Geheimnisvoller Nachbar in unserem Sonnensystem

- Es gibt kaum einen Planeten in unserem Sonnensystem, der seine Geheimnisse so gut hütet wie die Venus. Doch das soll sich ändern. Am 26. Oktober wird vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus die Raumsonde "Venus-Express" der europäischen Weltraumbehörde ESA zu ihrer fünfmonatigen Reise starten.

Gespannt warten weltweit Wissenschaftler wie der Geologe Ulrich Köhler vom Institut für Planetenforschung des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin Adlershof, auf das, was die Sonde aus mehr als 40 Millionen Kilometer zur Erde übermitteln wird. Über die Mission sprach Thorsten Naeser mit Ulrich Köhler.

Was macht die Venus so spannend für die Forscher?

Köhler: Die Venus birgt noch viele Rätsel. Der Planet ist so groß wie die Erde und doch entwickelten sich beide Himmelskörper sehr unterschiedlich. Auf der Venus gibt es Gebirge, Vulkane, Tiefebenen, Meteoritenkrater wie auf der Erde, nur die Ozeane und die Kontinentalplatten fehlen. Und: Dort sind alle Landschaftsformen jünger als sechshundert Millionen Jahre. Die Landschaft wurde komplett von Lavafluten aus riesigen Vulkanen gestaltet. Auch die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre birgt noch viele offene Fragen.

Warum wissen wir so wenig über die Venus?

Köhler: Dies liegt vor allem daran, dass der Planet von einer dichten Wolkenhülle umgeben ist, die keine Blicke mit dem Teleskop oder herkömmlichen Kameras auf die Oberfläche gestattet. Man muss schon mit Sonden hinfliegen, um der Venus ihre Geheimnisse zu entlocken.

Wie muss man sich die Bedingungen auf der Venus vorstellen?

Köhler: Heiß, extrem heiß sogar. Weil der Planet eine Atmosphäre hat, kühlt es am Boden auch nachts kaum ab. Die Venusatmosphäre besteht fast vollständig aus Kohlendioxid, sie stellt somit das perfekte Treibhaus dar, denn die energiereiche UV-Strahlung der Sonne dringt in die Venusatmosphäre und bleibt dort gefangen. Bei 480 Grad Celsius, die dort teilweise herrschen, würde sogar Blei schmelzen. Deshalb ist das Wasser längst verdampft.

Könnte es auf der Venus trotz der unwirtlichen Umgebung Leben geben?

Köhler: Nein, das ist heute eigentlich undenkbar, aber es gibt tatsächlich Überlegungen, dass dies nicht immer so gewesen sein muss. Demnach könnte es früher auf der Venus kühler gewesen sein, nicht zuletzt, weil die Sonne während der ersten Milliarden Jahre schwächer strahlte, die Wolken heller waren und mehr Strahlung ins All reflektierten und der Treibhauseffekt nicht so gravierend war.

Wasser könnte sich für die kurze Zeitspanne von einigen hundert Millionen Jahren an der Oberfläche gesammelt haben, ehe es restlos verdampfte.

Wie muss man sich die Geologie der Venus vorstellen?

Köhler: Die Oberfläche besteht wohl überwiegend aus vulkanischen Gesteinen, und die Radaraufnahmen haben schon gezeigt, dass es mehr als hundert Berge und Strukturen gibt, die sehr stark an Vulkane erinnern. Es ist gut möglich, dass der eine oder andere Vulkan noch Feuer speit. Die Wissenschaftler werden versuchen, durch die Wolken hindurch Hitzepunkte auf der Venusoberfläche oder Gaswolken ausfindig zu machen, die auf aktive Vulkane hindeuten.

Was erhofft man sich noch vom "Venus Express"?

Köhler: Drei Instrumente werden Daten zu Aspekten der Venusumgebung liefern. Man will ermitteln, in welchem Ausmaß die Venus Moleküle aus ihrer Gashülle an das Weltall abgibt. Zudem wird das Magnetfeld analysiert. Mit dem Venus Radio Science Instrument, für das die Bundeswehruniversität München die Leitung innehat, wird der Funkverkehr zwischen Venus Express und den Bodenstationen auf der Erde ausgewertet.

Wie lange wird die Auswertung dauern?

Köhler: Viele, viele Jahre über das Missionsende hinaus. Das ist auch das Tragische an der Forschung: Mit jedem Ergebnis werden neue Fragen aufgeworfen. Aber mit diesem Problem schlägt sich die Menschheit seit Tausenden von Jahren herum.

Lexikon aktuell: Planet Venus

Venus ist nach dem Merkur der zweitinnerste und sechstgrößte Planet unseres Sonnensystems. Er kommt auf seiner Umlaufbahn der Erde am nächsten und hat fast die gleiche Größe. Der Boden von Venus ist ständig dunkelrot glühend. Aufgrund sehr hoher Temperatur (bis zu 480 Grad Celsius) ist Leben dort sehr unwahrscheinlich. Da die Venus am besten am Morgen- und am Abendhimmel sichtbar ist und nie gegen Mitternacht, wird sie auch Morgen- oder Abendstern genannt.

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