Vom Genom zum Wassernobelpreis

- Die spektakulärste wissenschaftliche Leistung des Jahres 2003 - des 50. Jahres nach der Entdeckung, dass die menschliche DNA eine Doppelhelix bildet - war die Entschlüsselung unseres Genoms. Doch die Hoffnungen auf Krankheitsbeseitigung, die an die Entschlüsselung geknüpft sind, hängen noch von vielen weiteren Schritten ab. Entschlüsselt werden müssen vor allem die Funktionn der Proteine, die die Gene steuern.

<P>Auch die Stammzellenforschung erlebte 2003 einen Boom. In Deutschland befasste sich der Bundestag mit der Frage, ob embryonale Stammzellen zur Forschung eingeführt werden dürfen und befand mehrheitlich: nur, wenn es die bereits etablierten Zelllinien sind. Das letzte Wort sprach (vorerst) die Justizministerin: Sie möchte das Gesetz gelockert wissen, damit auch neue Stammzellen Forschungschancen haben. Unumstritten ist dagegen die Arbeit mit "adulten" (nur noch begrenzt entwicklungsfähigen) Stammzellen.</P><P>Unter den Nobelpreisträgern dieses Jahres war kein Deutscher. Die Amerikaner Peter Agre und Roderick MacKinnon erhielten für ihre Arbeiten zum Stoffaustausch über Zellwände in Stockholm den Nobelpreis für Chemie. Sie erforschten den Weg von Wasser und Salzen (Ionen) in die Zellen des Körpers. Agre fand Wasserkanäle in den Zellmembranen, MacKinnon den Weg durch Ionenkanäle.</P><P>Den Nobelpreis für Physik teilten sich der Russe Vitali Ginsburg, der russisch-amerikanische Forscher Alexej Abrikosow und der britisch-amerikanische Physiker Anthony Leggett. Sie wurden für bahnbrechende Arbeiten zur Supraleitung ausgezeichnet. In supraleitenden Metallen fließt Strom ohne elektrischen Widerstand nahezu verlustfrei. Entsprechende Systeme werden etwa in Magnetkameras für medizinische Untersuchungen oder in Teilchenbeschleunigern verwendet. In einem ringförmigen Supraleiter kann Strom monatelang fließen, ohne an Stärke zu verlieren, während bei herkömmlichen Kupferkabeln viel Energie wegen des elektrischen Widerstandes verloren geht. </P><P>Den Medizin-Nobelpreis bekamen der Amerikaner Paul C. Lauterbur und der Brite Peter Mansfield für ihre Pionierarbeit in den 70er Jahren mit der Magnetresonanztomographie (oder Kernspintomographie). Heute profitieren Millionen Menschen von der strahlenfreien Abbildung innerer Organe und Körperstrukturen mit Hilfe großer Magnetfelder und Radiowellen, die die Wasserstoffatome im Körper zur Aussendung von Signalen bewegen. Daraus errechnet der Computer Schichtbilder aus dem Körperinnern.</P><P>Den "Stockholm Water Prize", den "Wasser-Nobelpreis", erhielt Peter A. Wilderer, Ordinarius für Wassergüte- und Abfallwirtschaft an der Technischen Universität München. Seine Arbeiten waren entscheidend für den weltweiten Aufbau von Kläranlagen zur Reinigung von Abwässern und die Wiedereinspeisung in den Wasserkreislauf. </P><P>Das ägyptische Agrar-Unternehmen SEKEM und sein Gründer Ibrahim Abouleish bekamen den den Alternativen Nobelpreis: für den Aufbau biodynamischer Anbaumethoden in Ägypten.</P><P>Ein Pionier der deutschen Herzverpflanzung, Werner Klinner, wurde am 28. November 80. Der gebürtige Breslauer wagte 1969 zusammen mit Fritz Sebening in München die zwei ersten Herzverpflanzungen Deutschlands. Er war Mitinitiator des Deutschen Herzzentrums München, das Sebening als Chirurg übernahmen. Klinner übernahm 1971 an der Ludwig-Maximilians-Universität den ersten Herzchirurgie-Lehrstuhl in Bayern. 1981, nunmehr im Klinikum Großhadern, begann er, gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Bruno Reichart, wieder mit Herzverpflanzungen. </P><P> </P>

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