Glücksspiel um Studentenbuden

- Nur wenige Wochen sind es noch bis zum Semesterbeginn. Immer weniger Zeit bleibt Studienanfängern, die neu nach München kommen, für die Wohnungssuche - nach wie vor eines der drängendsten Probleme der neuen Hochschüler in der Landeshauptstadt. Gerade recht kam da die Zimmerverlosung beim Erstsemestertag des Studentenwerks. Fast 700 machten mit - doch nur 270 Plätze wurden vergeben.

Um Punkt zwölf am Samstagmittag bringen zwei Mitarbeiterinnen des Studentenwerks dicke Ordner auf die Bühne in der Hans-Scholl-Sporthalle in der Studentenstadt Freimann. 700 Augenpaare richten sich auf Helmut Gierke. Als der Herr über 9200 Wohnheimplätze in München den Deckel lüftet und den Namen des ersten Gewinners verliest, brandet kurz Applaus auf - die Anspannung der Wohnungssuchenden sucht sich ein Ventil.

Mehr Privatzimmer

Preis im Schnitt 255 Euro

Auch in diesem Herbst suchen zu Semesterbeginn wieder viele Studienanfänger dringend eine Bleibe. 1500 stehen schon jetzt auf den Wartelisten für einen Wohnheimplatz. "Und der richtige Run kommt erst noch", kündigt Studentenwerks-Sprecherin Anke van Kempen an.

Dabei sei die Lage im Vergleich zu den Vorjahren noch entspannt. Die Zahl der über das Studentenwerk angebotenen Privatzimmer steigt, der Preis fällt. So kosten die Zimmer im Schnitt 255 Euro, 20 Euro weniger als 2004. "Wir können sozusagen Entlastung auf hohem Niveau melden", so van Kempen.

Diese Entlastung ist für den einzelnen freilich nicht unbedingt spürbar. "Utopisch teuer oder schon vergeben", fasst Sebastian Teichmann das Ergebnis seiner Zimmersuche zusammen. Der junge Mann aus dem schwäbischen Süßen ist mit Freundin Lucy Deppert extra zur Zimmerverlosung nach München gefahren. Überglücklich ist der angehende Wirtschaftsinformatik-Student, als nach einer halben Stunde bei der Verlosung sein Name erklingt. Im Nebenraum der Hans-Scholl-Halle kann er gleich seinen Mietvertrag unterschreiben. Dass das Zimmer nicht an seinem Studienort, dem Campus Garching, sondern an der Schwere-Reiter-Straße in München liegt, stört ihn nicht. Auch nicht, dass er die neue Bleibe vor dem Einzug nicht besichtigen kann, weil sie noch renoviert wird.

Auch Caroline Schneider aus Nördlingen sieht in ihrer Begeisterung über den Gewinn darüber hinweg, dass sie "auf keinen Fall in eine WG" wollte und jetzt ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft zugelost bekommen hat. "Wenn die Leute in Ordnung sind, wird das schon", ist die künftige Industrie-Designerin überzeugt.

Mehr als 400 Bewerber hatten bei der Zimmer-Verlosung kein Glück. Doch auch sie müssten nicht verzweifeln, betont Anke van Kempen. Jeder von ihnen stehe nun automatisch auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz.

Eine vielversprechende Adresse ist aber auch die Privatzimmer-Vermittlung. Letztes Jahr fanden hier immerhin 5000 Studenten eine Unterkunft.

Unter www.studentenwerk.mhn.de/wohnen findet man die Vermittlung im Internet.

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