Geld verdienen fürs eigene Haus auf Sizilien

- Der Aufenthalt in Deutschland begann für die meisten in einem Luftschutzbunker am Münchner Hauptbahnhof: Als ab Mitte der fünfziger Jahre in großer Zahl Gastarbeiter in die Bundesrepublik kamen, war ihre erste Anlaufstelle die unterirdische Behelfsunterkunft. "Die Zahl der Arbeitsmigranten war gigantisch, teilweise waren es bis zu 3000 pro Tag", hat Martin Baumeister recherchiert. Der Professor für neueste Geschichte und Zeitgeschichte befasst sich am 14. Juli im letzten Teil der Bavaristischen Ringvorlesung in diesem Sommersemester mit italienischen Gastarbeitern im Nachkriegsbayern (19 Uhr, Audimax der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1).

<P></P><P>Der umgebaute Bunker bot Platz für fast 1000 Menschen, die sich bis zu ihrer Weiterreise dort aufhielten. Im Bunker untergebracht, blieben die Gastarbeiter der Öffentlichkeit verborgen - was durchaus erwünscht war, wie der Historiker weiß: "Viele sahen nach der Ankunft recht abgerissen aus. Das hätte Erinnerungen an die Zwangsarbeiter der Hitler-Zeit geweckt." Von München aus wurden die Fahrten der aus Süd- und Südosteuropa Eingereisten an ihre Ziele organisiert. "Viele Arbeitskräfte wurden in den Autostädten wie Wolfsburg gebraucht", berichtet Baumeister. Doch auch in der Landeshauptstadt selbst fanden viele Arbeit, anfangs vor allem in der Bau-Branche. So entstanden U-Bahn-Schächte oder das Olympia-Zentrum mit der Hilfe von Gastarbeitern.</P><P>Vor allem die italienischen Gastarbeiter waren offenbar auf eine schnelle Rückwanderung aus. Dies wird laut Baumeister unter anderem dadurch belegt, dass viel weniger italienische als etwa portugiesische Frauen nach Deutschland nachzogen. "Viele wollten Geld verdienen, um ihr Häuschen auf Sizilien bauen zu können, und dann zurückgehen." </P><P>Vor dem letzten Vortrag des Sommersemesters zeigt sich Historikerin Katharina Weigand, die die Ringvorlesung organisiert hat, erfreut über die große Resonanz: "Das Audimax war manchmal so voll, dass Zuhörer auf der Treppe sitzen mussten." Auch die Darbietung der einzelnen Themen habe den Geschmack der Besucher getroffen, wie sie betont: "Das Publikum kennt uns schon eher als Zertrümmerer von Mythen denn als deren Bewahrer. Kritik an den Vorträgen gab es kaum." </P><P>Im Wintersemester folgt der zweite Teil von "Bayern - mitten in Europa". Auftakt ist am 20. Oktober mit "Bayern und die Langobarden". Parallel beginnt das Bayerische Fernsehen am 7. Oktober um 18 Uhr auf BR-alpha mit der Ausstrahlung der Vorlesungen aus dem Sommersemester. Im Herbst 2005 erscheint die Vorlesung dann als Buch im Beck-Verlag. </P>

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