TU geht bei Singapur in die Schule

- München und Singapur trennen 10 000 Kilometer - in der Lehrerausbildung dürfte die Entfernung noch größer sein. Diesen Eindruck mussten die Zuhörer an der Technischen Universität (TU) jedenfalls haben, als Lee Sing Kong, Professor am National Institute of Education, lebhaft aus seiner Heimat erzählte. Er tat das gestenreich und unterfütterte seinen Vortrag mit einer hierzulande noch ungewöhnlichen These.

"Der Schlüssel zu einer guten Schule liegt in der Lehrerausbildung", so Lee. Also nicht im Lehrplan, nicht in der Infrastruktur.

Genau deshalb lud das Zentralinstitut für Lehrerbildung und Lehrerfortbildung der TU Herrn Lee ein; deshalb richtet die Hochschule den Blick gen Südostasien. Das Kultusministerium gab ja unlängst den Startschuss für den Umbau des Lehramtsstudiums: Bis 2009 haben die Universitäten Zeit, Bachelorstudiengänge einzuführen. Anderswo machen sich Verlustängste breit. Nicht an der TU, die - notorisch vorne - schon im Herbst mit der Reform beginnt. Man denkt an der TU, ebenfalls notorisch, schon weiter: Das Staatsexamen gilt vielen als Qualitäts-Anker in schwerer See; die TU indes überlegt, auch diese Bastion so schnell wie möglich zu schleifen.

Dass das "Bachelor"-Etikett auf recht vielen Flaschen pappen kann, stellte Bettina Jorzik vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft klar. Der "Bologna-Prozess", also die Angleichung der Studiengänge auf europäischer Ebene, war ihr Thema. Ihr Fazit: Einstweilen herrscht allein in der Bundesrepublik kunterbuntes Durcheinander. Das geht schon auf der kurzen Strecke zwischen Bochum und Bielefeld los: Hier werden die Fächer gleich gewichtet, dort nicht. Bettina Jorzik plädiert fürs Ausprobieren neuer Wege - mit einer Begründung, die viel über die derzeitige Hektik an den Unis aussagt: "Was die beste Lehrerausbildung ist, wissen wir nicht."

Vieles ist also möglich, und die TU, ehrgeizig wie sie ist, orientiert sich immerhin am anspruchsvollen Modell Singapur. Herrn Lees Lächeln verriet das Bewusstsein, dass es der reiche Kleinstaat gewiss leichter hat als andere - mit nur 27 000 Lehrern insgesamt. Die durchlaufen ein System, das wirklich fordert und wirklich fördert - auf Bachelor-Grundlage.

Wer schon ein Studium abgeschlossen hat, wird in einem einjährigen Postgraduiertenkolleg zum Lehrer ausgebildet - bezahlt als Angestellter des Staates; ansonsten dauert das Studium vier Jahre, für die Grundschule zwei Jahre.

Lehrer erhalten jedes Jahr 100 Stunden Fortbildung

22 Wochen Praktikum sind Pflicht, ebenso die Mitarbeit in Gemeindeprojekten, um etwa als Krankenpfleger ein Gespür für Dienst an der Allgemeinheit zu bekommen. Die fertig ausgebildeten Lehrer erhalten jedes Jahr 100 Stunden bezahlte Fortbildung. Es bestehen drei Pfade, Karriere zu machen - davon profitieren nicht nur die Verwaltungstalente, sondern auch die Lehrer, denen das Unterrichten oder das Entwickeln von Lehrplänen besser liegt. Übrigens erhält Lees Institut Geld direkt vom Staat und arbeitet finanziell unabhängig von der Universität.

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