Glücksspiel um Studenten-Jobs

- Das frühe Aufstehen in den Semesterferien hat sich an diesem Morgen gelohnt. "PC-Dateneingabe" steht auf dem Zettel, mit dem Katrin Walter aus der Agentur für Arbeit kommt. "Das ist echt anstrengend hier", findet die Sozialpädagogik-Studentin. Regelmäßig quält sie sich dieser Tage aus den Federn, um pünktlich um neun bei der Jobverlosung für Studenten zu sein. "Wer verschläft, hat Pech gehabt", sagt sie.

Jeden Werktag werden an der Tumblingerstraße 21 Tagesjobs verlost - vor allem in den Semesterferien für viele ein Pflichttermin. Statistik-Student Ming Jin kommt fast jeden Morgen. Und musste schon oft ohne Job wieder gehen. An diesem Tag ergattert der Chinese einen Umzugsjob. Zwei Stunden Schleppen für pauschal 25 Euro. "Ein gutes Angebot", findet er.

Die Verlosung hat "Eventcharakter"

Jobs an Studenten zu vermitteln ist keine gesetzliche Aufgabe der Agentur, sondern ein freiwilliger Service, erklärt Thomas Obermayer von der Agentur für Arbeit. Vor allem ausländische Studenten nutzen das Angebot.

Die Verlosung ist ein eingespieltes Ritual. Obermayer will darin sogar "Eventcharakter" entdeckt haben. "Viele kommen, weil sie die Atmosphäre mögen", sagt er.

Die hellgrünen Mitgliedskarten der Studenten werden Nummern zugelost. Gibt es mehr Bewerber als Jobs, kommen die Studenten mit den niedrigen Nummern zum Zug. An diesem Donnerstag sitzen mehr als 50 Studenten erwartungsvoll auf den Stuhlreihen und blicken zum Schalter. Zu vergeben sind 25 Jobs - 16 für Männer, neun für Frauen.

Über Lautsprecher werden die Angebote verlesen: "Sechs Damen für Verpackungsarbeiten in Schwabing", "zwei Männer zum Aufbau eines Spielgerüsts". Jeder Job bekommt eine Nummer. Dann werden die Studenten in der Los-Reihenfolge gefragt, welchen sie wollen. "Die Sieben", ruft einer. "Bereits vergeben", antwortet streng die Lautsprecherstimme. "Entschuldigung", tönt es kleinlaut.

Nach 20 Minuten ist alles vorbei. Wer einen Job hat, bricht zur Arbeit auf. Einige bleiben sitzen - vielleicht kommen später neue Angebote. Andere gehen ein Büro weiter. Hier werden längerfristige Jobs vermittelt.

"Mögen Sie Pferde?", fragt die Beraterin. "Nein", erwidert die Studentin. Sie hat die Wahl: Zur Betreuung einer Rentnerin werden Hochschüler gesucht, ebenso für Call-Center, Fahrgastzählungen und als Küchenhilfen.

60 bis 80 längerfristige Jobs sind derzeit täglich zu vergeben. Ein Überangebot, sagt Obermayer. Wer den "ortsüblichen" Stundenlohn von zehn bis zwölf Euro zahle, finde meist Arbeitswillige. Jobs für sieben Euro die Stunde werden dagegen zum Ladenhüter. Für Obermayer ein Indiz für den Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt.

Ming Jin hat davon bei der Suche nach längerfristigen Jobs bisher nicht profitiert. "Die Sprache ist das größte Problem", meint der Chinese. Wahrscheinlich kommt er am nächsten Tag wieder - pünktlich um neun, wenn es heißt: "Guten Morgen, wir haben heute 20 Jobs für Männer . . ."

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