Gräsertabletten sollen Heuschnupfen bekämpfen

- München - Eine "Gräsertablette" als Immunbehandlung kann künftig vielleicht vielen Pollenallergikern helfen: Beim Welt-Allergie-Kongress in München berichteten Mediziner aus Belgien über erste erfolgreiche Studien mit der neuen Tablette. Bei Gräserpollenallergikern waren die Allergiesymptome nach nur zehn Wochen Einnahme um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Noch ist die Tablette aber in Europa nicht zugelassen.

Das Prinzip der neuen Therapie entspricht der "Hyposensibilisierung" (Unempfindlichkeitsbehandlung), bei der Allergene unter die Haut gespritzt werden. Nach drei Jahren sind heute 30 bis 50 Prozent der Immunbehandelten allergiefrei.

Keinen Erfolg hat die Injektionstherapie, wenn neben Gräsern noch andere Allergene den Betroffenen plagen. Auch die Tablette kann nur Gräserpollenallergikern helfen. Idealerweise sollte sie, wie Claus Bachert (Universität Gent) erläuterte, acht Wochen vor Beginn der Pollensaison erstmals und dann drei Jahre ganzjährig geschluckt werden. Nebenwirkungen zeigten sich bisher keine.Mediziner setzten deshalb auf die Tablette, weil sie patientenfreundlicher als die Spritzen sind.

Dass eine Immuntherapie nicht nur Heuschnupfen verhindern kann, sondern auch Asthma, darauf weisen Experten immer wieder hin. Noch hat es sich aber nicht genug herumgesprochen, dass jeder Heuschnupfen behandelt werden sollte, damit es nicht nach einigen Jahren zum "Etagenwechsel" in den Atemwegen und damit zum Asthma kommt. Immerhin leiden die meisten Asthmatiker auch an einer Pollenallergie. Und diese betrifft nicht immer nur Gräser. Am Beginn jeder Behandlung steht daher eine gründliche Diagnose, die möglichst alle Ursachen erfasst.

Schon bei leichtem Asthma bronchiale kann die Lebensqualität erheblich eingeschränkt sein, später führt das chronisch gewordene Leiden oft zu Arbeitsunfähigkeit. "Doch ist das Asthma mit heutigen Medikamenten gut in den Griff zu bekommen", so Prof. Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der deutschen Gesellschaft für Allergologie, "niemand muss sich heute mehr mit ständigen Beschwerden abfinden".

Unterschätzt: Feinstaub in der Wohnung

Auch Feinstaub in der Wohnung oder am Arbeitsplatz kann Allergikern schwer zusetzen. Eine Studie über 100 Haushalte in Nordrheinwestfalen hat der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) vorgestellt. Das Problem werde unterschätzt, so der DAAB. Die durchschnittliche Feinstaubkonzentration in Innenräumen mit Glattböden war doppelt so hoch wie bei Teppichböden und außerdem deutlich oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes, so ein überraschendes Ergebnis. Räume mit Parkett und anderen Glattböden müssten öfter gereinigt werden, so eine Schlussfolgerung für die Prävention.

Feinstäube sind aber nicht nur für Asthmatiker ein großes Problem. Sie sind auch Auslöser anderer Erkrankungen. Reiner Schwebstaub etwa dringt über die Atemwege auch in das Blut ein und aktiviert die Blutplättchen. Das Blut wird dickflüssiger und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt.

Asthmatiker sind auch anfälliger für Schnupfenviren als gesunde Menschen. Die Viren sorgen beim Asthmatiker außerdem häufig nicht nur für einen harmlosen Schnupfen, sondern gleich für eine schwere Infektion der tiefen Atemwege.

Eine Ursache, warum Asthmatiker so gefährdet sind, haben britische Forscher entdeckt und beim Welt-Allergie-Kongress in München vorgestellt: Ein Team um Stephen T. Boyd von der Medical School der Universität Southhampton fand heraus, dass bei Menschen mit Asthma bronchiale die angeborene Immunantwort der Zellen in den Bronchien gegen Virusattacken gestört ist. Zellkulturen wurden von kranken und von gesunden Personen angelegt. In den Asthmathikerzellen vermehrten sich die Viren siebenmal mehr als in in den anderen. Außerdem funktionierte der natürliche "Selbstmord" der Zellen (im Fachjargon Apoptose genannt), der eigentlich verhindern soll, dass sich Viren ausbreiten, bei Asthmatiker-Zellkulturen im Frühstadium viel schlechter.

Die Forscher fügten darum den Zellen den Immunbotenstoff "Interferon beta" zu. Mit dem Ergebnis, dass die "asthmakranken" Zellkulturen sich schneller selbst zerstörten. Interferon, das heute gentechnisch herstellt wird, könnte also in Zukunft manchen schweren Asthmaausbruch verhindern.

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