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In seinem Kartendienst Maps zeigt der Internet-Riese künftig den Fahrplan der Bahn an

Deutsche Bahn will Kunden locken

Google-Routenplaner schlägt Bahnfahren vor

Berlin - Über eine Kooperation mit Google will die Deutsche Bahn mehr Reisende vom Zugfahren überzeugen. Dafür soll im Routenplaner bei Google Maps künftig auch der Fahrplan der Bahn angezeigt werden.

Über eine Kooperation mit Google will die Deutsche Bahn (DB) mehr Reisende für sich gewinnen. Der Internet-Riese zeigt in seinem Kartendienst Maps ab sofort den Fahrplan des Verkehrsunternehmens an. Wer eine Route berechnen lässt, könne sich neben Auto- und Fußgängerstrecken auch passende Züge vorschlagen lassen, teilten die Unternehmen am Montag in Berlin mit. Ein Link führt von der Funktion mit der Bezeichnung Transit zum Ticketkauf auf der Bahn-Website. Dort werden auch Verspätungen angezeigt. „Wir scheuen nicht den Vergleich mit anderen Verkehrsträgern“, sagte Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand für den Personenverkehr.

Transit umfasst zunächst lediglich Züge der Deutschen Bahn, die Strecken von Konkurrenten des Quasi-Monopolisten und regionalen Verkehrsverbünden sind nicht integriert. Daran werde aber intensiv gearbeitet, sagte der zuständige Google-Manager Raphael Leiteritz. „Google Maps war jahrelang sehr autolastig“ - das ändere sich jetzt. Transit ist nach Angaben des Unternehmens für weltweit mehr als 500 Regionen und Städte verfügbar; Schwerpunkte sind Europa, die USA und Ostasien.

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Die Bahn wolle künftig mehr Kunden im Internet erreichen, sagte Vertriebschefin Birgit Bohle. Ziel sei es, bis 2020 die Hälfte des Umsatzes über den Verkauf im Internet und auf mobilen Geräten zu erzielen - „das werden wir nicht nur über unsere eigene Plattform hinbekommen.“ Daher setze das Unternehmen auf Kooperationen. So könnten Reisende bislang beispielsweise schon über Websites wie Opodo und Ltur Tickets kaufen. Mit Transit könne das Unternehmen Kunden gewinnen, die sonst nicht mit dem Zug fahren würden, sagte Bohle.

Für die Vermittlung von Kunden zahle die Bahn kein Geld, erklärten die Unternehmen. Google fange an, sich über die Monetarisierung von Maps Gedanken zu machen, sagte Leiteritz - dabei stehe Werbung im Mittelpunkt.

Einer offenen Verwendung von Fahrplandaten erteilte die Bahn eine Absage - eine „unkontrollierte Abgabe“, etwa an Open-Data-Projekte, werde es nicht geben, sagte Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand für den Personenverkehr. Das Unternehmen müsse eine qualitativ hochwertige Aufbereitung der Daten gewährleisten.

Aktivisten fordern, dass die Informationen für jeden nutzbar in einem maschinenlesbaren Format zur Verfügung gestellt werden, damit beispielsweise Programmierer eigene Anwendungen schreiben können. Allerdings haben Entwickler rund um Michael Kreil selbst die Daten verschiedener Verkehrsunternehmen extrahiert und einen Teil davon unter offener Lizenz veröffentlicht.

dpa

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