Geringer Gen-Austausch

- Neandertaler und der frühe moderne Mensch scheinen nicht viel füreinander übrig gehabt zu haben. Das hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig bei der Analyse fossiler Überreste von Neandertalern und frühen modernen Menschen jetzt herausgefunden. Die Neandertaler haben keinen großen Beitrag zur genetischen Ausstattung des modernen Menschen geleistet, sind sich die Leipziger Molekularanthropologen sicher. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift PLoS Biology (März 2004).

<P>Möglich wurden die neuen Erkenntnisse durch moderne molekulargenetische Techniken. Mit ihnen kann man auch kleinste Spuren des menschliches Erbguts (DNA), die noch in fossilen Knochen enthalten sind, untersuchen. <BR><BR>In diesen alten DNA-Sequenzen finden die Forscher mehr und mehr Informationen über unsere evolutionäre Vergangenheit. Weltweit gibt es nur sehr wenige dieser wertvollen Sequenz-Proben. <BR><BR>Um die Evolution des Menschen zu rekonstruieren, nutzen die Molekularanthropologen die DNA, die in den Mitochondrien enthalten ist. Mitochondrien versorgen unsere Zellen mit Energie. Die mitochondriale DNA (mtDNA) wird ausschließlich mütterlicherseits an die Nachkommenschaft weitergegeben. Sie zeigt ein einfaches Bild unserer "mütterlichen" Geschichte. <BR><BR>Auf Grund körperlicher Untersuchungen an Fossilien glaubte man bis jetzt, dass der frühe moderne Mensch und der Neandertaler gemeinsame Nachkommen gezeugt haben könnten, da beide Populationen zu etwa derselben Zeit lebten: Neandertaler lebten vor etwa 150 000 bis 30 000 Jahren in Europa, Teilen von Asien und des Mittleren Ostens, der moderne Mensch trat erstmals in Afrika vor etwa 100 000 bis 200 000 Jahren auf. <BR><BR>Jetzt hat Pääbos Team die bis jetzt größte zusammenhängende Probenmenge von Überresten sowohl von Neandertalern als auch von frühen modernen Menschen untersucht. <BR><BR>Die Paläoanthropologen analysierten die fossilen Überreste von 24 Neandertalern und 40 frühen modernen Menschen. Die für eine Untersuchung notwendige Mindestmenge von zehn Milligramm DNA konnte nur bei vier Neandertalern und fünf frühen modernen Menschen aus den Knochenüberresten isoliert werden. <BR><BR>Unter diesen Fossilien waren auch Proben, die als "Übergang" zwischen beiden Gruppen eingestuft wurden. Diese stammen von verschieden Orten Europas. Daher ist es wahrscheinlich, dass Vertreter beider Populationen auch tatsächlich aufeinander getroffen waren. <BR><BR>Bei der Analyse der Neandertaler-mtDNA fanden die Forscher Sequenzen, die beim heutigen Menschen nicht vorkommen. Umgekehrt enthielt keine der fünf frühmenschlichen Proben neandertalerähnliche mtDNA. In Anbetracht der begrenzten Menge an frühmenschlichem fossilem Material wollen Pääbo und seine Kollegen zwar nicht ausschließen, dass zwischen beiden Populationen vielleicht doch ein Austausch von genetischem Material stattgefunden hat. <BR><BR>Da aber sogar fossile Proben, die als anatomischer Übergang zwischen modernen Menschen und Neandertalern klassifiziert waren, keinen Hinweis auf einen mtDNA-Austausch gaben, nehmen die Wissenschaftler an, dass Neandertaler allenfalls einen kleinen Beitrag zur genetischen Ausstattung des heutigen Menschen geleistet haben. </P><P><BR><BR> </P>

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