Gen-Trick gegen Hühnerpest

- Die Vogelgrippe, die in Südostasien wütet, hätte sich vermutlich sehr bald erschöpft, wenn es nicht die Massentierhaltung gäbe, in der nur aufs Geschäft, aber nicht auf ein gesundes Tierleben geachtet wird. So lange es Massenhaltung auf engstem Raum gibt, wird es auch immer wieder Tierepidemien geben, warnen Experten. Dass auch Menschen an Tierseuchen erkranken können, ist beim Kontakt mit dem (in die Luft gewirbelten) Kot ganzer Batterien erkrankter Vögel kaum zu verhindern. Bei der Vogelgrippe oder Hühnerpest macht jedoch die enge Verwandtschaft des Krankheitserregers mit menschlichen Influenzaviren den Virologen Sorgen.

<P>Falls dass Viren der Geflügelgrippe und der menschlichen Influenza sich im gleichen Organismus treffen und bei dieser Begegnung ihre Gene austauschen, dann könnte aus dieser "Virenhochzeit" der hochgefährliche neue Erreger entstehen, der mit jedem Lufthauch von Mensch zu Mensch weitergetragen wird. <BR><BR> Deshalb wird im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO in mehreren Hochsicherheitslabors von Impfstoffherstellern an einem Impfstoff gearbeitet, in dem Anteile des grassierenden Vogelgrippe-Virustyps "Influenza A H5N1" enthalten sind.<BR><BR>Nur ein Pharmakonzern hat aber der WHO bisher versichert, dass er in zwei Monaten in die Massenproduktion gehen könnte. Das Problem allgemein: Der Influenza-Impfstoff für Menschen wird seit Jahrzehnten in angebrüteten Hühnereiern gezüchtet. <BR><BR>Das geht mit dem Vogelgrippevirus nicht, wie sich 1997 gezeigt hatte, als die Vogelgrippe in Hongkong wütete. Der Erreger tötet die sich entwickelnden Hühnerembryos im angebrüteten Ei ab. Er muss daher in Säugetierzellen produziert werden - mit gentechnischen Tricks. In mehreren Labors werden nach WHO-Abgaben derzeit H5N1-Gene mit Genen bereits erfolgreicher Impfstämme gemischt. Jene Genabschnitte, die Hühnern den Garaus machen, werden entfernt. Der gentechnisch derart veränderte Influenza-Impfstamm wird dann in Bioreaktoren mit Säugetierzellkulturen zur Reife gebracht. Schon sehr bald werde der Prototyp eines für Hühnereier ungefährlichen H5N1-Impfvirus für eine Massenzüchtung zur Verfügung stehen, glaubt man beim Paul-Ehrlich-Institut (Langen). Kommt es zur Epidemie unter Menschen, wäre jedoch keine Zeit mehr für die übliche Zulassungsprozedur für Impfstoffe.<BR><BR> Noch ist der Impfstoff-Ernstfall aber da, wie WHO, Tropenmedizinische Institute und das Robert Koch-Institut (Berlin) feststellen. Antivirale Medikamente sollte man aber vorsichtshalber dabei haben. Der aktuelle Impfstoff gegen Influenza wirkt leider nicht gegen die Vogelgrippe. Vor einer Reise nach Südostasien wird dennoch eine Impfung empfohlen: Damit das Immunsystem gegen menschliche Grippeviren besser geschützt ist und nicht etwa zum Herd einer "Virenhochzeit" werden kann.</P><P>Außer bei Kontakt mit lebendem Geflügel und Wasservögeln sieht die WHO in Südostasien noch keine große Ansteckungsgefahr. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wird bei der Pflege Kranker nicht ganz ausgeschlossen. Der Verzehr von gegartem Vogelfleisch und gekochten Eiern gilt als unbedenklich. Verboten ist die Einfuhr von Geflügelfleisch jeder Art aus Asien.<BR></P>

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