Gefahren der Mobil-Kommunikation oft unterschätzt

- Wiesbaden - Die Szene könnte dem Albtraum eines Managers entstammen: Zwei Firmenmitarbeiter plaudern locker per Handy über das neueste Produkt, schicken alle wichtigen Daten dazu über das firmeneigene drahtlose Netz, und die Konkurrenz hört und liest mit.

<P>Wie leicht derartige Angriffe auf fremde Daten und Dateien bei mobilen Kommunikationseinrichtungen sind, bekamen die Teilnehmer eines Forums "Datenschutz in der mobilen Welt - Realität oder Utopie?" am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden demonstriert.</P><P>Ein schlichtes Laptop samt Handy reichte dem Sicherheitschef der Darmstädter Firma Nova GmbH, Matthias Etrich, dazu aus. In wenigen Minuten drang er in ein zur Demonstration installiertes Funk-Netz ein, wie es schon viele Unternehmen haben, um teure Verkabelungen zu vermeiden und den mobilen Mitarbeiter zu ermöglichen. Diese Netze haben dieselbe Schwäche wie Handys und andere handliche elektronische Arbeits- und Kommunikationsmittel: Sie senden die Daten per Funk, und auf diesem Weg sind Daten leicht zu erreichen.</P><P>Abhören, Passwörter abgreifen, Daten verändern, Viren einpflanzen, Bewegungs- und andere Profile herstellen - das alles ist möglich, sagten die Experten wie Prof. Claudia Eckert von der TU Darmstadt. Der Grund: Viele eingebaute Sicherheitseinrichtungen sind unzulänglich, und auch zusätzliche private Maßnahmen schützen nicht hundertprozentig. Dazu kommt eine "eigenartige Nachlässigkeit" in Sicherheitsfragen, befand der hessische Datenschutzbeauftragte Prof. Friedrich von Zezschwitz. Es gebe flächendeckend kein Sicherheitsbewusstsein.</P><P>Dabei vermehren sich mobile Kommunikationseinrichtungen "explosionsartig", so die Experten. Sie bieten faszinierende Möglichkeiten von der Gesundheitsüberwachung kranker Menschen in ihren eigenen vier Wänden über die Ferndiagnose von Defekten am Auto bis hin zum Arbeiten und Internet-Surfen auf dem heimischen Balkon.</P><P>Offenbar wissen aber viele Computernutzer nicht, dass beispielsweise Funk-Tastaturen ihre Daten bis vor die Haustür schicken und Funknetze bis zu 150 Meter weit senden - auch durch Mauern. Die Software, um Netze abzuhören, gibt es im Internet. Techniken, um Handy-Nutzer beim Bummel durch die Stadt oder die Fahrt durch Deutschland zu orten, sind für 150 Euro zu haben, so von Zezschwitz. Vor allem für die organisierte Kriminalität bieten sich viel Möglichkeiten, illegal an wichtige Daten bis hin zu Passwörtern zu kommen, warnte der Datenschutzbeauftragte.</P><P>Welche wirtschaftlichen Schäden drohen können, machte Prof. Kai Rannenberg von der Universität Frankfurt am Beispiel eines Bankkaufmannes deutlich: Der lässt sich die jüngsten Börsendaten und wichtige Firmen-Informationen per SMS schicken - ohne sicher zu sein, dass diese Informationen auch stimmen. SMS-Sendungen sind extrem schlecht geschützt, so die Experten.</P><P>Doch beim Einsatz der kleinen, nützlichen, leistungsfähigen mobilen Geräte wie Handys und Laptops können auch auf banale Arten Daten verloren gehen, so Prof. Eckert. Sie stecken in Geräten, die vergessen, verloren oder gestohlen wurden. So fanden sich allein im ersten Halbjahr 2001, als diese Geräte noch bei weitem nicht so viel genutzt wurden wie heutzutage, in den Taxis von London 2900 verlorene oder vergessene Laptops und 62 000 Handys.</P>

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