Gefahr droht, wenn der Fuß gefühllos wird

- Schön verheilt ist er, der Stumpf. Doch die Tatsache bleibt, dass dem Patienten ein Bein unterhalb des Knies amputiert werden musste: er litt an einem diabetischen Fuß, an dem das Gewebe zerstört und teilweise schon abgestorben war.

<P>"So weit sollte es niemals kommen, doch die Realität sieht leider anderes aus", beklagt Prof. Petra-Marie Schumm- Draeger, Chefärztin der 3. Medizinischen Abteilung im Münchner Krankenhaus Bogenhausen. Die Medizinerin leitet die Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie und wird tagtäglich mit den Folgen der tückischen Zuckerkrankheit konfrontiert. </P><P>Da die regelmäßige und gründliche Versorgung von Diabetikern in Deutschland oft mangelhaft ist, kommt es häufig zu dramatischen Folgeerkrankungen. </P><P>Dazu gehören der diabetische Fuß ebenso wie Veränderungen am Augenhintergrund, Nierenfunktionsstörungen und Herzbeschwerden. "Pro Jahr werden etwa 30 000 Füße von Diabetikern in Deutschland amputiert. Prävention und eine optimale ärztliche Behandlung könnten die Zahl deutlich senken", betont Schumm-Draeger. </P><P>Ursachen des diabetischen Fußes sind eine mangelhafte Durchblutung und Nervenschäden. 70 Prozent der Kranken leiden an einer Polyneuropathie, einer Schädigung der Nerven in den Gliedmaßen. Es kommt zu gestörtem Temperatur- und Schmerzempfinden. Die Haut wird rissig und trocken, die Schweißproduktion ist vermindert, und es bildet sich mehr Hornhaut. Es bilden sich kleine und größere Wunden an den Füßen, die der Diabetiker mangels Schmerzempfinden oft nicht bemerkt. Die Wunden infizieren sich und heilen sehr schlecht. Schließlich stirbt das zerstörte Gewebe ab - ein Prozess, der durch unbeweglicher werdende Fußgelenke und Fehlbelastungen von Muskeln, Sehnen und Knochen noch beschleunigt wird.</P><P>Bei etwa 25 Prozent der chronischen Diabetiker ist die Durchblutung der großen Fußarterien blockiert periphere arterielle Verschlusskrankheit). Dabei sind die Füße blass oder bläulich verfärbt und kalt. Das Schmerzempfinden bleibt unvermindert erhalten und schon geringste Belastungen sind schmerzhaft. Am Ende kommt es ebenfalls zum Absterben ganzer Gewebebezirke. </P><P>Eine Kombination beider Diabetes-Komplikationen potenziert die Ausprägung des diabetischen Fußes. Das betrifft etwa 30 Prozent aller Fälle. Wichtig ist, dass der Diabetiker weiß, dass er selbst viel tun kann, um den diabetischen Fuß zu vermeiden. </P><P>Er muss die Warnzeichen kennen und wissen, wann er den Facharzt aufsuchen muss", erklärt Schumm-Draeger. Ihr Rat: Jeder Diabetiker sollte seine Füße regelmäßig genau auf Wunden kontrollieren. Die Fußunterseite kann per Spiegel betrachtet werden. Wichtig sind bequeme Schuhe, um Druckstellen zu vermeiden. Vorbeugend wirkt eine medizinische Fußpflege sowie fünfzehn Minuten tägliche, durchblutungsfördernde Fußgymnastik. </P><P>Offene Wunden und Druckstellen, die der Betroffene gar nicht spürt, müssen unbedingt sofort versorgt werden. "Es kommt vor, dass Diabetiker ihre Wunden ignorieren, da sie Angst vor einer Amputation haben", sagt Schumm-Draeger. "Da sind die behandelnden Hausärzte und Diabetologen gefordert: Sie müssen ihre Patienten aufklären, sich miteinander austauschen und so eine kompetente Betreuung gewährleisten."</P>

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