Gen-Revolver gegen Aids

- Dr. Mohammed Kitambi setzt ein Gerät, groß wie ein Revolver, an den Oberarm des Patienten und drückt ab. Der Tansanier spürt von dem Schuss aus der "Gene gun" nur ein leichtes Kitzeln. Doch der Impfstoff, den LMU-Forscher gerade testen, könnte einer Menschheitsseuche den Stachel nehmen: Mediziner hoffen, dass es die Menschen gegen das HI-Virus wappnet. Jeder zehnte Tansanier trägt das Immunschwäche- Virus in sich. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge lebten 2003 in Tansania 1,6 Millionen Menschen mit dem Aids-Erreger.

Privatdozent Dr. Michael Hoelscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der LMU leitet den Test des neuen Impfstoffs gegen HIV an 60 tansanischen Probanden. "Das Neue an diesem Impfstoff ist, dass er sich nicht nur gegen den in USA und Europa verbreiteten HIV-Subtyp B richtet, sondern auch gegen die in Entwicklungsländern vorherrschenden Subtypen A und C", erklärt der Mediziner. Ein Drittel der Teilnehmer erhält allerdings nur ein Placebo, eine wirkungslose Kochsalzlösung.

Mitte September hat die Impfaktion in dem von der LMU unterstützten Forschungszentrum in Mbeya im Südwesten von Tansania begonnen. Nicht nur dort, sondern auch in neun anderen Ländern Afrikas, Südamerikas und Nordamerikas wird die Impfung an insgesamt 1000 Menschen getestet. "Das Interessante an Tansania ist, dass es hier alle vom Impfstoff abgedeckten Subtypen gibt", sagt Hoelscher.

Der Impfstoff enthält Gene des HI-Virus. Pro Woche werden nur zwölf Tansanier geimpft. "Natürlich ist unsere Studie ein politisch heißes Eisen", begründet der Arzt das behutsame Vorgehen. Denn medizinische Versuche Deutscher an Afrikanern wecken düstere Erinnerungen. Deswegen läuft die Erprobung des Impfstoffs zusammen mit dem tansanischen Gesundheitsministerium. Die Freiwilligen werden medizinisch betreut und intensiv darüber aufgeklärt, wie sie eine HIV-Infektion vermeiden können. So müssen sich die Probanden während der kommenden eineinhalb Jahre etwa 15-mal im Forschungszentrum untersuchen lassen. Teilnehmende Frauen, die in Tansania zwei Drittel ausmachen, dürfen ein Jahr lang keine Kinder bekommen.

Für die einjährige Studie erhalten die Probanden insgesamt umgerechnet 75 Euro. Zum Vergleich: Das Monatseinkommen einer Krankenschwester liegt laut Hoelscher in Tansania zwischen 100 und 150 Euro.

Einen Sieg gegen die Menschheitsseuche HIV erwarten die Forscher indes nicht. Hoelscher betont: "Es ist fraglich, ob der Impfstoff einen zuverlässigen Schutz vor HIV verleihen kann." Man erhoffe sich aber wenigstens, dass das Immunsystem besser auf eine Infektion vorbereitet sei und so eine spätere Infektion milder verlaufe. Zweck der Studie ist nicht nur ein Test auf Verträglichkeit und die Reaktion der Immunabwehr, sondern auch, ob so viele Subtypen in einem Impfstoff überhaupt sinnvoll sind. Derzeit gebe es noch eine weitere Impf-Studie für HIV in fortgeschrittenem Stadium, viele andere seien gescheitert, so Hoelscher.

Erste Probanden haben die Impfung gut vertragen

Die Tansanier sind indes nicht die Ersten, an denen der Impfstoff getestet wird. Zuvor gab es schon einen Probelauf an mehr als 100 Amerikanern. "Die Probanden dort haben die Impfung gut vertragen und Antikörper und Immunzellen gebildet", berichtet der leitende Professor, Thomas Löscher vom Klinikum der Universität München. Ähnliches erwarten die Münchner Forscher auch in Tansania. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich von den insgesamt 1000 Testpersonen etwa zehn in den nächsten eineinhalb Jahren trotz Aufklärung mit HIV infizieren. Dann würde der Impfstoff gleich auf seine Wirksamkeit getestet.

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