Gegen Krankheit ist ein Kraut gewachsen

- Ob Halsschmerzen, Insektenstich oder Verdauungsstörungen - gegen fast jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen: Besonders Naturverbundene sammeln ihre Kräuter sogar selbst. Doch ist der Gang in den Wald dem Weg zur Apotheke vorzuziehen?

"Die Wirkung von pflanzlichen Arzneimitteln muss in Studien nachgewiesen werden, damit sie überhaupt zugelassen werden", erklärt Professor Angelika Vollmar vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie an der LMU. Der Extrakt werde dabei nach einem immer gleichen, standardisierten Verfahren hergestellt. Der Wirkstoffgehalt von Wildkräutern schwankt dagegen stark. Problematisch ist auch die oft hohe Schadstoffbelastung. Heilkräuter für die Phytopharmaka-Herstellung dürfen dagegen bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten.

Heilpflanzen sind nicht nebenwirkungsfrei

Für die Apotheke spricht auch die umfassende Beratung: Denn nebenwirkungsfrei - wie immer noch viele Leute glauben - sind Phytopharmaka nicht. "Arzneimittel haben immer auch Nebenwirkungen", erklärt Angelika Vollmar. "Man denkt immer, Stoffe aus der Natur seien harmlos." Aber auch Antibiotika und einzelne Chemotherapeutika seien Naturstoffe.

Doch oft sind die Nebenwirkungen von Naturheilmitteln gar nicht bekannt. Denn der medizinische Einsatz geht meist auf jahrhundertelange Erfahrung zurück. "Niemand käme heute auf die Idee, die Wirkung von Kamillentee zu untersuchen", so Angelika Vollmar. Doch das kann auch zu Problemen führen, wie das Beispiel Johanniskraut zeigt - ein wirksames Mittel gegen leichte bis mittelschwere Depressionen: Gleichzeitig mit anderen Medikamenten eingenommen, kann die Naturarznei eine Reihe unerwünschter Begleiterscheinungen haben. So setzt Johanniskraut unter anderem die Wirkung der Antibaby-Pille herab und verträgt sich nicht mit Blutverdünnern. "Doch die Nebenwirkungen sind in der Regel harmloser", so Angelika Vollmar.

Aber was unterscheidet Phytopharmaka eigentlich von synthetisch hergestellten Medikamenten? "Pflanzliche Arzneien sind Gemische und keine Reinsubstanzen", erklärt die Pharmazeutin. Naturheilkundler betonen deshalb oft, dass gerade das Zusammenwirken der einzelnen Inhaltsstoffe die Wirkung ausmache. "Das wird aber überbewertet", so Angelika Vollmar. "Allerdings gibt es Einzelfälle, wo das tatsächlich der Fall ist."

Doch auch wer sich für Naturheilmittel aus der Apotheke entscheidet: Ein Spaziergang im Wald ist in jedem Fall ein Plus für die Gesundheit - ob zum Kräutersammeln oder nur zur Erholung.

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