Gezielte Nadelstiche gegen chronische Schmerzen

- München - Akupunktur hilft. Im Schnitt etwa 80 Prozent der mit gezielten Nadelstichen behandelten Patienten mit Kopfschmerzen, chronischen Nackenschmerzen oder Heuschnupfen fühlen sich auf Dauer deutlich besser. Das ist das Ergebnis einer Massenstudie mit mehr als 200 000 Teilnehmern, die jetzt die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin vorgelegt hat.

<P>TK-Vorstandsmitglied Christoph Straub empfiehlt nun, Akupunktur in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen.<BR>Bisher zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die traditionelle chinesische Heilmethode in der Regel nicht - es sei denn, im Rahmen von Modellversuchen wie dem der TK. Der Gemeinsame Bundesausschuss werde aber voraussichtlich noch dieses Jahr über die Aufnahme von Akupunktur in den allgemeinen Leistungskatalog beraten, sagte Straub. Aus derzeitiger Sicht spreche nichts gegen die Aufnahme für bestimmte Krankheitsbilder.</P><P>Die Studie, die gemeinsam von der Berliner Charit鴐 und dem Zentrum für Naturheilkunde der TU München betreut wird, begann im Oktober 2000. Sie soll noch bis 2008 laufen. An der weltweit größten Akupunkturstudie sind mehrere Ersatzkassen beteiligt. Ziel: Der Nachweis, dass die Methode wirkt, sicher ist und sich für die Krankenkassen rechnet.</P><P>Bei rund 50 000 Patienten, von denen ein Teil nur mit Schulmedizin und die übrigen mit Schulmedizin plus Akupunktur behandelt wurden, zeigte die Nadelmethode nach Angaben von Studienleiter Stefan Willich eindeutig positive Wirkung: 75 Prozent der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, 73 Prozent der Kopfschmerz-Patienten und 85 Prozent der Arthrose-Patienten hatten deutlich weniger Beschwerden. Bei Beschwerden der Halswirbelsäule, Asthma, Heuschnupfen und Regelbeschwerden wurden ebenfalls Besserungsraten von 85 bis 90 Prozent verzeichnet.</P><P>Die positive Wirkung habe auch nach sechs Monaten noch angehalten, obwohl die Behandlung nach zehn Sitzungen vorbei gewesen sei, sagte Willich. Auch habe sich die Methode in einem zweiten Studienteil mit rund 145 000 Patienten als sehr sicher erwiesen. Bei acht Prozent der Behandlungen hätten Patienten leichte Nebenwirkungen wie Blutergüsse oder Blutungen beklagt. Schwere Nebenwirkungen wie das versehentliche Anstechen der Lunge (Pneumothorax) seien extrem selten gewesen, Lebensgefahr habe in keinem Fall bestanden.</P><P>Noch offene Fragen beim Kostenvergleich</P><P>Ob sich Akupunktur im Vergleich zu anderen Therapien rechnet, soll erst im weiteren Verlauf der Studie innerhalb der kommenden zwölf Monate untersucht werden. Die TK zahlt nach Straubs Worten Ärzten 35 Euro pro Sitzung, also durchschnittlich 350 Euro pro Behandlung. Nun sollen die Gesamtkosten bei Patienten mit und ohne Akupunktur verglichen werden, einschließlich der Verluste für versäumte Arbeitstage oder etwaiger Erwerbsunfähigkeit, wie Willich sagte. Straub wollte nicht spekulieren, wie der Kostenvergleich ausfallen wird.</P><P>Als verblüffendes Ergebnis der Studie vermeldete Willich, dass eine an sich regelwidrige Minimalakupunktur - dabei wird an Punkten gestochen, an denen sich eigentlich keine Wirkung einstellen dürfte - zumindest bei Rückenschmerzen und Migräne ähnlich gut hilft wie die klassische Akupunktur. Hier müsse noch genauer geprüft werden, welche Art der Behandlung für welches Krankheitsbild zu empfehlen sei.</P>

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