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Das neue G1 wurde am Freitag München vorgestellt.

Google in der Tasche

Landkarten, Bücher im Netz, Bilder aus dem All, ein Browser – Google ist längst mehr als eine Suchmaschine. Ab 2. Februar will der Konzern mit dem Handy-System Android den deutschen Mobilfunkmarkt erobern. merkur-online.de konnte das erste Google-Handy G1 von T-Mobile bereits testen.

Das G1 gilt als erster wirklicher Konkurrent des iPhones und wird wie das Apple-Handy exklusiv von T-Mobile in Deutschland angeboten. Sowohl das Telefon an sich als auch das Betriebssystem Android bietet Funktionen, die bei gängigen Mobiltelefonen undenkbar sind. Das G1 ist das erste Gerät in Europa mit dem von Google vorangetriebenene System – deswegen geht ohne Google fast nichts.

Das Telefon

Das G1 wurde vom taiwanesischen Hersteller HTC entwickelt, der reichlich Erfahrung mit Handys mit berührungsempfindlichen Displays hat. Das rund 160 Gramm schwere Mobiltelefon kann, was ein hochwertiges Handy heutzutage können muss: Quadband für Telefonate in aller Welt, die schnelle Datenverbindung UMTS und das noch schnellere HDSPA, Kamera mit 3,2 Megapixel, das Satellitennavigationssystem GPS, Bluetooth für die Verbindung zu Freisprecheinrichtungen und dergleichen sowie WLAN für drahtlose Internetverbindung.

Das neue Google-Handy G1

Das berührungsempflindliche Display ist etwas größer als eine Zigarettenschachtel, hell und brillant. Im Gegensatz zum iPhone, das ausschließlich durch Fingerberührungen zu bedienen ist, bietet das G1 zwei weitere Möglichkeiten: Schiebt man das Display zur Seite, kommt eine fast vollwertige Tastatur zum Vorschein, die Darstellung wechselt automatisch ins Querformat. Zudem hat das G1 einen so genannten Trackball, mit dem sich das Handy nach Vorbild einer Computermaus steuern lässt. Die Tastatur sorgt dafür, dass das Android-Handy mit rund 1,7 Zentimeter verhältnismäßig voluminös ausfällt, deswegen aber nicht schlechter in der Hand liegt. Wer Blackberrys kennt oder andere Smartphones, hat mit dem G1 keine Probleme. An die ungewöhnliche Anordnung der Tastatur – Umlaute müssen extra aufgerufen werden, Punkt und Bindestrich sind anders angeordnet als auf einer normalen Tastatur – muss man sich gewöhnen.

Das als „Internet-Handy von Google“ beworbene G1 verfügt über 128 Megabyte Speicher, der durch Micro-SD-Speicherkarten auf bis zu 8 Gigabyte erweitert werden kann. Mehr geht nicht. Eine 2-GB-Karte liegt bei. Der auswechselbare Akku hält bei Stand-by 400 Stunden durch, bei intensiver Nutzung des Internets natürlich sehr viel weniger. Dann kann schon nach weniger als einem halben Tag Schluss sein.

Das System

Das Entscheidende am G1 ist jedoch Android – das Betriebssystem. Also das, was Windows für den meisten PC ist. Google hat Android als offenes System initiiert, das heißt: Ein Großteil davon ist für jedermann zugänglich, Programmierer können den Code einsehen und selbst Programme für Android-Handys schreiben. Normalerweise halten die Hersteller ihre Software unter Verschluss.

Auf den ersten Blick fühlt sich ein Windows-Benutzer bei Android heimisch: Ein Schreibtisch mit selbst wählbarem Hintergrund bildet den Mittelpunkt, darauf liegen einzelne Anwendungen. Welche, bestimmt der Nutzer. Von Haus aus kommt das G1 mit einer normalen Telefonfunktion, mit E-Mail-Programm, Kalender, Timer und anderen Standard-Anwendungen wie einfache Navigation durch den Landkartendienst GoogleMaps daher. Der Browser fürs Surfen im Web ist der derzeit schnellste auf einem Mobiltelefon – eine entsprechend schnelle UMTS-Verbindung vorausgesetzt. Programme werden per Fingertipp gestartet und bedient, Texteingaben sind nur über die Tastatur möglich. Gestensteuerung mit mehreren Fingern wie das iPhone kennt Android bisher nicht. Internetseiten müssen deswegen mit Vergrößerungs- bzw. Verkleinerungstasten auf dem Display auf die richtige Größe gebracht werden. Verschieben des Bildschirminhalts mit dem Finger funktioniert dagegen gut und flüssig. Insgesamt macht die Bedienung des G1 Spaß, ist schnell und präzise. Praktisch ist die Einen-Schritt-Zurück-Taste unter dem Display.

Nachdem Google bei Android das Sagen hat, geht ohne Google praktisch nichts. Standardsuche im Internet ist Google, der Abgleich von Kalender und Adressbuch funktioniert nur über Google-Dienste, gechattet wird mit GoogleTalk. Für die Einrichtung des E-Mail-Empfangs muss man ein Google-Konto haben, selbst wenn man eine T-Online-Adresse hat. Die lässt sich zusätzlich eingeben. Eine Synchronisierung über Kabel mit dem heimischen PC ist nicht vorgesehen, alles wird übers Internet abgeglichen. Natürlich über Google.

Android-Telefone wie das G1 – weitere werden mit Sicherheit in den nächsten Monaten folgen – kann sich der Benutzer nach Belieben mit weiteren Programmen aufrüsten. Der „Android Market“ ist die Google-Version des AppStore von Apple, bietet jedoch derzeit nur kostenlose Programme an. Unter den momentan rund 700 befinden sich diverse Highlights. Einige packt T-Mobile gleich aufs Handy. ShopSavvy beispielsweise, eine pfiffige Lösung für den Preisvergleich beim Einkauf. Einzelhändler allerdings werden sich nicht sehr darüber freuen, denn: Richtet man das G1 auf den Barcode des Preisschildes, zeigt ShopSavvy umgehend an, ob es die Ware nicht doch woanders billiger gibt.

G1 vs iPhone

Der direkte Vergleich mit dem iPhone hinterlässt einen sehr gemischten Eindruck. Das Google-Telefon hat, was vielen am iPhone fehlt: Erweiterbarkeit durch Speicherkarten, eine echte Tastatur, Kopieren und Einfügen von Texten, Empfang und Versand von MMS. Dafür fehlt dem G1 einiges, unter anderem ein Kopfhörerausgang. Musik über den Mediaplayer von Android kann man nur über spezielles Zubehör anhören. Android kann bisher nichts mit Firmen-Netzwerken anfangen (Exchange, speziell gesicherte Verbindungen). Ein Abgleich zwischen G1 und PC ist nicht möglich, was das G1 extrem von der Qualität der Internetverbindung abhängig macht.

Da G1 und iPhone in einer Klasse antreten, sind beiden Geräten einige Probleme gemein: die bei intensiver Nutzung des Internets geringe Batterielaufzeit, die vergleichsweise lausige Qualität der Kamera, fehlende Videofunktion. Gravierendster Punkt dieser Liste: Beide Telefone können keine Flash-basierten Inhalte von Internetseiten darstellen, weswegen beispielsweise Internet-Videos oder interaktive Webseiten vielfach nicht zu sehen sind.

Die Kosten

Das Google-Handy ist ebenso wenig ein Schnäppchen wie das iPhone. Die Tarife:

  • Combi Flat XS: Für 24,95 Euro im Monat kann man 200 MB Daten laden, eine Gesprächsminute kostet 0,29 Euro, eine SMS 0,19 Euro, eine MMS 0,39 Euro. WLAN an T-Mobile-Hotspots kostet extra.
  • Combi Flat S: In 44,95 Euro im Monat sind unbegrenzter Datentransfer und unbegrenzte WLAN-Nutzung inbegriffen. Bei den Gesprächskosten wird‘s kompliziert: Der Kunde kann wählen zwischen „kostenlos zu T-Mobile, kostenpflichtig ins Festnetz“ oder umgekehrt. Telefonate in andere Netze kosten in jedem Fall 0,29 Euro je Minute. SMS zu T-Mobile sind umsonst, in andere Netze werden 0,19 Euro fällig.
  • Combi Flat M: Wie die Variante S, nur sind alle Gespräche zu T-Mobile und ins Festnetz kostenfrei. Monatspreis: 59,95 Euro.
  • Combi Flat L: Für 119,95 Euro sind alle Telefonate im Inland kostenfrei, Datentransfers und WLAN an T-Mobile-Hotspots ebenso. Dazu kann man 3000 SMS verschicken und 100 MMS.

Das G1, das übrigens in Weiß und Schwarz erhältlich ist, kostet bei Abschluss eines Zweijahresvertrages der Tarife S, M und L einen Euro, im Tarif XS 59,95 Euro.

Das Fazit

Das G1 ist ein interessantes Telefon für die Internet-Gesellschaft, es ist schnell und kann mit nützlichen Programmen und auch Spielen erweitert werden. Die Bedienung von Android jedoch ist stellenweise kompliziert, die Tastatur fummelig. Wer sich nicht an Google-Dienste binden und dem Suchmaschinen-Riesen seine Daten nicht anvertrauen will, sollte sich gleich nach einem anderen Handy umschauen. Wer in der Google-Welt zuhause ist, erhält mit dem G1 einen vielseitigen, wenn auch kostenintensiven Mobilcomputer.

Michael Stürzer

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