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"Es gibt nicht den einen Islam"

- Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten, "Heiliger Krieg" oder der Fastenmonat Ramadan - zu Hauf wird die Bevölkerung mit Begriffen und häufig bruchstückhaften Informationen aus der islamischen Welt konfrontiert. Wissenschaftlich fundiert und differenziert will dagegen das neue Münchner Zentrum für Islam-Studien (MZIS) an der LMU der Öffentlichkeit Wissen über die Religion vermitteln, der allein in Deutschland rund drei Millionen Menschen angehören.

<P>Mehr als 30 Fachleute für den Islam haben sich im MZIS zusammengefunden. Die Spannbreite der Zusammenarbeit beschränkt sich dabei nicht auf Religions- und Sprachwissenschaftler, sondern umfasst zum Beispiel auch Experten für Philosophie, Ethnologie oder Wirtschaft. Eingebunden ist auch die von der Allianz gestiftete Gastprofessur für islamische und jüdische Studien. Zur gebündelten "Islam-Kompetenz" - so das MZIS über sich - gehören neben Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität auch Islamkundler der Bayerischen Staatsbibliothek, der Akademie der Wissenschaften oder des Völkerkunde-Museums.<BR><BR>"Es wird sehr viel Halbwissen über den Islam verbreitet", bemängelt der Orientalist Professor Hans Georg Majer, unter dessen Leitung das MZIS entstanden ist. "Man muss zunächst klarmachen, dass es nicht den einen Islam sondern eine große Vielfalt gibt", erläutert der ehemalige Vorstand des Instituts für Kultur und Geschichte des Nahen Orients an der LMU.<BR><BR>Vor allem der breiten Bevölkerung soll das Angebot des MZIS (Internet: www.mzis.lmu.de) zugute kommen. Als Auftakt findet im laufenden Sommersemester die interdisziplinäre Vorlesungsreihe "Mosaiksteine - Kulturen des Islam" statt. In kommenden Studienhalbjahren soll das Vortragsprogramm ausgebaut werden. Innerhalb des mit dem MZIS entstandenen Forschernetzwerkes sollen die Islamwissenschaftler enger als bislang zusammenarbeiten und gemeinsame Forschungsprojekte auf den Weg bringen.<BR><BR>Trotz klammer Hochschulkassen hofft Majer, mittelfristig sogar ein islamwissenschaftliches Aufbaustudium oder Graduiertenkolleg an der LMU aufbauen zu können. Derzeit ist das Studienzentrum allerdings noch auf der Suche nach Geldgebern, um seinen Fortbestand zu sichern. Orientalist Majer ist optimistisch: "Die Gesellschaft hat erkannt, wie wichtig Kenntnisse über den Islam sind. Ich bin überzeugt, dass das Interesse anhält."<BR><BR>Der nächste Vortrag aus der Reihe "Mosaiksteine - Kulturen des Islam" findet heute um 19.15 Uhr im Hörsaal 118 des LMU-Hauptgebäudes statt. Die Münchner Professorin Suraiya Faroqhi spricht über "das osmanische Fest".</P>

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