Mit DNA gegen Prionen

- Im Prionenforschungszentrum an der Ludwig-Maximilians-Universität werden Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems erforscht, für die nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen veränderte körpereigene Proteine, Prionen genannt, verantwortlich gemacht werden. Vorstand des Zentrums ist der Neuropathologe Professor Hans Kretzschmar, beteiligt sind Experten aus der TU München, der Uni Würzburg und großen Forschungsinstituten.

<P>Krankmachende Prionen rufen im Körper keine Immunantwort hervor. "Eine Ursache könnte sein, dass Prionen aus körpereigenen Proteinen bestehen und nicht über genetisches Material in Form von Nukleinsäuren, etwa DNA, verfügen", meint Professor Hans Kretzschmar. </P><P>Einen Weg zu einem möglichen therapeutischen Ansatz zeigen Experimente mit Mäusen auf, die kürzlich durchgeführt wurden: Die Mäuse wurden mit Prionen infiziert sind, mit einem bestimmten DNA-Nachbau - der möglicherweise immunstimulierenden Substanz "CpG ODN" - behandelt und damit die Überlebenszeit der Tiere deutlich verlängert. Die "CpG ODN" ahmen bakterielle DNA nach, was sie in den Augen mancher Forscher zu einem optimalen Therapeutikum macht: Denn zur Abwehr von Erregern ist das Immunsystem überhaupt erst entstanden. Außerdem sind sie die bakteriellen DNA-Stücke im Gegensatz zu ihren Pendants in menschlichen Zellen nicht chemisch verändert, und werden deshalb vom Körper wohl als fremd erkannt. Dieser Ansatz könne bald auch gegen humane Prionenkrankheiten, vor allem die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, eingesetzt werden, so die Wissenschaftler.</P><P>In den von Kretzschmar, Shneh Sethi (LMU) sowie Hermann Wagner (TU München) und der US-amerikanischen Firma Coley Pharmaceuticals durchgeführten Experimenten wurden Gruppen von je acht Mäusen in der Bauchhöhle mit Prionen infiziert. Wurden die Tiere gleichzeitig oder sieben Stunden später mit "CpG ODN" behandelt, überlebten sie um 38 Prozent länger als die unbehandelten Mäuse. Wurden "CpG ODN" über drei Wochen täglich gegeben, zeigten die behandelten Nager noch länger nach der Infektion keine Krankheitszeichen.</P><P>"Die wahrscheinlichste Erklärung für diesen Effekt ist die Stimulation von Zellen des angeborenen Immunsystems, wie den Makrophagen, den natürlichen Killerzellen oder den dendritischen Zellen", berichtet Kretzschmar über die Wirkung der DNA-Stücke. Weitere Tests müssen jetzt zeigen, ob unerwünschte Wirkungen zu beobachten sind, wie etwa Autoimmunreaktionen, und ob die Therapie auch Wirkung zeigt, wenn sie vor oder längere Zeit nach Infektion eingesetzt wird. Die Forscher setzen in vielen Bereichen ihre Hoffnung auf die immunstimulierende Wirkung der "CpG ODN". In therapeutischen Versuchen haben die CpG ODN bislang keine negativen Wirkungen gezeigt.</P><P>SOPHIE LECHELER</P><P></P><BR><BR><BR><BR>

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