42 Grad Hitze gegen Krebs

- Von IRMI SCHWARTZ Krebsherde direkt zu überhitzen und die Tumorzellen damit noch empfindlicher gegen eine zellzerstörende Chemotherapie oder eine Strahlenbehandlung zu machen, ohne den gesunden Zellen ringsum zu schaden: Das ist das Prinzip der Regionalen Tiefentherapie, das Krebspatienten in der Onkologischen Fachklinik Bad Trissl und einigen anderen deutschen Kliniken neue Hoffnung gibt.

In der Fachklinik Bad Trissl, die sich in der Nachsorge einen Namen gemacht hat, behandelt Chefarzt Dr. Bernhard Weber vor allem Menschen, die an Brustkrebs im Rückfallstadium (etwa an der Brustwand) oder an fortgeschrittenem Dickdarmkrebs leiden. Auch bei Melanomen, Gebärmutterhals-, Blasenoder Prostatadrüsenkrebs und Weichteilsarkomen liegen schon gute Erfahrungen mit der Methode vor, die ursprünglich von Dr. Rolf Issels am Münchner Uniklinikum Großhadern entwickelt wurde. Alle Hyperthermie- Patienten werden übrigens sorgfältig für eine überregionale Studie am Tumorzentrum München dokumentiert.

Krebszellen sind hitzeempfindlicher als gesunde Zellen. Die Hitze zerstört viele Krebszellen direkt, weitere werden durch das in der Wärme aktivierte körpereigene Immunsystem vernichtet. In überwärmten Tumorzellen können aber auch Strahlen oder Medikamente besser eindringen. Darum wird in Bad Trissl immer Hitze mit Chemo- oder Strahlentherapie kombiniert.

"Besonders wichtig ist eine exakte Temperaturmessung", betont Dr. Weber. "Nur wenn wir 42 Grad Celsius im Tumor erreichen, kann die Behandlung helfen. Die Temperatur darf aber andererseits auch nicht überschritten werden, sonst schadet sie." Gemessen wird mit einer speziellen, eigens für die Therapie entwickelten Sonde. Die Behandlung erfolgt je nach Erkrankung ein- bis zweimal wöchentlich in Zyklen bis zu acht Mal.

Ob man mit der Überhitzung auch Krebskranke heilen kann, diese Frage lässt sich noch nicht beantworten. "Vordergründig geht es uns zunächst darum, lebenswerte Zeit für den Patienten zu gewinnen", sagt Weber und fügt hinzu: "Das Prinzip funktioniert auch nur bei bestimmten Krebsarten und in bestimmten Stadien." Selbst wenn keine endgültige Heilung mehr möglich ist, gibt es doch bereits Erfolge: "Es gelingt uns mit der Regionalen Tiefenhyperthermie fast immer, Leiden zu lindern, Leben zu verlängern und die Lebensqualität zu erhöhen."

Spektakulär ist der Fall einer 64-Jährigen, die mit einem inoperablen Karzinom der Bauchspeicheldrüse nach Bad Trissl kam. Nach einem Zyklus im Hyperthermiegerät, in dem sie während der Überwärmung direkt eine Chemotherapie erhielt, kam der Tumor zum Stillstand, Tumormarker sind nicht mehr nachweisbar.

Manchmal ist die Therapie schon in der Vorsorge sinnvoll: Bei bestimmten Weichteilsarkomen etwa zeigen erste Erfahrungen, dass eine Chemo-Hypothermie- Kombination die Operation erfolgreicher macht.

Strahlentherapie-Patienten werden derzeit übrigens noch ins nahe Klinikum Rosenheim gebracht. In einem Zeitfenster von zwei Stunden erfolgt dann die Überwärmung in Bad Trissl. Nicht mehr lange sollen solche Fahrten nötig sein: In Trissl wird jetzt eine eigene Strahlentherapieabteilung gebaut.

Lexikon aktuell:

Hyperthermie Hyperthermie ist die gezielte Überwärmung von Geweben und Zellen. Man unterscheidet zwischen Regionaler (bei tiefliegenden Tumoren), lokaler (bei oberflächlichen) und Ganzkörperhyperthermie.

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