Bei Gelenk- und Muskelschmerzen gleich zum Facharzt

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<P>Leser (44) aus München: Unser siebenjähriger Sohn hat seit zwei Jahren Gelenkrheuma. Er leidet seit einem Jahr auch an einer Entzündung der Regenbogenhaut in beiden Augen. Wenn wir die Cortison-Augentropfen absetzen, findet der Augenarzt bei der nächsten Untersuchung gleich wieder Entzündungszellen im Auge. Können Sie ein alternatives Medikament empfehlen? Was halten Sie ergänzend von Kompressen mit Kräutern wie Augentrost? <BR><BR>Michels: Kräuterkompressen bringen leider wenig. Auf die Cortison-Augentropfen kann man nicht verzichten, solange der Augenarzt in der vorderen Augenkammer Entzündungszellen findet. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt, ob nicht zusätzlich immunsuppressive Medikamente in Frage kommen. Diese können gerade bei Rheumakindern eine Regenbogenhautentzündung zur Ruhe bringen. Bei der Einstellung auf ein solches Medikament arbeitet der Kinder- und Jugendrheumatologe mit dem Augenarzt zusammen. <BR><BR>Leserin (64) aus Arnbach: Ich habe seit 25 Jahren Fibromyalgie. Trotz Medikamenten habe ich oft Schmerzen, verspannte Muskeln und bin schnell erschöpft. Woher kommen die Schmerzen und kann man sie eindämmen?<BR><BR>Schattenkirchner: Bei Fibromyalgie ist die Schmerzschwelle herabgesetzt. Das heißt, Ihnen bereiten Berührungen oder Bewegungen Schmerzen, die andere Leute gar nicht bemerken. Das beste Mittel zum Anheben der Schmerzschwelle ist eine Steigerung der körperlichen Fitness. An ihr sollten Sie kontinuierlich mit gezielten Übungen und leichtem Sport arbeiten. Die Medikamente würde ich auf leichte Beruhigungsmittel für einen erholsamen Schlaf beschränken.<BR><BR>Leserin (65) aus Fürstenfeldbruck: Ich habe starke Polyarthrose in allen Fingergelenken. Ein Handchirurg hat mir zu künstlichen Gelenken geraten. Ich schrecke aber eher vor einer Operation zurück. <BR><BR>Jansson: Vor allem an den Grundgelenken der Finger sind künstliche Gelenke sehr gut einsetzbar. Man sollte von Gelenk zu Gelenk überlegen, ob eine Operation wirklich notwendig ist und dann entscheiden, ob ein Kunstgelenk oder eine Versteifung vorteilhafter ist. Gegenüber einer operativen Versteifung hat ein künstliches Gelenk den klaren Vorteil, dass die Bewegungsfähigkeit in einem gewissen Maße erhalten bleibt. <BR><BR>Leserin (63) aus Worms: Ich habe seit anderthalb Jahren entzündliches Gelenkrheuma. Zur Zeit nehme ich ein Cortisonpräparat. Vom Methotrexat sind mir viele Haare ausgegangen. Gibt es andere Mittel oder reicht das Cortison?<BR><BR>Schattenkirchner: Die medikamentöse Therapie bei chronischem Gelenkrheuma verläuft zweigeteilt: Das Basismittel, das Gelenkschäden verhindert, ist Methotrexat (MTX). Nur bei akuten Entzündungsschüben verabreicht man Cortison und setzt es langsam wieder ab. Sie sollten unbedingt ein Basispräparat einnehmen. Die Nebenwirkungen von MTX können im Laufe der Zeit abklingen. Wenn es gar nicht geht, können Sie unter Aufsicht Ihres Rheumatologen auch die Basispräparate Sulfasalazin oder Leflunomid ausprobieren. <BR><BR>Leser (60) aus München: Mich plagt Rheuma mit starken Hüft- und Knieschmerzen. Nun habe ich gehört, dass man "rheumatologisch vorbeugend" ein Kunstgelenk einsetzen kann. Was bedeutet das genau und welche Erfahrungen damit gibt es? <BR><BR>Jansson: Vorbeugend sollte man keine Kunstgelenke implantieren. Man muss immer versuchen, das natürliche Gelenk solange es geht zu erhalten. Außer einer guten medikamentösen Therapie sind zunächst gelenkerhaltene Operationen sinnvoll, wie z.B. die Entfernung der entzündeten Gelenksinnenhaut. Solche Maßnahmen sollten frühzeitig erfolgen. Ist das Knie- oder Hüftgelenk erst einmal zerstört, hilft dann tatsächlich nur noch der Kunstgelenkersatz. <BR><BR>Leserin (39) aus Kulmbach: Unsere 13-jährige Tochter ist seit Monaten müde und abgeschlagen. Sie kommt kaum noch die Treppe hoch und hat dann Schmerzen in den Oberschenkeln. Manchmal wird ihr Gesicht rötlich und sie hat Gelenkschmerzen. Der Hausarzt meint, es könnte eine Art von Rheuma sein und will uns in eine Klinik schicken, da auch die Blutsenkung erhöht ist. <BR><BR>Michels: Nach Ihrer Schilderung muss man an eine Kollagenose, sogenanntes Bindegewebsrheuma, denken. Es kann auch die Muskulatur und innere Organe erfassen. Wichtig ist, dass die Diagnose schnell gefunden und die notwendige Therapie rasch eingeleitet wird. Daher sollten Sie dem Rat Ihres Hausarztes vertrauen und sich an eine Spezialklinik für Kinderrheuma wenden.<BR><BR>Leserin (41) aus München: Ich habe ein Hals-Wirbelsäulen-Syndrom. Zusätzlich zu den Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule wölbt sich auch eine Bandscheibe vor. Was kann ich tun, um eine Operation zu verhindern?<BR><BR>Schattenkirchner: Bandscheibenschäden werden erst operiert, wenn Nervenschäden eingetreten sind oder drohen und wenn konventionelle Therapien nicht mehr greifen. Die Entscheidung zur Operation sollte ein auf Wirbelsäuleneingriffe spezialisierter treffen. Ihnen kann jedoch die physikalische Therapie mit Krankengymnastik und Wärmeanwendungen helfen. Nur bei starken Schmerzen sollten Sie ein Rheumamittel, und zwar ohne Cortison nehmen.<BR><BR>Leserin (29) aus Ebersberg: Seit einigen Wochen klagt unsere fünf Jahre alte Tochter nachts über Schmerzen in den Beinen. Ich habe auch den Eindruck, dass die Gelenke etwas dicker sind. Sollte sich das wirklich als Rheuma herausstellen, wird unser Kind dann ein Leben lang Probleme haben?<BR><BR>Michels: Bei Beinschmerzen, zumal nachts, kann es sich um die relativ häufigen, aber harmlosen Wachstumsschmerzen handeln, es kann aber auch ein orthopädisches oder ein kinderrheumatologisches Problem vorliegen. Sobald die Diagnose feststeht, kann eine Prognose gemacht werden. Stellen Sie Ihre Tochter am besten Ihrem Kinderarzt vor, der je nach Befund weitere Spezialisten hinzuziehen wird.<BR><BR>Leserin (37) aus Hochstätt: Vor drei Monaten habe ich entbunden, und einen Monat danach begann meine Gelenkbeschwerden, besonders an den Fingergelenken, den Fersen und den Knien. Morgens ist es besonders schlimm, nach etwa 15 Minuten wird es besser. Sind das erste Anzeichen von Rheuma?<BR><BR>Schattenkirchner: Mit Geburt und Stillzeit kann es durch ungewohnte Handgriffe zu Belastungsbeschwerden an Gelenken und Sehnenscheiden kommen. Es kann nach der Geburt aber auch plötzlich zu rheumatoider Arthritis kommen. Ein internistischer Rheumatologe sollte Sie einmal gründlich untersuchen, besonders Ihre Blutwerte.<BR><BR>Leserin (40) aus Altomünster: Mein linkes Handgelenk wurde in einer Operation schon zum Teil versteift. Ich würde die verbliebene Bewegungsfähigkeit gerne auf Dauer erhalten. Würden Sie mir zu einem künstlichen Gelenk raten? <BR><BR>Jansson: Mit 40 Jahren sind Sie noch recht jung für ein Kunstgelenk, da die Prothesen im Schnitt nur 10 bis 15 Jahre halten. Unter Umständen hat man mit einem teil-versteiften Gelenk auf Dauer weniger Beschwerden und Schmerzen als mit einem Gelenkersatz. Anhand der Röntgenbilder sollten Sie zusammen mit einem Orthopäde entscheiden, was bei Ihnen sinnvoller ist. Möglich wäre auch, ein Kunstgelenk einzusetzen und das Handgelenk später doch noch zu versteifen, falls Sie erneut Probleme durch Auslockerung des Implantates hätten.<BR><BR>Leser (33) aus Oberschweinbach: Immer wieder habe ich Fieberschübe mit ungeklärter Ursache und leide unter ständigen Gelenkschmerzen. Ich war schon bei verschiedenen Ärzten, auch beim Rheumatologen. Keiner konnte mir helfen.<BR><BR>Schattenkirchner: Ungeklärtes Fieber kann viele Ursachen haben, wie Infektionen, Erkrankungen des Immunsystems, genetische Faktoren oder Rheuma. Sie sollten alle bisherigen Untersuchungsergebnisse mit einen Facharzt besprechen. Sicher fehlen auch noch Befunde, die abzuklären wären, um die Ursache für Ihre Beschwerden zu ermitteln.<BR><BR>Leserin (43) aus Neu-Ulm: Meine 16-jährige Tochter hat seit etwa einem Jahr in allen Gelenken Schmerzen, weshalb sie oft nicht in die Schule gehen kann. Der Hausarzt hat bei seinen Untersuchungen nichts gefunden. Trotzdem bekommt sie Schmerz- und Rheumamittel, Krankengymnastik, Massagen und Lymphdrainagen. Nichts hat bisher geholfen. <BR><BR>Michels: Nach dem, was Sie schildern, würde ich vor allem an ein Schmerzverstärkungssyndrom denken, eine besondere Form von nichtentzündlichem Rheuma bei Kindern und Jugendlichen. Sollte sich das bestätigen, empfehle ich die Behandlung mit Hilfe eines speziellen Programms für junge Schmerzpatienten.<BR><BR>Leserin aus Neufahrn: Mein 64-jähriger Mann hat einen hohen Rheumafaktor, der in der letzten Zeit fast auf 1000 gestiegen ist. Beschwerden hat er nicht, ich mache mir aber Sorgen, ob er nicht doch rheumakrank ist. Die Blutsenkung ist normal. <BR><BR>Jansson: Ein hoher Rheumafaktor kann zwar ein Hinweis auf die Krankheit sein, bedeutet aber nicht grundsätzlich, dass man Rheuma hat. Umgekehrt gibt es auch Rheuma-Patienten, bei denen der Faktor nicht erhöht ist. Solange Ihr Mann keine Beschwerden hat wie etwa geschwollene Knie oder steife Gelenke am Morgen, müssen Sie sich keine großen Sorgen machen. Auch die normale Blutsenkung spricht im allgemeinen gegen eine rheumatische Erkrankung.<BR><BR>Leserin (82) aus Biberach: Seit einer Zahnimplantation vor einem halben Jahr leide ich an Weichteilrheuma, wie der Arzt mir erklärt hat. Ich bekomme Cortison, habe aber trotzdem Schmerzen in den Oberarmen, im Nacken und im Kiefergelenk. Die sind besonders morgens sehr stark. Außerdem schwitze ich nachts viel. Was kann ich tun, da ich vorher nie krank war?<BR><BR>Schattenkirchner: Es kann durchaus sein, dass ein Eingriff wie eine Zahnimplantation Formen von Rheuma auslösen kann. Ihre Symptome lassen sogar auf eine bestimmte Muskelform von Rheuma schließen, die Polymyalgia rheumatica genannt wird. Cortison ist hier das Mittel der Wahl. Sie sollten sich aber an einen Rheumatologen wenden, der Sie betreut, Ihre Therapie überwacht und diese, wenn nötig, auch ändert.<BR><BR>Leserin (46) aus Dachau: Seit 20 Jahren habe ich Schmerzen an den Fingerendgelenken und kann sie oft nur schwer bewegen. Ich war schon bei mehreren Orthopäden, die aber nur eine Arthrose diagnostiziert und mir Mittel gegen die Schmerzen verschrieben haben. Gibt es keine Hilfe gegen das Leiden an sich?<BR><BR>Jansson:  Die Diagnose Arthrose ist wohl richtig. Denn davon werden typischerweise die Endgelenke der Finger betroffen, während Gelenkrheuma eher die Grund- und Mittelgelenke befällt. Knorpel neu zu bilden, ist allerdings an den Fingergelenken technisch nicht möglich, und auch mit Medikamenten kann man der Krankheit kaum Einhalt gebieten. Denkbar wäre allenfalls, mit einer kleinen Operation schwer geschädigte Fingerendgelenke in Funktionsstellung zu versteifen. Die Beweglichkeit ist dann zwar weg, dafür haben Sie wieder einen sicheren und schmerzfreien Griff.<BR><BR>Leserin (52) aus Königsdorf: Vor drei Jahren wurde bei mir Bechterew diagnostiziert. Beschwerden, besonders im Brustwirbelbereich, habe ich aber schon, seitdem ich zwanzig bin. Der HLA-B27-Wert (Oberflächenstruktur auf weißen Blutkörperchen) ist positiv, allerdings habe ich keine röntgenologischen Veränderungen am Kreuz-Darmbein-Gelenk. Ist es wirklich Bechterew?<BR><BR>Schattenkirchner: Der HLA-B27-Wert ist alleine kein Beweis für Morbus Bechterew. Bei dieser Krankheit liegt immer ein entzündlicher Prozess im Kreuz-Darmbein-Gelenk vor. Akute entzündliche Prozesse stellen sich oft nur im Kernspin-Tomographen dar. Sie sollten also erneut einen Rheumatologen aufsuchen und die Diagnose überprüfen lassen.<BR><BR>Leser (46) aus Ismaning: Von Kindheit an habe ich seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule. Seit drei Jahren leide ich an Schmerzen im Lendenwirbel-Bereich und Schmerzausstrahlung in das linke Bein. Im Kernspintomogramm war kein Bandscheibenschaden zu sehen. Jetzt hat mein Arzt festgestellt, dass in meinem Blut der Wert für das Humane Leukozyten-Antigen B 27 (HLA-B27) positiv ist. Dies weise auf Morbus Bechterew hin.<BR><BR>Jansson: Das kann ein Hinweis sein. Doch bedeutet ein positiver HLA B27-Wert nicht zwingend, dass Sie neben der Skoliose der Wirbelsäule auch einen Morbus Bechterew haben. Die Krankheit hätte sich bei der Kernspin-Tomografie zeigen müssen. Ihre Beschwerden sprechen eher gegen eine rheumatische Erkrankung. Die Schmerzen sprechen mehr für die Irritation einer Nervenwurzel. Die kann Folge einer Skoliose sein. <BR><BR>Leserin (68) aus Hausham: 1989 wurde bei mir chronische Polyarthritis diagnostiziert. Sie wurde zunächst mit Cortison und Methotrexat behandelt. Jetzt nehme ich nur noch meine wöchentliche MTX-Dosis ein. Ich habe aber längst keine Beschwerden mehr. Kann ich das Mittel absetzen?<BR><BR>Schattenkirchner: Chronische Polyarthritis ist eine dauerhafte Erkrankung. Sie sollten das MTX weiterhin in niedriger Dosierung nehmen. Alle zwei bis drei Monate müssen Ihre Blutwerte kontrolliert werden, um Nebenwirkungen auszuschließen. Ein Absetzen kann die ruhende Krankheit wieder aktivieren und zu erneuten Beschwerden führen.<BR><BR>Leserin (80) aus München: Seit drei Jahren habe ich eine Polymyalgia rheumatica. Ich nehme 30 Milligramm Cortison und Ibuprofen. Trotzdem habe ich starke Schmerzen, besonders im Rücken und kann kaum mehr laufen. <BR><BR>Jansson: Eigentlich ist Ihre Cortison-Dosis schon recht hoch. Grundsätzlich sollte man Cortison möglichst niedrig dosieren, um das Risiko von Nebenwirkungen gering zu halten. Bei Ihren starken Schmerzen allerdings müssen Sie die Dosis in Absprache mit Ihrem Arzt eventuell sogar kurzfristig noch erhöhen. Die Schmerzen müssen nicht zwangsläufig nur von der Polymyalgie kommen. Vielleicht haben Sie außerdem eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule oder Veränderungen durch Osteoporose. </P><P><BR> </P>

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