Gentest enthüllt Parkinsonrisiko

US-Forscher: - Rochester - Das Zusammenspiel verschiedener Genmutationen erhöht das Parkinsonrisiko auf das 90-fache. Das haben US-Forscher mit Hilfe einer neuen, aufwendigen Erbgutanalyse festgestellt.

Die Methode erlaube eine viel genauere Bestimmung des individuellen Parkinsonrisikos als bisher, berichten die Mediziner der Mayo-Klinik in Rochester (US-Staat Minnesota) im Fachjournal "PLoS Genetics" (online veröffentlicht). Zudem lasse sich auf diesem Weg sogar in etwa voraussagen, in welchem Alter die Nervenkrankheit ausbrechen wird.

Die Ärzte um Demetrius M. Maraganore fragten sich, warum manche Menschen die Schüttellähmung bekommen und andere nicht. Dazu sammelten sie Hunderttausende Mutationen einzelner Erbgutbausteine bei 443 Parkinsonpatienten und deren gesunden Geschwistern. Bislang seien nur einige seltene Parkinson-Gene bekannt gewesen, die in isolierten Familien zu der Schüttellähmung führen, sowie einzelne Genvarianten, die das Parkinsonrisiko schwach und nicht bei allen Menschen gleichermaßen beeinflussen, erläutern die Forscher. Die Analyse ganzer Gruppen von Mutationen erlaube jedoch, klare Risikoklassen aufzustellen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die Parkinsonmechanismen, was auch zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen könnte.

Maraganore und seine Kollegen analysierten zahlreiche Kombinationen einzelner Genmutationen in demjenigen Erbgutbereich, der für die Verdrahtung der Nervenzellen im Gehirn zuständig ist. "Bei der Untersuchung einer großen Gruppe verwandter Gene sind wir auf Muster gestoßen, die Menschen bis zu 90 Mal anfälliger für Parkinson machen als den Durchschnittsbürger", erläuterte Co-Autor Timothy Lesnick. Zudem lasse sich der Ausbruch der Nervenkrankheit relativ genau vorhersagen: So hätten von den Patienten der höchsten Risikogruppe mit 60 Jahren bereits 91 Prozent Parkinsonsymptome gehabt, mit 70 Jahren schließlich jeder dieser Gruppe.

Die Analyse des Zusammenspiels zahlreicher Mutationen "repräsentiert einen deutlichen Paradigmenwechsel von der Untersuchung einzelner Gene zur Analyse ganzer genetischer Pfade bei komplexen Krankheiten", urteilte Maraganore. Derselbe Ansatz könne auch bei anderen Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Krebs zu neuen Einsichten führen, meinen die Forscher.

Die Parkinson-Krankheit ist ein Nervenleiden, bei dem Hirnzellen zu Grunde gehen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Zu den Hauptsymptomen der Schüttellähmung gehören das Zittern und Erstarren von Gliedern sowie eine typische Verlangsamung der Bewegungen. Die Krankheit lässt sich mit Medikamenten verlangsamen, aber nicht aufhalten oder heilen. Die Zahl der Patienten in Deutschland wird auf 200 000 bis 250 000 geschätzt.

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