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Mit Google+ setzt der Internetkonzern Google einen Gegenpol zu dem beliebten Facebook.

Google greift Facebook an

Mountain View - Der Suchmaschinen-Riese Google will mit seinem neuen Dienst Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufbauen. Google+ ist nicht revolutionär neu, sieht aber besser aus und nutzt geschickt einige Schwächen von Facebook.

Es gibt nicht viel, was Eric Schmidt bereuen muss. Zehn Jahre war Schmidt Chef der weltgrößten und extrem erfolgreichen Suchmaschine Google. Und doch übte er Selbstkritik, nachdem er im April in den Verwaltungsrat gewechselt war. Er habe die Gefahr, die vom Sozialen Netzwerk Facebook ausgeht, unterschätzt. „Ich wusste, dass ich etwas tun muss, und ich habe es nicht getan“, sagte Schmidt. Er habe zwar über eine Kooperation mit Facebook verhandelt, die sei aber nicht zustande gekommen.

So funktioniert Google Street View

So funktioniert Google Street View

Wohl auch deshalb macht Schmidts Nachfolger und Google-Mitgründer Larry Page jetzt Ernst: Mit Google+ startet der Such-Gigant sein eigenes Soziales Netzwerk und greift damit Facebook frontal an. Auch auf Google+ sollen sich künftig Freunde, Bekannte, Nachbarn und Kollegen miteinander vernetzen, Nachrichten austauschen und sich gegenseitig Fotos, Videos und Links empfehlen. Noch befindet sich Google+ in einer Testphase und ist nicht für jeden Internetnutzer zugänglich. Doch das soll sich bald ändern. Das, was Google über seinen neuen Dienst verrät, klingt zwar nicht revolutionär. Doch die Programmierer wollen offenbar ganz gezielt einige Schwachstellen bei Facebook ausnutzen. Auch die Gestaltung der Seite wirkt ansprechender als das sehr einfache Layout des Platzhirschs.

Herzstück von Google+ sind die „Circles“. Sie sollen es einfacher machen, Informationen nur mit einer bestimmten Gruppe der eigenen virtuellen Kontakte zu teilen. Dafür kann man sie in verschiedene Kreise einteilen, zum Beispiel in Freunde, Bekannte, Kollegen und Familie. Das ist bei Facebook über die sogenannte Listen-Funktion zwar auch schon möglich. Allerdings ist die Nutzung kompliziert. Bei Google+ soll das mit nur einem Klick funktionieren.

Gegen wen sich diese Technik richtet, wird bei Google kaum verhehlt. In einem Blogeintrag zur Einführung von Google+ schreibt Technologiechef Vic Gundotra: „Nicht alle Beziehungen sind gleich. Im echten Leben teilen wir manches mit Studienfreunden, anderes mit unseren Eltern und so gut wie nichts mit unserem Chef.“ Das Problem sei, dass die bisherigen Internetdienste einfach jedem den Stempel „Freund“ aufdrückten. Gemeint ist eindeutig Facebook, bei dem jeder Kontakt automatisch zum „Freund“ erklärt wird – ein oft kritisierter Punkt.

Der große Facebook-Knigge

Der große Facebook-Knigge

Ausstechen will Google Facebook auch in puncto Datenschutz. Schon bevor die meisten Menschen Google+ überhaupt nutzen können, macht Google bereits darauf aufmerksam, wie sich die eigenen Daten schützen lassen. Sogar wie man das eigene Profil wieder löschen und vorher die eigenen Daten herunterladen kann, wird in einem Videoclip demonstriert. Anscheinend setzt Google auf Transparenz in genau dem Bereich, der bei Facebook besonders häufig und heftig kritisiert wird.

Ob Google+ ein Erfolg wird, lässt sich freilich noch nicht sagen. Die bisherigen Versuche von Google, im Bereich der Sozialen Netzwerke Boden zu gewinnen, sind gescheitert. Klar ist aber: Google muss auf Facebook reagieren. In den USA hat Facebook die Suchmaschine bereits als meistbesuchte Webseite abgelöst und Facebook wächst und wächst. Inzwischen sind angeblich schon mehr als 700 Millionen Mitglieder weltweit im Netzwerk registriert. Der Wert von Facebook wird inzwischen auf bis zu 100 Milliarden Dollar geschätzt. Im kommenden Jahr soll das Netzwerk wohl an die Börse gehen. Doch Google beunruhigt nicht die schiere Größe. Aber unlängst haben Facebook und Microsoft eine Kooperation gestartet und arbeiten an einer „Sozialen Suche“. Jetzt geht es für Google ums Kerngeschäft.

Philipp Vetter

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