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Der Österreicher Alexander Stüger ist seit April 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland.

Großes Merkur-Interview

Microsoft Deutschland-Chef: Darum brauchen wir Ihre Daten 

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München – Mit Microsoft zieht im nächsten Jahr mit seiner Deutschlandzentrale nach München. Im Interview mit dem Münchner Merkur verteidigt der Deutschland-Chef, Alexander Stüger, das Datensammeln des Konzerns mit Windows 10.

Der Weltkonzern, hat gerade eine Produkt-Offensive gestartet: Soeben ist das neue Office-Paket in den Verkauf gekommen, bereits seit Ende Juli ist das Betriebssystem Windows 10 erhältlich. Laut Microsoft wurde es in den vergangenen Wochen bereits 110 Millionen Mal heruntergeladen. Wir sprachen mit dem Chef von Microsoft Deutschland, Alexander Stüger, über Datensicherheit, den Microsoft-Vertrieb über Irland und Luxemburg sowie den Umzug der Deutschland-Zentrale von Unterschleißheim nach München.

Im Rathaus der Stadt München heißt es, man werde bis auf weiteres mit dem offenen Betriebssystem Linux arbeiten. Ärgert es Sie, dass die Stadtverwaltung weiterhin auf Linux setzt, obwohl Microsoft seinen deutschen Firmensitz nächstes Jahr nach München verlegt?

Wir haben natürlich den Ehrgeiz, alle potenziellen Kunden dahin zu bringen, ihre Informationstechnologie aus unserer Sicht möglichst effizient und gut zu betreiben. Wir wissen natürlich auch, dass es ein großes Nebeneinander gibt. Die Welt ist ja nicht Schwarz-Weiß – auch nicht in München. Wir nehmen das daher sportlich, denken aber, dass wir ein attraktives Angebot haben.

Bleiben wir beim Angebot von Microsoft: Die Verbraucherzentralen haben das neue Betriebssystem Windows 10 als eine Art „private Abhöranlage“ gegeißelt. Microsoft betreibe „Überwachung bis zum letzten Klick“. Warum diese Datensammelwut?

Microsoft baut: In der Parkstadt Schwabing entsteht die Deutschland-Zentrale des Konzerns.

In der Technologie hat ein Wandel stattgefunden, der so letztlich auch vom Endkunden erwartet wird. Die Technik bietet einen Service – und dafür benötigen Sie Daten. Wenn Sie sich beispielsweise von der digitalen Windows-Assistentin Cortana vorschlagen lassen wollen, wo sich in der Nähe ein gutes Restaurant befindet, muss das System natürlich wissen, wo Sie sich aufhalten. Wenn man die Vorzüge dieser Technik genießen will, braucht man Daten. Wer das nicht möchte, der kann das in den Einstellungen ändern. Aber die große Mehrheit unserer Kunden möchte ja diesen Service.

Wobei das vielleicht auch daran liegt, dass die Häkchen bei der Express-Installation automatisch gesetzt sind. Haben Sie bei der Installation auf Ihren eigenen Rechnern die Grundeinstellungen zum Datenschutz eigentlich geändert oder darf Microsoft Ihr Verhalten uneingeschränkt analysieren?

Ich selbst verwende die Express-Einstellungen. Nur so kann ich den kompletten Service auch nutzten.

Aber Grund zur Anpassung gäbe es doch. Microsoft sammelt unter anderem Name, E-Mail-Adresse, Postanschrift, Telefonnummer, Alter, Geschlecht, Kreditkartennummer und besuchte Webseiten. Verbraucherschützer kritisieren, dass Microsoft ein Betriebssystem verkaufe, das sich zusätzlich über Werbung finanziert.

Das ist nicht richtig. Windows 10 wird nicht über Werbung finanziert. Die Daten werden nur dafür genutzt, um unseren Kunden einen Service anbieten zu können, den sie auch erwarten. Wenn Sie auf Webseiten zugreifen, weil Sie etwas interessiert und dann wieder mit der Windows-Assistentin in Kontakt treten wollen, dann will der Kunde auch ein Angebot vorfinden, das seinen Wünschen vorspezifiziert entspricht. Daher muss das System das wissen.

Wo speichert Microsoft die gesammelten Daten? Auf Servern in den USA, in Deutschland oder sonstwo auf der Welt?

Die Daten von Privatkunden können in Rechenzentren auf der ganzen Welt liegen.

Wie lange bleiben die Daten dort gespeichert?

Die Daten in einem Kunden-Account bleiben solange dort, bis der Kunde sie löscht. Bei anderen Daten hängt es vom jeweiligen Dienst ab.

Die EU könnte das Sammeln von Daten schon bald erschweren. Sofern die EU-Kommission die Datenschutz-Verordnungen verschärft, wäre es verboten, die Grundeinstellungen so zu gestalten, dass alle Häkchen schon gesetzt sind. Warum wehrt sich Microsoft vehement gegen solche Regeln?

Wir begrüßen, dass es eine Europäische Datenschutz-Grundverordnung geben wird. Wir haben sie lange gefordert. Vor allem wollen wir den Wünschen der Verbraucher gerecht werden. Die Leute wollen einen komfortablen Service haben. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass der Komfortfaktor zurückgeht, wenn man einschränkend eingreift. Wenn entsprechende Regularien ergriffen werden, werden wir damit entsprechend umgehen. Aber man muss hier schon mit dem richtigen Augenmaß vorgehen, um die Balance herzustellen.

Der unternehmerische Erfolg scheint Ihnen ja auch Recht zu geben. Vergangenes Jahr hat die Microsoft Deutschland GmbH in Unterschleißheim einen Umsatz von über 700 Millionen Euro ausgewiesen. Der Gewinn ist zum Vorjahr um ein Drittel auf 92 Millionen Euro gestiegen. Wie kam es zu dem plötzlichen Anstieg?

Das ist der handelsrechtliche Abschluss der Microsoft Deutschland GmbH, den wir veröffentlichen. Hier ist abgebildet, was Microsoft Deutschland als Ausschüttung aus den Lizenzgeschäften der irischen Gesellschaft erhält.

Aber neben der irischen Gesellschaft gibt es doch noch die Microsoft-Gesellschaft in Luxemburg, mit der ich als einfacher Kunde einen Vertrag schließe, sobald ich im deutschsprachigen Microsoft-Store ein Programm herunterlade. Können Sie etwas Licht ins Dunkel bringen, wie die Vertriebswege von Microsoft Deutschland überhaupt funktionieren?

Wir haben bei Microsoft ein indirektes Vertriebsmodell. Unsere 31 500 Partner-Unternehmen, mit denen wir Verträge haben, beziehen ihre Ware in Irland.

Ware heißt vermutlich Software.

Ja, genau. Das kann aber auch eine Beratungsleistung sein. Diese Partner-Firmen verkaufen die Ware weiter an die Kunden. In dieser Konstellation ist die Microsoft-Niederlassung in Deutschland eine reine Marketing- und Vertriebsniederlassung. Vereinfacht gesagt bekommt Microsoft Deutschland eine Provision der irischen Gesellschaft, sobald die Produkte verkauft wurden. Daher gibt es bei uns eine starke Trennung zwischen dem reinen Warenfluss und dem Gewinn, wie er letztlich in der Bilanz der Microsoft Deutschland GmbH ausgewiesen wird.

Heißt das im Umkehrschluss, dass die Erträge, die Microsoft durch die Lizenz-Verkäufe erwirtschaftet, auch in Luxemburg oder Irland versteuert werden?

Ja, das ist so.

Zumindest konnte sich die Stadt Unterschleißheim bisher durch die in Deutschland ausgewiesenen Erträge über kräftige Einnahmen aus der Gewerbesteuer freuen. Warum zieht die Deutschland-Zentrale eigentlich von Unterschleißheim nach München? Immerhin liegt der Hebesatz der Gewerbesteuer dort bei 350 Prozent, in München werden 490 Prozent fällig.

Bei dem Umzug steht bei uns ganz massiv im Vordergrund, Microsoft näher an unsere Kunden zu bringen. Wenn das neue Gebäude fertig ist, gibt es dort eine sehr große öffentliche Zone. Außerdem wollen wir in den Räumlichkeiten eine neue Art des Arbeitens umsetzen, daher der Schritt nach München.

Der Neubau ist so konzipiert, dass es keine festen Büros mehr gibt für die Beschäftigten. Die Mitarbeiter dürfen jederzeit von zuhause oder vom Café aus arbeiten. Spart sich Microsoft damit Kosten, wenn das Unternehmen den Mitarbeitern weniger Bürofläche zur Verfügung stellt?

Nein. Wir geben unter dem Strich deutlich mehr aus, insbesondere wenn man die höhere Gewerbesteuer in München berücksichtigt. Die Quantität der Fläche in Schwabing ist im Verhältnis zum heutigen Standort geringer, dafür wird die Qualität deutlich höher. Es geht uns darum, das Arbeiten in einem Konzept mit unterschiedlichen Arbeitszonen situationsbedingt zu unterstützen und so eine neue Welt des Arbeitens zu schaffen.

Interview: Sebastian Hölzle

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