Geisteswissenschaften auf dem Vormarsch

- Forschung, so schien es gestern im der Akademie der Bayerischen Wissenschaften, zählt wenig im Freistaat. Immerhin ließ Wissenschafts- Minister Thomas Goppel dort rund 200 Gäste, die einer Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Forschungsverbünde (ABAYFOR) gefolgt waren, eine geschlagene Stunde auf sich warten. Die Reaktion der Forschungsverbünde erfolgte prompt und erntete Applaus: "Wir fangen ohne Minister an", beschloss Vorstands- Vorsitzender Prof. Bernd Radig nach 45 Minuten. Als der Minister eine Viertelstunde später erschien, herrschte aber wieder Einigkeit über die Wichtigkeit von Forschung: Aufgehalten hatte den Politiker nämlich die aktuelle Diskussion über die Zukunft der bayerischen Hochschulen.

<P>Dass die Verzahnung von Politik und Forschung wichtig ist, betonte auch Akademie- Vertreter Prof. Gottfried Sachs. Als Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen ABAYFOR und der Akademie nannte er das Leibniz-Rechenzentrum. Dessen Ressourcen stehen allen 16 bayerischen Forschungsverbünden bei Bedarf offen. Doch Forschung in Bayern heißt nicht nur Nano-Technologie (FORNANO) oder Prionen-Forschung (FORPRION). </P><P>Wie Staatsminister Goppel erläuterte, gewinnen die Geisteswissenschaften an Bedeutung für Wirtschaft und Politik. Vormalige "Exoten" wie die Ethnologie leisten hierzu ihren anwendungsorientierten Beitrag. Etwa, indem sie die Bedeutung grundlegender Konzepte wie "Vertrauen" klären. Wie der Münchner Prof. Klaus Roth, Sprecher des Forschungsverbunds für Ost- und Südosteuropa-Studien (FOROST), aufzeigte, wird in Osteuropa dem Staat grundsätzlich weniger vertraut. Umso höher sei dort die Bereitschaft, sich selbst zu helfen - notfalls mit unlauteren Mitteln. </P><P>Derartige Konzepte sollen nach dem Willen des Staatsministers in die Praxis und die Naturwissenschaften übertragen werden. Etwa durch das kulturwissenschaftliche Angebot der neuen Carl-von- Linde-Akademie an der Technischen Universität München. "Vielleicht werden also künftig angehende Physiker ihre Forschungen auch unter philosophischem Blickwinkel betrachten", mutmaßte Goppel. </P>

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