Google verteidigt Selbstzensur in China

- Peking - Die weltweit größte Suchmaschine Google hat ihre Selbstzensur in China mit dem Wunsch verteidigt, besser auf dem größten Wachstumsmarkt der Erde mitmischen zu können."Wir haben keine Alternative", fand der Vorsitzende Eric Schmidt, der am Mittwoch in Peking in einer großen Werbeshow den neuen chinesischen Namen "Gu Ge" enthüllte, was als "Lied der reichen Ernte" übersetzt werden kann.

"Es war die richtige Entscheidung für Google." Das Unternehmen halte sich ja nur an örtliche "Gesetze und Gebräuche". Doch musste sich der oberste Google-Manager bei seinem ersten großen Auftritt in China kritische Fragen gefallen lassen. Eine chinesische Journalistin fragte ihn spitz: "Wie weit wird Goggle gehen, den Teufel zu spielen, um seine Interessen in China voranzubringen?"

Für seine Expansion in China habe sich Google "der Regierung gegenüber verpflichtet, dass wir strikt den chinesischen Gesetzen folgen werden", antwortete Schmidt. Er schien fast Verständnis dafür aufzubringen, dass der freie Fluss von Informationen im Internet in China massiv eingeschränkt wird: "Es ist keine Option für uns, Informationen weithin zu verbreiten, die illegal, unangemessen, unmoralisch oder sonstwas sind." Allerdings filtert Google vielmehr Inhalte heraus, die Chinas kommunistische Führung als Bedrohung ihrer Herrschaft ansieht. Informationen über Menschenrechtsverletzungen, das Massaker vom 4. Juni 1989 oder Kritik an der chinesischen Herrschaft in Tibet werden einfach unterschlagen.

Wie für Yahoo oder MSN von Microsoft, die ähnlich filtern, steht auch für den Google-Chef das Marktpotenzial im Mittelpunkt. "Es gibt heute bereits mehr Internetnutzer in China als anderswo in der Welt", verkündete Schmidt, obwohl offizielle Zahlen von 111 Millionen ausgehen und nur das Internetportal Sohu jüngst 150 Millionen schätzte. Über "viele, viele, viele Jahre" werde China den Markt anführen, lieferte Schmidt als Argument, warum er in das Lied der kommunistische Propaganda von den "ungesunden Inhalten" im Internet einstimmt. "Wir verfolgen den Aufstieg Chinas. Es erfüllt uns mit Ehrfurcht, was hier passiert". Und eins steht für ihn fest: "Es ist entscheidend, dass Google dabei ist." Bisher hinkt die sonst größte Suchmaschine in China mit einem Anteil von nur 32 Prozent hinter der chinesischen Konkurrenz Baidu her, die auf 56 Prozent kommt.

Die alte, vom Ausland gesteuerte Google-Suchmaschine lief langsam und litt unter Chinas Blockade politisch unliebsamer Suchergebnisse. Mit dem Start von google.cn, die wie die chinesischen Wettbewerber filtert, sind beide Probleme gelöst. Auch wenn jetzt eine verkehrte Welt angezeigt wird, versprach Schmidt den Chinesen ungeniert "die besten Informationen" und "die Dinge, die ihnen am Herzen liegen". Sein Auftritt im "Goldenen Saal" des Peking-Hotels stand im krassen Widerspruch zu den ausgehändigten zehn Google-Geboten, die den "grenzüberschreitenden Fluss von Informationen" beschwören. Das vierte Gebot "Demokratie im Internet funktioniert" scheint wie das sechste vergessen zu werden: "Es lässt sich Geld machen, ohne böse zu sein." Niemals manipuliere Google seine Suchergebnisse, heißt es da. "Unsere Nutzer vertrauen Googles Objektivität, und kein kurzfristiger Vorteil kann jemals rechtfertigen, dieses Vertrauen zu brechen."

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