mädchen, das mit einem Tampon umgehen kann, kann sich auch den Ring einsetzen.</P><P>Doch nicht nur sehr junge Liebende sollten in erster Linie über den richtigen Gebrauch von Kondomen Bescheid wissen. Denn die schützen nicht nur vor ungewollter Schwangerschaft, sondern auch vor Geschlechtskrankheiten. </P><P>Die kommen nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen wieder viel öfter vor. Neben HIV-Infektionen, die trotz aller Kampagnen auch schon Jungen und Mädchen treffen, macht den Ärzten vor allem der dramatische Anstieg von Syphilis-Fällen Sorge. Gestiegen sind auch die Fälle von Hepatitis-B, der Leberinfektion, die man nicht nur bei ungeschütztem wahllosen Sex, sondern (wie HIV) auch übers Blut (Spritzen) holen kann.<BR><BR></P>

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