Google führt Bezahlsystem für Abos im Internet ein

Berlin - Google positioniert sich gegen Apple: Der Internet-Gigant für ein Bezahlsystem für Zeitungen im Web ein. Eine direkte Konkurrent zu Apples iPad-Plänen.

Auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen für Medien im Internet führt Google ein neues System zur Abwicklung von Online-Zahlungen ein. Die Lösung mit der Bezeichnung “One Pass“ soll Internet-Nutzer ermöglichen, Abonnements, aber auch einzelne Artikel und andere Inhalte auf der Website eines Medienunternehmens möglichst einfach zu beziehen. Bislang sind die meisten Medieninhalte im Internet kostenlos verfügbar. Als erste Partner nannte Google den “Stern“, das zur Burda-Gruppe gehörende Unternehmen Tomorrow Focus und den Axel-Springer-Verlag.

“Wir sind schon seit einiger Zeit mit Verlegern im Gespräch und haben überlegt, wie man Nutzer dazu bewegen kann, für Inhalte zu bezahlen“, sagte der zuständige Google-Manager Madhav Chinnappa am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die jetzt gefundene Lösung sei ein Angebot an Medienunternehmen, damit zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln. Google kümmere sich um die Authentifizierung der Nutzer, die Abo-Verwaltung und die Zahlungsabwicklung. Die Nutzer sollen sich dafür mit einem Google-Konto anmelden.

Das System wird nach Angaben Chinnappas zunächst für den Bezug von Online-Ausgaben auf dem PC eingeführt. Danach ist auch eine Version für Apps von Zeitungen und Magazinen auf mobilen Geräten geplant. Für die Medienbranche sind besonders die Tablet-Computer interessant.

Chinnappa sagte, dass Google zehn Prozent des bei “One Pass“ erzielten Umsatzes für sich behalten wolle - verglichen mit einem Anteil von 30 Prozent, den Apple bei der Bestellung von Abos für die iPad-Ausgaben von Zeitungen oder Zeitschriften beansprucht, sofern die Bestellung innerhalb der App erfolgt, also der Software für das Lesen der Artikel.

Apple will bei Abos auf dem iPad kräftig mitverdienen

Apple hält bei digitalen Zeitungsabos die Hand auf und will obendrein Abonnenten-Daten für sich behalten. Für Hoffnung auf mehr Wettbewerb sorgt jetzt ausgerechnet Google - mit seinem konkurrierenden Bezahlsystem.

Mit dem “Preisdiktat“ von Apple habe man Probleme, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Dietmar Wolff, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Es sei zwar positiv, dass der iPad-Hersteller über Abo-Modelle nachdenke. Er habe aber “Schleusen aufgebaut, die in der Praxis so nicht funktionieren werden“.

Gemeint ist eine Mitteilung von Apple vom Dienstag, in der erklärt wird, wie Abonnements digitaler Inhalte auf dem iPad künftig gehandhabt werden sollen. Dieser Beschluss lässt den Verlegern die Möglichkeit, ihren Kunden ein Abonnement außerhalb der iPad-App anzubieten - also außerhalb der Software für das Lesen der digitalen Ausgaben auf dem iPad. In diesem Fall müssen die Verlage die Bestellmöglichkeit aber zusätzlich auch innerhalb der App zu mindestens den gleichen Konditionen bereitstellen.

Bei diesen “In-App-Käufen“ kassiert Apple einen Anteil von 30 Prozent. Erfahrungsgemäß bevorzugen die meisten App-Nutzer eine Bestellung direkt in der Anwendung gegenüber dem Umweg etwa auf Website des Anbieters, zumal die Systeme der Verlage oft relativ unbekannt sein dürften.

dpa

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