Gehirn kann nichts mehr ausblenden

- Alzheimer-Kranke können bestimmte Hirnregionen nicht mehr deaktivieren. Sie verlieren damit die Fähigkeit, unbedeutende Sinneseindrücke auszublenden und sich gezielt auf einen Sinnesreiz zu konzentrieren, das hat ein Medizinerteam am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München entdeckt, als bei Testaufgaben die Gehirnaktivität der Patienten im so genannten PET, dem Positronen-Emissions-Tomographen, gemessen wurde.

"Im Gegensatz zu gesunden Menschen gelingt es Alzheimer-Patienten und auch Menschen, die kurz davor sind, eine Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln, nicht mehr, die überflüssige Hirnaktivität abzuschalten. Daher verlieren sie die Fähigkeit, sich zu konzentrieren", sagt der Nuklearmediziner Privatdozent Dr. Alexander Drzezga die Ergebnisse der Untersuchungen, die er mit Kollegen von der Psychiatrie durchführte.

Bei Alzheimer sterben nach und nach die Nervenzellen im Gehirn ab. Bislang suchte man deshalb in der Forschung nach Gehirnbereichen mit besonders geringer Aktivität. "Wir haben nun das Gegenteil untersucht, nämlich die Frage, wie weit Alzheimer-Patienten bestimmte Gehirnbereiche abschalten können", so Drzezga. Viele Denkleistungen erfordern neben der Aktivierung des Gehirns gleichzeitig eine Deaktivierung, um die Aufmerksamkeit auf ein Ziel richten zu können. Für eine visuelle Leistung etwa werden Millionen Nervenzellen im Sehzentrum des Großhirns aktiv. Was um ihn herum geredet wird, überhört der aufs Sehen konzentrierte Mensch leicht. Denn die Aktivität im Hörzentrum ist gedrosselt. Das Gehirn sorgt so dafür, dass der Mensch sich auf das für ihn gerade Wesentliche konzentrieren kann. Drzezga: "Würden alle Sinneseindrücke gleichzeitig und gleich stark die verschiedenen Hirnareale aktivieren, könnten wir nur schwer einen klaren Gedanken fassen."

Um die Balance zwischen Aktivierung und Deaktivierung zu vergleichen, wurde bei 32 Personen im PET die Gehirnaktivität gemessen, während sie eine einfache Orientierungsaufgabe am Computer lösen mussten. (Orientierungsschwierigkeiten gehören zu den frühesten Alzheimer-Anzeichen.) Die Unterschiede zwischen den Testpersonen - elf gesunden, zehn mit leichten Wahrnehmungsstörungen, die eine Vorstufe von Alzheimer sein können, aber nicht müssen, und elf Kranken - waren groß. Nur bei den Gesunden waren Zentren aktiv, in denen Wahrnehmungen interpretiert und in Zusammenhang gebracht werden. Das Hörzentrum war am wenigsten aktiv. Bei den anderen Gruppen arbeitete das Hörzentrum weiter: Je schwächer die Denkleistungen, umso geringer war die Deaktivierung. Hier zeigt sich ein Weg zur Alzheimer-Frühererkennung.

Früherkennung bei einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung:

Diese Chance eröffnen die Münchner Gehirnuntersuchungen im PET. Bei leichten Wahrnehmungsstörungen kann nun die Deaktivierungsfähigkeit des Gehirns gemessen werden.

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