Genmais im Großversuch

- Magdeburg - Beste Böden, lange Tradition und moderne Biotechnologie: Sachsen-Anhalt bietet alles, um Neuland in der Landwirtschaft zu beackern. Das von der Wirtschaftsentwicklung nicht verwöhnte Land will in Deutschland Vorreiter in der grünen Biotechnologie sein und macht sich für den Einsatz genveränderter Pflanzen im großen Stil stark. Mit der Aussaat von transgenem Mais soll im kommenden Jahr der Anfang gemacht werden.

<P>Aus Berlin kommt allerdings Gegenwind: Nach Ansicht des Bundesagrarministeriums sind die Pläne bisher ohne Rechtsgrundlage. Das Bundesgesetz, das die Koexistenz gentechnisch veränderter und herkömmlicher Landwirtschaft regeln soll, werde nicht vor Mitte 2004 in Kraft treten. Sachsen-Anhalts Agrarministerin Petra Wernicke (CDU) dürfte das zu lange dauern. Sie will deshalb die Bundesregierung zur überfälligen Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht drängen, vor allem was die Haftung anbelangt. Und das bevor der Anbau beginnt.</P><P>Auch im Land selbst hat die Ankündigung von Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP), beim Mais-Projekt "nicht im Hinterhof wurschteln zu wollen", für kontroverse Debatten gesorgt. Der Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung der Biotechnologie (DIB/Frankfurt-Main), Ricardo Gent sagt: "Wir brauchen in Deutschland dringend praktische Erfahrungen zur Koexistenz von genetisch veränderten und konventionellen Pflanzen im Feld und in der Verarbeitungskette." Der Mais müsste in der Erprobungsphase auf einer Fläche von 500 bis 1000 Hektar angebaut werden, um zu umfassenden Erkenntnissen zu gelangen.</P><P>Der genveränderte Mais ist gegen den Maiszünsler resistent. Diesem Schädling, der bis zu 50 Prozent der Ernte vernichten kann, ist mit anderen Methoden schwer beizukommen. Länder wie die USA, Kanada, China und Südafrika setzen deshalb seit Jahren im großen Stil auf Gentechnologie. "Weltweit wird bereits auf 250 Millionen Hektar genverändertes Saatgut ausgebracht", argumentiert Rehberger. Auf 43 Millionen Hektar werde in der Welt genveränderter Mais angebaut. "Das ist das 20fache der Fläche Sachsen-Anhalts".</P><P>Im Jahr 2002 gab es in Sachsen-Anhalt 30 Freilandversuche mit genveränderten Pflanzen. Nach Angaben von Jens Katzek, Chef der BIO Mitteldeutschland GmbH Halle, wuchs Mais dabei auf wenigen Hektar. "Mit dem Anbau von genverändertem Mais wollen wir Sachsen-Anhalter einen Startschuss für Deutschland geben und den Stein ins Rollen bringen", sagt der Wissenschaftler. Das Land habe hervorragende Potenziale in der Biotechnologie. So gibt es in der Branceh mehr als 30 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 2000 Mitarbeitern.</P><P>Die Gegner des transgenen Saatgutes sehen Gefahren für Umwelt und Menschen. Nach Einschätzung der Greenpeace-Umweltschützer könnten sich gentechnisch veränderte Pflanzen unkontrolliert auf herkömmlich oder ökologisch bewirtschaftete Nachbarfelder ausbreiten. Außerdem könnten Lebensmittel neue Eiweißverbindungen enthalten, die Allergien auslösen.</P><P>Die Proteste hatten bei einem anderen Gen-Projekt in Sachsen- Anhalt Erfolg. So wurde auf Drängen von Bürgerinitiativen im Oktober ein Freiland-Test mit genveränderten Apfelbäumen an der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen mit Sitz in Quedlinburg von der Bundesregierung gestoppt.</P>

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